Patrick Mölzl über seinen nicht einfachen Job bei Wacker Burghausen

Patrick Mölzl über Internet-Hetze und Torjäger Marinkovic

Sorgte mit dem Sieg gegen die Löwen für die große Überraschung: Wacker Burghausens Trainer Patrick Mölzl. FOTO: HÜBNER

Wacker Burghausen sorgte mit dem Sieg über die Münchner Löwen für einen Paukenschlag in der Regionalliga. Nach zuvor vier Niederlagen in Folge durfte Trainer Patrick Mölzl durchatmen.

Der Ex-Profi über harte erste Wochen, Internet-Hetze, seinen umworbenen Torjäger und Jugendsünden.

Patrick Mölzl, nach vier Niederlagen in Folge haben Sie mit Wacker Burghausen vor zehn Tagen einen grandiosen 2:0-Sieg gegen den TSV 1860 München gefeiert. Hat dieses Spiel gezeigt, welches Potenzial eigentlich in Ihrer Mannschaft steckt?

Ihr Potenzial hat die Mannschaft zuvor auch schon gezeigt, in den drei Derbys haben wir jeweils gut angefangen, auch geführt, dann aber durch individuelle Fehler verloren. In Rosenheim hätten wir zur Pause 5:0 vorne sein müssen, aber uns fehlt einfach die Kontinuität. Das zieht sich wie ein Roter Faden durch die Saison.

Nur gegen den Tabellenführer lief es dann richtig gut. . .

Da hat alles gepasst, unsere Fans standen voll hinter uns, nur so war das möglich. Gegen vermeintlich schwächere Gegner schaffen wir es einfach nicht, die Spannung so hochzuhalten wie in den Topspielen gegen 1860 oder die Bayern, das müssen wir in Griff kriegen. Dass wir eine gute Mannschaft haben, war mir immer klar.

Sie sind im letzten Frühjahr acht Spieltage vor Saisonende von Kirchanschöring nach Burghausen gewechselt, Wacker stand auf Platz sechs, am Ende war man Elfter. War der Zeitpunkt Ihres Einstiegs nicht ein bisschen unklug?

Nicht von der Konzeption her. Wir wollten damit die Vorbereitung auf die neue Saison nach vorne verlegen, ich konnte noch einiges ausprobieren, Spieler aus der zweiten Reihe testen.

Was von den Fans offensichtlich als Vorgabe des Vereins interpretiert wurde, um aus „strategischen Gründen“ möglichst einen Platz unterhalb von Rang sechs zu belegen, weil sich sonst der Vertrag des geschassten Trainers Uwe Wolf verlängert hätte. Sollten Sie verlieren?

Diese Thematik war mir nicht bewusst, von solchen Gedankenspielen bin ich zu weit weg. Ich habe getestet, dazu stehe ich, das wurde von Anfang an so kommuniziert.

Mölzl: "Privat war das meine schlimmste Zeit"

Schon bei Ihrem ersten Spiel in Buchbach wurden Sie lautstark beschimpft, wie empfindet man so einen Einstand?

Das trifft einen schon, daran hatte ich extrem zu knabbern. Privat war das meine schlimmste Zeit, heute aber weiß ich: Damals hätte auch ein Mourinho kommen können, er wäre von diesem Teil der Fans nicht akzeptiert worden.

Lesen Sie die Kommentare in den Internetforen?

Anfangs habe ich das getan, jetzt lasse ich das nicht mehr so nah an mich herankommen. Ich weiß, dass es noch immer sehr kritische Stimmen gibt, aber das ist nicht die breite Masse. Ich fahre jedenfalls ohne Angst zum Training nach Burghausen, im Stadion spüre ich Unterstützung, mit führenden Köpfen der Ultras habe ich mich auch persönlich ausgetauscht. Es wäre schön, wenn auch die, die im Netz gegen mich hetzen, das nicht anonym tun würden, sondern mich direkt ansprechen. So aber verstecken sie sich hinter einem Pseudonym, schade. Ich bin bereit, offen und ehrlich mit allem umzugehen.

Wacker Burghausen hat eine glorreiche Zeit in der 2. Liga hinter sich, der trauern viele Fans noch nach. Umso härter traf sie im Winter die Entscheidung des Vereins, sich vom Profifußball zu verabschieden. Diese Enttäuschung müssen jetzt Sie ausbaden?

