Abschiedsinterview des SVH-Verteidiger

Paul: "Ich hatte hier eine überragende Zeit"

Spielintelligenz statt Technik: Sebastian Paul (rot; vorne der Ismaninger Mijo Stijepic) ist ein Fußballer, „bei dem der Verein immer an erster Stelle steht“. Foto:Michalek/Archiv

SV Heimstetten - Identifikationsfigur Sebastian Paul verlässt nach neun Jahren den SVH zum Landesligisten Landshut. Das Abschiesinterview mit dem 29-Jährigen. 

Nach neun Jahren als Spieler, Jugendtrainer und Identifikationsfigur beim Fußball-Bayernligisten SV Heimstetten sagt Sebastian Paul Servus: Der 28-Jährige wechselt nach der Saison zur SpVgg Landshut. Im Interview blickt er zurück auf gute und schlechte Zeiten beim SVH – und er verrät, wie er sich trotz limitierter Technik stets durchgesetzt hat.

Herr Paul, ihr langjähriger Mitspieler und Spezl Christoph Schmitt übernimmt nächste Saison den SVH als Trainer. Hatten Sie keine Lust, unter ihm zu spielen?

Lust schon, und mein Abschied hat auch nichts mit Christoph zu tun. Ich glaube sogar eher, dass es mit ihm als Trainer endlich mal wieder richtig Spaß machen würde. Aber die Sache ist, dass ich seit März in Landshut wohne, und die Fahrerei wird mir einfach zu viel.

Deshalb zieht es Sie jetzt zum Landesligisten SpVgg Landshut – also ausgerechnet zu jenem Verein…

… gegen den ich damals in der Relegation zur Regionalliga den letzten Strafstoß im Elfmeterschießen verwandelt habe. Darauf haben sie mich beim ersten Treffen in Landshut gleich angesprochen – nach dem Motto: Ich bin derjenige, der ihnen damals die Regionalliga versaut hat.

Stichwort Regionalliga: Der Aufstieg 2014 war sicher ein Höhepunkt in Ihrer Zeit beim SVH. Gab es noch andere?

Der erste Aufstieg in die Bayernliga gehört auch dazu. Damals haben wir uns im Entscheidungsspiel gegen Eichstätt durchgesetzt. Und die erste Regionalligasaison, in der wir Fünfter geworden sind, war der Wahnsinn.

Gab’s auch Tiefpunkte?

Der Abstieg aus der Regionalliga war gar nicht so enttäuschend, denn das hatte sich abgezeichnet. Da hat es mannschaftsintern nicht gepasst. Ein Tiefpunkt war in meiner ersten Saison die Pokal-Niederlage gegen Unterhaching. Da hat uns der Schiedsrichter verpfiffen, das war hart.

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Spiel für den SVH?

Sehr genau sogar. Das war in der Landesliga gegen Wacker Burghausen II. Wir durften in der großen Arena spielen und haben mit 3:1 gewonnen.

Sie sind damals frisch aus der U19 des TSV Ebersberg gekommen und hatten in der Jugend nie bei einem der Profi-Klubs gespielt. Trotzdem waren sie nach dieser Partie Stammspieler beim SVH – in der Landesliga, in der Bayernliga, in der Regionalliga…

Ich hatte auch das Glück, dass ich nie schwer verletzt war – außer mal ein Syndesmosebandriss.

Und trotzdem ist es erstaunlich, wie Sie sich durchgesetzt haben. Schließlich sind Sie – bitte nicht falsch verstehen – technisch eher nicht der beschlagenste…

(lacht) Kein Veto, da stimme ich zu.

Warum haben Sie dennoch immer gespielt?

Ich denke, bei mir ist es eher die Spielintelligenz und die menschliche Kompetenz, die viel ausmacht. Außerdem Einsatz und Wille. Und ich war ein Spieler, bei dem der Verein immer an erster Stelle steht – das macht viel aus.

Haben Sie nie an einen Wechsel gedacht?

Eigentlich nicht. Höchstens in den letzten zwei Jahren, als unsere alte Mannschaft mit den Schmitt-Brüdern, Steven Toy und all den anderen sich ein Stück weit aufgelöst hat. Da habe ich manchmal gedacht: Warum tust du dir das noch an?

Und warum?

Weil mein Herz am SVH hängt. Ich hatte hier eine überragende Zeit, habe tolle Spieler und Trainer erlebt, und in Heimstetten habe ich sogar meine Freundin kennengelernt.

Und Sie waren jahrelang Jugendtrainer…

Ich hab meinen Jungs letzte Woche gesagt, dass ich aufhöre – das ist mir echt nahe gegangen. Ich betreue den 2005er-Jahrgang seit drei Jahren, wir haben dreimal die Woche trainiert. Einige von den Jungs habe ich öfter gesehen als meine Freundin.

Zurück zur Ersten Mannschaft und zu Christoph Schmitt. Wie wird er sich als Trainer anstellen?

Ich bin überzeugt, dass Christoph und Lenni Hasenbeck das gut hinbekommen. Die beiden sind die richtigen für den Job. Und wenn’s mal nicht so läuft, dann muss der Ball einfach zu Orhan. Irgendwie haut der ihn immer rein.

Quelle: fussball-vorort.de

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