„Sport kann ich nicht wirklich treiben“

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Zum Zuschauen verdammt: Niklas Mooshofer vom SV Pullach.

Pullach - Unglücksrabe Niklas Mooshofer (24): Vor gut einem Jahr setzte den groß gewachsenen, aber auch technisch beschlagenen Verteidiger des SV Pullach bereits zum vierten Mal ein Kreuzbandriss außer Gefecht. Als Nachwuchsspieler bei seinem Lieblingsverein TSV 1860 München und später bei der SpVgg Unterhaching hatte sich Mooshofer durchaus Chancen auf eine Profi-Karriere ausrechnen dürfen. Doch, als er bei den Hachingern als B-Jugendlicher drauf und dran war, in den Bundesliga-Kader der A-Junioren-Bundesliga befördert zu werden, warf ihn in der Vorbereitung die erste schwere Knieblessur zurück. Mit 18 wechselte er zum SVP. Aber auch bei den Raben wurde er vom Verletzungspech heimgesucht. Derzeit ist er vor allem mit dem Studium beschäftigt.

Vor einem Jahr haben Sie gesagt, Sie lassen sich vor allem deshalb operieren, damit Sie normal leben und hobbymäßig Sport, wie zum Beispiel Volleyball oder Tennis, machen können. Wie geht es denn jetzt mit dem Knie?

Im Alltag geht es eigentlich gut. Aber Sport kann ich nicht wirklich treiben. Die Operation war im März, danach habe ich es gut ausheilen lassen und Physio gemacht, aber überhaupt kein Aufbautraining. Ich könnte jetzt nicht einfach in die Tennishalle gehen und loslegen.

Hoffen Sie denn noch auf ein Comeback im Fußball?

Natürlich würde ich gern spielen, aber es geht wohl nicht mehr. Da ist sicher auch viel Angst dabei. Denn wenn jetzt wieder etwas in dem Knie passiert, dann wird es wahrscheinlich die Hölle. Ich weiß gar nicht, welche Sehne sie dann zum operieren noch nehmen könnten. Wenn es der erste Kreuzbandriss wäre, würde ich es auf jeden Fall nochmal versuchen.

Wie kamen Sie denn in diesem ersten Jahr ganz ohne Fußball und auch ohne Perspektive zur Rückkehr zurecht?

Wenn ich keinen Fußball sehe, macht es mir nichts aus. Aber wenn ich in Pullach bei den Spielen bin oder auch ein paar alte Videos von unserer Bayernliga-Meisterschaft anschaue, oder auch wenn ich die Löwen sehe, meistens im Fernsehen, weil man keine Karten kriegt, dann bin ich schon geknickt. Es ist einfach traurig, dass man nicht mehr spielen kann. Aber auf der anderen Seite gibt es so viel, was mich ablenkt. Dann funktioniert es schon.

Fühlen Sie sich noch als Teil der Pullacher Mannschaft?

Auf alle Fälle. Unser Kapitän Christoph Dinkelbach ruft mich immer an, wenn es im Verein oder in der Mannschaft irgendeine Feier gibt. Anfang Dezember zum Beispiel, da wurde gegrillt, der Vorstand hat ein paar Worte gesagt, da war ich mit dabei. Obwohl es mir irgendwie auch fast unangenehm ist, denn so oft habe ich in diesem Jahr nicht zugeschaut. Aber es ist echt super.

Was hat 2018 sonst für Sie gebracht?

Abgesehen vom Fußball ist das Jahr super gelaufen. Im März vor der Operation habe ich meinen Bachelor in Maschinenbau gemacht, im Herbst das Masterstudium angefangen. Dazwischen war ich ein bisschen unterwegs, in England, auf ein paar kanarischen Inseln, in Paris, auf Mallorca, in Toulouse. Das war die letzte Chance, sowas zu machen, denn nach dem Master sollte man dann doch mal anfangen zu arbeiten. Nach dem Abitur hast du keine Zeit zu reisen, wenn du Fußball spielen willst. Da war ich noch bei Haching, da ging das sowieso nicht.

Wo landet der SV Pullach in dieser Saison?

Türkgücü ist nicht einzuholen. Das ist kein normaler Aufsteiger, in der Mannschaft sind lauter erfahrene Spieler. Aber der zweite Platz ist auf jeden Fall drin. Ich werde im Frühjahr wieder öfter mal vorbeischauen, wenn nicht gerade die Löwen spielen.

Das Löwenherz schlägt also noch.

Natürlich. Das hört nie auf.

Was haben Sie sich fürs Studium vorgenommen?

Maschinenbau ist schon stressig. Bis Ende März sind Prüfungen und im April geht es schon wieder weiter. Mehr als zwei Wochen habe ich nicht frei. Ich hoffe halt, dass ich gut durch die Prüfungen komme und ganz gute Noten habe.


Das Gespräch führte
Umberto Savignano.

Quelle: Merkur.de

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