Die Abkehr vom Vollprofitum war unumgänglich, um dem Verein eine Zukunft zu geben. Eine reine Profimannschaft kann Burghausen nicht mehr finanzieren, das wäre ein unverantwortliches Risiko gewesen. Auch für die Spieler, für die der Verein ja eine gewisse Verantwortung trägt. Man kann keinem Spieler Mitte 20, der in der Regionalliga spielt, empfehlen, weiter voll auf den Fußball zu setzen. Die Spieler wollen das auch selbst nicht, sie wissen, dass es bei den meisten für den ganz großen Fußball nicht mehr reichen wird.

Mölzl: "90 Prozent arbeiten oder machen eine Ausbildung"

Arbeiten nun alle?

90 Prozent arbeiten oder machen eine Ausbildung, ich finde den Ansatz des Vereins, den Jungs ein zweites Standbein anzubieten, auch sehr reizvoll. Mit der Firma Wacker im Hintergrund können wir Türen öffnen. Für die Spieler ist es eine Umstellung, die haben nun einen ganz anderen Tagesablauf. Jetzt sind sie, wenn sie zum Training kommen, schon acht Stunden auf den Beinen, vorher haben sie nur trainiert. Das ist auch ein Grund für die wechselnden Leistungen, diese Umstellung braucht Zeit.

Akzeptieren das die Fans nicht?

Die Kritiker sollten erkennen, dass da auf dem Platz keine hochbezahlten Profis mehr spielen, einige verdienen wohl weniger als die Leute auf der Westtribüne. Denen geht es nicht um Geld, die wollen Fußball spielen. Und das klappt halt nicht immer gleich gut.

Mit welchen Vorgaben sind Sie in die aktuelle Saison gegangen?

Es sollte ein ruhiges Jahr werden, hätten wir jetzt nicht gegen 1860 gewonnen, wäre es schon etwas eng geworden. Aber so ist der Fußball. Der Sieg freut uns, den Schwung wollen wir jetzt mitnehmen.

Zur Winterpause aber droht der Abgang Ihres Top-Torjägers Sascha Marinkovic, den wohl mehrere Vereine auf dem Zettel haben.

Ob er geht, das entscheiden wir. Sascha hat noch zweieinhalb Jahre Vertrag, den werden wir nicht herschenken. Und er weiß, was er uns zu verdanken hat, Fußball ist Mannschaftssport, er hat auch viel von seinen Mitspielern profitiert.

In den Medien wird eine Ablöse von 500 000 Euro kolportiert.

Das habe ich auch gelesen, Fakt aber ist, dass keiner angerufen, keiner mit uns verhandelt hat. Deshalb sehe ich keinen Grund, mir darüber Gedanken zu machen.

Mölzl: "Als Spieler war ich kein Musterprofi"

Wie sehen die mittel- und längerfristigen Ziele des Vereins aus, will man irgendwann zurück in die 3. Liga?

Wir wollen die Mannschaft auf sichere Beine stellen, bei unserem finanziellen Background passt die Liga, wir können keine Topspieler holen, setzten auch zwangsläufig auf die Jugend. Sollte es trotzdem mal wieder in die 3. Liga gehen, werden wir auch dort unser duales Konzept durchziehen, wir wollen Nachhaltigkeit schaffen.

Und wie sieht es mit dem Trainer Mölzl aus? Reizt nicht der Sprung in den Profifußball, wo Sie auch als Spieler waren?

Mit meinen derzeitigen Trainerlizenzen ist Regionalliga das Maximum. Für mich war Wacker der nächste Schritt, es passt, ich musste privat nicht viel verändern, kann weiter in Traunstein leben. Ich werde aber versuchen, den Fußballlehrer zu machen. Konkrete Zukunftspläne habe ich keine, es ist schon so vieles anders gelaufen, als ich gedacht hatte.

Aber Trainer zu werden, war immer ein Ziel?

Nein, eigentlich gar nicht. Als Spieler war ich kein Musterprofi, habe außerhalb des Spielfelds schon mal über die Stränge geschlagen. Als Trainer musst du aber immer Vorbild sein, weshalb ich nie daran gedacht habe. Doch dann habe ich als Spielertrainer in Kirchanschöring Blut geleckt. Es macht einfach Spaß.

Das Interview führte Reinhard Hübner. Er leitet die Amateursportseite, die jeden Mittwoch im Münchner Merkur erscheint. Sie erreichen Reinhard Hübner unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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