Serie: Legendäre Entscheidungsspiele

Palzinger Glückseligkeit nach dem vierten Anlauf

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Die grün-weiße Truppe aus Gold: Mit dieser Mannschaft stieg der SVA Palzing 1989 in die Bezirksliga auf. Trainer der Elf war Fritz Karinscheck.

Dieser Aufstieg war überfällig: 1989 schafften die Kicker des SVA Palzing dank des Siegs über den FC Eintracht Freising erstmals den Sprung in die Bezirksliga. 

Palzing  – Der Weg, den der SVA Palzing in den 1980er Jahren nahm, war steinig, gepflastert mit vielen Enttäuschungen, aber auch mit einem historischen Triumph. Der damalige, inzwischen verstorbene Trainer Georg Schepp („Es gibt zwei Fußballtrainer, die ohne Lizenz Erfolg haben: Franz Beckenbauer und mich“) hatte 1985 eine eingespielte Truppe zur Verfügung, die erst ein Jahr zuvor aus der B-Klasse aufgestiegen war. Junge, ehrgeizige und vor allem talentierte Spieler bildeten zusammen mit ein paar Routiniers ein schlagkräftiges Team, das 1985 erstmals einen Anlauf aus der A-Klasse (jetzt Kreisliga) Richtung Bezirksliga machte. Hinter Meister und Aufsteiger SG Moosburg wurde der SVA Zweiter. Im Jubiläumsjahr (der Club wurde 60 Jahre alt) sollte der Coup gelingen.

Erster Anlauf

Gegner im ersten Relegationsspiel war mit dem TSV Dachau ein weiterer A-Klassen-Vizemeister. Die Partie fand in Eching statt – für Schepp, der dort wohnte, eine Art Heimvorteil. Doch kaum war das Match angepfiffen, da schien der Traum vom Aufstieg schon geplatzt zu sein. Denn nach neun Minuten lag man mit 0:3 zurück. Die Elf reagierte und startete vor 630 Besuchern eine Aufholjagd. Kapitän Fritz Karinscheck (35.) sowie Norbert Holzmaier (54.) stellten auf 2:3, doch der bereits verletzt in die Partie gegangene Torwart Michael Past musste noch einmal hinter sich greifen. Die SVA-Abwehr machte insgesamt einen fahrigen und nervösen Eindruck.

Aufstellung: Past – Linsmeier, Sperrer, Gottschalk, Kowoll (60. Mair) – Karinscheck, Huber, Riesch (46. J. Thalhammer), Erich Wöhrl – Thomas Wöhrl, Holzmaier.

Zweiter Anlauf

Nur ein Jahr später, also 1986, wurde die beinahe identische Mannschaft erneut Vizemeister, diesmal hinter Himolla Taufkirchen. Erster Gegner in der Relegationsrunde mit vier Mannschaften war der TSV Kösching. Gespielt wurde in Geisenfeld. Die Palzinger nahmen diese Hürde, benötigten jedoch jede Menge Kraft und Nerven, bis der 8:6-Sieg nach Elfmeterschießen feststand. Am Ende der 90 Minuten stand es 2:2 (Tore von Norbert Holzmaier und Fritz Karinscheck), nach der Verlängerung 3:3 (Herbert Lorenz). Dann folgte das Elfmeterschießen, in dem gleich beim ersten Schuss den SVA-Anhängern der Atem stockte. Der Ball von Thomas Wöhrl landete im Aus – wegen eines Lochs im Tornetz. Alle Palzinger Schützen trafen.

Gegner im „Finale“ war der SV Sulzemoos – betreut vom Ex-Eintrachtler Erich Meidert und Abteilungsleiter Heribert Winklhofer, die beide in der folgenden Saison beim TSV Eching tätig waren. Spielort war abermals das Stadion an der Dietersheimer Straße in Eching. Ein schlechtes Omen für Schepp und seine Elf? Tatsächlich wurde es mit dem Sprung eine Liga höher wieder nichts. Palzing verlor mit 1:2, Lorenz hatte den zwischenzeitlichen Ausgleich besorgt. Das Sulzemooser Siegtor vor 700 Zuschauern fiel in der 89. Minute. Der damalige Kapitän Karinscheck erinnert sich: „Ein richtiger Grottenkick, wir waren bitter enttäuscht.“

Dritter Anlauf

Inmitten der Saison 1986/87 vollzog der SVA einen Trainerwechsel: Schepp musste gehen. Karinscheck wurde zum Spielertrainer befördert – der Mann, der grün-weißes Blut in den Adern hat, mit dem SVA stark verbunden war und heute noch ist. In einem Entscheidungsspiel wurde der Relegationsteilnehmer ermittelt. Der TSV Allershausen und der SVA waren punktgleich über die Ziellinie gegangen. 500 Zuschauer in der Savoyer Au sahen eine spannende Partie, am Ende waren die Allershausener im Elfmeterschießen die Glücklicheren. Das war der letzte aktive Auftritt von Karinscheck als Spieler, von da an gab er seine Kommandos von der Bank aus.

