Haching-Coach über Vereinstreue, und sportliche Ziele

Schromm über Aufstieg: „Dann schlage ich einen Purzelbaum“

Aus drei weiteren Jahren könnten auch fünf werden: Claus Schromm hat noch viel vor mit der SpVgg Unterhaching
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Aus drei weiteren Jahren könnten auch fünf werden: Claus Schromm hat noch viel vor mit der SpVgg Unterhaching.

Claus Schromm hat seinen Vertrag bis 2023 bei der SpVgg Unterhaching verlängert. Das große Merkur-Interview mit dem Erfolgstrainer des Tabellendritten der 3. Liga.

  • Claus Schromm steht bis mindestens 2023 an der Seitenlinie der SpVgg Unterhaching. 
  • Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht der 50-Jährige über Vereinstreue, familiäre Harmonie und sportliche Ziele.
  • Der Trainer spricht bereits über eine neue Vertragsverlängerung bis 2025 - dem 100-jährigen Jubiläum der Hachinger. 

Unterhaching – Gelächter beim Kleingruppentraining, auch Präsident Manni Schwabl schaut am Karfreitag vorbei – und Claus Schromm, gut gebräunt wie immer, strotzt vor guter Laune. Corona-Krise, Hauptsponsor weg, der dritte Tabellenplatz womöglich Makulatur – zumindest bei der SpVgg Unterhaching hat man beschlossen, nicht ins allgemeine Wehklagen der Drittligisten einzustimmen. Im Gegenteil. Gerade wurde ein neues Aktienpaket verkauft, jetzt auch noch der Vertrag des Cheftrainers verlängert (bis 2023). Wir sprachen mit Coach Schromm, 50, über die Gründe für seine Vereinstreue.

„Wir planen schon die Zeit nach der Krise“

Herr Schromm, überraschend an Ihrer Vertragsverlängerung war vor allem der Zeitpunkt, oder?

Wir waren uns ja schon länger mündlich einig und haben das jetzt einfach fixiert. Wir fanden, dass das ein guter Zeitpunkt ist, um ein Zeichen zu setzen. Trotzdem: Respekt vor dem Verein, dass er das macht in diesen Zeiten. Das spricht mal wieder für Unterhaching. Wir versuchen eben, der Zeit gedanklich immer einen Tick voraus zu sein (lacht).

Um erst gar keinen Stillstand zuzulassen?

Genau. Wir planen schon die Zeit nach der Krise. Man sieht das ja auch hier: Wir haben heute beim Training ein paar 2003er an Bord, die sich ebenfalls für unseren langfristigen Weg entschieden haben.

Vertragsverlängerung mit Schwabl ohne Weißbier

Ein Vertragsgespräch mit Manni Schwabl stellt man sich so vor: Fünf Minuten unterhalten, dann unterschreiben und mit einem Weißbier besiegeln.

15 Minuten waren es – und die waren sehr lustig. Nach 13 Minuten waren wir fertig, danach haben wir noch zwei Minuten geratscht. Weißbier fällt aus in diesen Zeiten, dafür gab es einen angedeuteten Handshake.

In Oberhaching aufgewachsen, in Unterhaching sesshaft geworden?

Das ist natürlich ein absoluter Traum. Ich habe es geschafft, mit drei Arbeitgebern auszukommen – alle im Umkreis von wenigen Kilometern. Erst 1860. Dann Sportschule Oberhaching – da konnte ich hinradeln, weil es mit dem Auto länger gedauert hätte. Jetzt hier bei Haching der zweite Block (nach seiner Zeit als U 19-Coach 1999 bis 2003/Red.). Ich bin superglücklich, dass ich seit 20 Jahren in der Region arbeiten kann und mich nicht aufs berühmte Karussell setzen musste. Umzug, Schulwechsel – blieb mir und meiner Familie alles erspart.

Die große, weite Fußballwelt hat Sie nie gereizt?

Anfragen gab es immer mal wieder – vor Jahren von einem spannenden Drittligisten mit guter Historie. Ich habe aber nie eine Chance ausgelassen zu kommunizieren, wie sehr mich das Projekt hier reizt. Mir fällt dazu Matthias Zimmermann ein, unser Kapitän zu Bundesligazeiten. Er hat gesagt, als hier damals die Osttribüne gebaut wurde: Wow, ich glaub, eine Reihe gehört mir. Frage ich ihn: Wie meinst’n das? Sagt er: Ohne unseren Aufstieg hätte sich der Verein die Tribüne nie leisten können.

Hoffnung auf Ära „Schwabl/Schromm - die haben was bewegt“

Sie orientieren sich an den früheren Haching-Helden?