Vierter Anlauf

Nach Platz fünf in der Saison (1987/88) mischte der SVA ein Jahr später wieder vorne mit, stand etliche Wochen auf Rang eins und war klar auf Titel- und Aufstiegskurs. „Alle dachten, wir sind schon Meister, im Hintergrund liefen schon die Pläne für die Aufstiegsfeier“, entsinnt sich Karinscheck. Der letzte Spieltag sollte alles klar machen: Verfolger Eintracht Freising lag zwei Punkte zurück und konnte im direkten Duell mit dem SVA, der eine Woche zuvor beim 0:0 in Allershausen einen Zähler hatte liegen lassen, noch gleichziehen. Und tatsächlich: Die Eintracht siegte vor 1000 Zuschauern in der Savoyer Au mit 3:1 und erzwang ein Entscheidungsspiel. Karinscheck verzweifelte: „Immer, wenn es darauf ankommt, sind einige von uns nicht auf der Höhe.“

Doch dann folgte der 7. Juni 1989, ein Mittwoch, der alles im Clubleben des SVA verändern sollte. Karinscheck grübelte viel in diesen Tagen. „Ich musste mir was einfallen lassen. Beim Spiel in Freising waren wir chancenlos – unsere drei Stürmer wurden von den Eintracht-Verteidigern zugedeckt.“ Seine Idee: Wast Mair rückte für Hans Radlmaier ins Team und verstärkte das Mittelfeld, die Freisinger Verteidiger hatten es nur mehr mit zwei Stürmern zu tun. „Der Wast hatte einen super Tag – das war aus meiner Sicht der entscheidende Punkt, der das Spiel komplett veränderte“, sagt Karinscheck noch heute.

Der Moment, als alle Dämme brachen: Thomas Wöhrl wird für seinen Treffer zum vorentscheidenden 3:1 bejubelt.

Gespielt wurde in Allershausen. 1300 Zuschauer sahen bei hohen Temperaturen eine spannende Partie, die Entscheidung fiel spät in der regulären Spielzeit. Gunther Philipp hatte den spielerisch stärkeren Favoriten aus der Domstadt verdient in Front gebracht, Thomas Wöhrl mit einem umstrittenen Strafstoß ausgeglichen. Doch die unorthodoxe Spielweise der Palzinger setzte sich letztlich durch, die Ampertaler zwangen die Eintracht-Abwehr mit vielen langen Bällen zu Fehlern. Hans Radlmaier und erneut Wöhrl gelangen die entscheidenden Tore, der zweite Treffer von Philipp kam zu spät.

Danach brachen im SVA-Lager alle Dämme. Erst auf dem Spielfeld, dann im Ort selber. „Am nächsten Tag hat keiner von uns gearbeitet“, weiß Karinscheck. „Vor dem Zollinger Rathaus haben wir die grün-weiße Vereinsfahne gehisst.“ Letztlich habe dieser Erfolg einiges im Club verändert – auch wenn man im Jahr darauf wieder abstieg. Die Palzinger mussten wegen einer Platzsanierung nach Zolling ausweichen. „Der Heimvorteil war weg, der wäre aber im ersten Jahr wichtig gewesen.“ Dennoch war es der Beginn weiterer, erfolgreicher Spielzeiten. Der erneute Aufstieg 1991 in die Bezirksliga und sogar der fast geglückte Sprung in die Bezirksoberliga zeugen von starken Jahren des SVA.

SVA Palzing – FC Eintracht Freising 3:2 (0:1) 

(Mittwoch, 7. Juni 1989, in Allershausen)

SVA Palzing: Stich – Linsmeier, Kowoll, Gottschalk (71. Radlmaier), Huber – Mair, Widmann, M. Burg (82. Reiser), Hain – J. Burg, T. Wöhrl. 

FC Eintracht Freising: Sinicki – Weinberger, Forster, Kronthaler, D. Rosic (77. Schick) – Frank, M. Rosic, Häcker – Philipp, Bikowski, Götz (46. Ranner). 

Tore: 0:1 Philipp (43.), 1:1 T. Wöhrl (64./Elfmeter), 2:1 Radlmaier (74.), 3:1 T. Wöhrl (80.), 3:2 Philipp (85.). 

Zuschauer: 1300.

Zur Serie: 

Ohne Corona-Krise wäre jetzt Relegationszeit im Amateurfußball gewesen – für die Fans die spannendsten Begegnungen des Jahres, Verlängerung und Elfmeterschießen oft inklusive. Wir erinnern in einer Serie an legendäre Entscheidungsspiele zwischen 1980 und 2000. Lesen Sie auch: TSV Eching: Ein Jahr mit Willi Bierofka

Quelle: Merkur.de

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