Auch meine Grundmotivation ist, etwas Nachhaltiges zu hinterlassen. Ich tu’ mich wahnsinnig schwer zu sagen, wer gerade wo Trainer ist. Deswegen hoffe ich, dass es irgendwann mal heißt: Es gab eine Ära, die hieß Schwabl/Schromm – und die haben was bewegt. Ich gehe in meine zweite Dekade hier und möchte mithelfen, einen richtigen Pflock reinzuhauen. Wahrscheinlich verlängern wir irgendwann auch noch bis 2025, denn da ist hier 100-jähriges Jubiläum. Als etablierter Zweitligist könnten wir dann eines Tages das Zepter übergeben.

Und nach 2025, was könnte da kommen? Das Ausland womöglich?

Ich denke gerne in Projekten. Es wäre schön, irgendwo auf der Welt einen Verband oder Verein zu finden, der mein Knowhow zu schätzen weiß. Da mit einem kleinen Trainerteam hinzugehen, könnte ich mir gut vorstellen.

Werden Sie in Ihrem Wohnort Taufkirchen häufig angesprochen?

Edeka ist schwierig. Da wird man erkannt und angesprochen – aber durchweg positiv und nett. In meinem Wohnort ist es mir wichtig, dass da die Birgit, die Lisa oder der Nico Schromm läuft und nicht die Frau, die Tochter oder der Sohn des Trainers. Das liegt mir sehr am Herzen, dass da nicht alle auf die Trainergeschichte reduziert werden.

Schromm kauf „auch mal was fürs Herz“ im Supermarkt

Kann man Sie auch außerhalb von Corona-Zeiten im Supermarkt antreffen?

Selbstverständlich. Für mich ist dieser Laden ein kleines Schlaraffenland. Da kriegst du alles, was das Herz begehrt – und ich muss ja auch zusehen, dass das Richtige eingekauft wird (grinst).

Interview mit Sicherheitsabstand: Unterhaching-Coach Schromm mit Sportredakteur Uli Kellner.

Aha, und was wäre das?

Meine Tochter sagt: Wenn sie den Kühlschrank aufmacht, sieht sie sofort, wer eingekauft hat. Meine Frau ernährt sich äußerst gesund, bei mir ist auch mal was fürs Herz dabei. Ein schöner Schinken, Wurst – oder auch Chips. Schokolade ist dafür nicht so meins, die würde schlecht werden in meiner Schublade.

Und wie steht es um andere Beiträge im Haushalt?

Ich bin mit mir zufrieden (lacht). Der Staubsauger ist der beste Freund von meiner Frau, aber sonst bin ich gut dabei. Zurzeit wird häufig gegrillt bei uns, und das ist natürlich eine Papa-Geschichte.

„Empfinde es als Segen, dass ich in der Region arbeiten kann“

War für Sie eigentlich immer klar, dass Sie einen Beruf im Sport anstreben?

Ja, eigentlich schon. Ich habe Sport studiert, bin über einen Kommilitonen in die Reha-Thematik reingekommen. Über den Patientenstatus bin ich auf die Therapeuten-Schiene gekommen. Anfangs war das mein erstes Standbein, daneben war immer Fußball. Erst bei 1860 hat sich das dann gedreht.

Fühlen Sie sich in Haching so wohl, weil Sie generell Wert auf ein harmonisches Umfeld legen?

Ja, das ist so. Ich sehe mich schon als Familienmensch und bin froh, dass ich meine Eltern und Schwiegereltern in dieser schwierigen Zeit begleiten kann. Ich empfinde es auch deswegen als Segen, dass ich in der Region arbeiten kann.

Jetzt steht seit langer Zeit mal wieder ein Osterfest ins Haus, an dem Sie Zeit für die Familie haben.

So ist das. Als ich zum ersten Mal als Vater Ostern zu Hause war, war meine Tochter neun Jahre alt – sonst war ich immer auf einem Osterturnier unterwegs. Um Eier zu verstecken, sind unsere Kinder inzwischen zu alt. Gefärbt haben wir aber trotzdem.

Claus Schromm: Bei Aufstieg „vielleicht ein Purzelbaum“

Zum Abschluss noch ein sportlicher Ausblick: Geisterspiele könnten auch in der 3. Liga die Lösung sein, aber wie lässt sich ein Aufstieg ohne Körperkontakt feiern?

Wenn’s denn so kommt, schlage ich vielleicht einen Purzelbaum – alleine auf dem Rasen. Die wahre Herausforderung dürfte aber werden, dem Präsi auszuweichen, wenn er wieder auf mich draufspringt wie beim letzten Aufstieg (lacht).

Und um auf das Bild von Ex-Kapitän Zimmermann zurückzukommen: Wie viele Sportparkränge gehören eines Tages Ihnen?

Wenn der Sportpark mal so aussieht, wie wir ihn gerade alle gemeinsam zusammenbasteln, dann weiß ich nicht, ob eine Reihe reicht. Ich denke, es könnte ein kleiner Block werden, aber der Hauptteil gehört natürlich dem Manni.

Interview: Uli Kellner

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