Buchbachs Mittelfeldmotor im großen Interview

Petrovic: "Einen Trainer wie Gerland hätte ich öfter in meiner Karriere gebraucht"

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Petrovic: "Roter Stern ist nichts für Fans, dieser Verein ist Religion!"

TSV Buchbach - Führungsspieler, Elfmeterschütze und Vorbild - das alles ist Aleksandro Petrovic beim TSV Buchbach. Dass das beim 27-Jährigen in seiner Karriere auch mal anders war, erzählt er im zweiten Teil des großen Interviews.

Der Mittelfeldspieler spricht über seine 'Religion', die Trainer in seiner Laufbahn und erklärt, warum es für ihn nicht zur ganz großen Karriere gereicht hat.

Ausgebildet wurdest du in der Jugend des FC Bayern München. Wie hart war der Konkurrenzkampf in der Bayern-Jugend als du dort warst?Der war schon sehr groß. Der FC Bayern ist einer der größten Vereine der Welt und holt junge Spieler auch aus Frankfurt, Berlin oder sonst wo her. Da muss man sich dann erstmal durchsetzen.Welche Spieler von damals haben den Sprung ins Profigeschäft gepackt?Ich habe in der Bayern-Jugend unter anderem mit Holger Badstuber, Thomas Müller, Thomas Kraft, Stephan Fürstner und Stefano Celozzi zusammengespielt. Auf DFB-Ebene sind zum Beispiel Jerome Boateng oder Daniel Halfar zu nennen.Wer war damals der Beste mit oder gegen den du gespielt hast?Am meisten haben mich damals Nuri Sahin und Daniel Halfar beeindruckt. Wenn ich auf der Sechs und einer von ihnen auf der Zehn gespielt hat, hatte ich es richtig schwer. Solche kleinen, wuseligen Gegenspieler lagen und liegen mir einfach nicht.Warum hat es nicht zur Karriere a là Thomas Müller gereicht?Dazu hat mir einfach die nötige Schnelligkeit gefehlt. Die Anlagen für die zweite Liga sind bei mir, denke ich, schon vorhanden. In der Jugend war ich außerdem vom Kopf her noch nicht so weit. Im Nachhinein war da auch viel Selbstverschulden dabei.

Dein Hund Rocco spielt eine große Rolle in deinem Leben. Warum ist er so wichtig für dich?Rocco ist für mich nicht nur ein Lebewesen, sondern ein vollwertiges Familienmitglied. Ich habe ihn mit meiner damaligen Freundin geholt, als ich in Dresden gespielt habe. Er hat einen besonderen Platz in meinem Leben.Für welchen Verein schlägt dein Herz, wenn du mal nicht selbst spielst?Für Roter Stern Belgrad! Dieser Verein ist nichts für Fans, das ist eine Religion. In Serbien gibt es nur rot-weiß oder schwarz-weiß. Wenn ich mich für Partizan Belgrad entschieden hätte, würde meine Mama wohl kein Wort mehr mit mir reden. Jedes Mal, wenn ich in Belgrad bin, gehe ich ins Stadion. 2007 war ich im Stadion, als die Bayern mit viel Dusel durch zwei Freistöße von Toni Kroos gewonnen haben. Da ist schon die eine oder andere Träne geflossen.

Auf deiner Facebookseite hast du den Weltmeistertitel der serbischen U20 kräftig mitgefeiert. Unter deinem Trikot trägst du bei Spielen immer ein Serbien-Trikot. Fühlst du dich als Serbe oder als Deutscher?Ich fühle mich als Serbe, auch wenn ich in Deutschland aufgewachsen bin. Serbien ist für mich einfach Heimat. Wobei ich es mit meiner Nationalitätenkombination ganz gut getroffen habe. Fußball-Weltmeister Deutschland, U20-Weltmeister im Basketball Serbien – wir Deutsch-Serben sind eine sehr erfolgreiche Nation (lacht).Wenn du nochmal die Chance bekommen würdest ins Profilager zu wechseln, würdest du sie ergreifen?Ich hatte im Sommer drei Anfragen aus der 3. Liga, die ich aber allesamt abgelehnt habe. Dorthin würde ich nicht mehr wechseln, außer Dynamo Dresden würde anfragen. Seit meiner Zeit dort habe ich eine besondere Verbindung zu diesem Verein, das wäre eine Herzensangelegenheit. Bei Angeboten aus der zweiten Liga würde ich schon ins Grübeln kommen, das müsste man sich auf jeden Fall anhören. Ich stehe aber auch so mit beiden Beinen im Leben, nachdem ich meine Ausbildung abgeschlossen habe und bei der Allianz arbeite.Du hast ein Jahr für den FK Zemun in Serbien gespielt. Warum hast dich für den Wechsel dorthin entschieden?Ich hatte damals drei Anfragen aus Italien vom SSC Neapel, Chievo Verona und dem FC Turin. Leider hat sich ein Wechsel dorthin aber nicht ergeben. Kurz vor Transferschluss blieb nur noch ein Wechsel in die Heimat als seriöse Option. In Serbiens erster Liga zu spielen war aber auf jeden Fall auch eine sehr gute Option.Dort hast du dann auch im Stadion Rajko Mitic, besser bekannt als Marakana von Belgrad, spielen dürfen. Hättest du bei einem Treffer gegen Roter Stern Belgrad gejubelt?Niemals! Als ich den Platz dort betreten habe, bin ich auf die Knie gegangen und habe den Rasen geküsst.

Du hast in deiner Karriere schon einige Trainer erlebt. Welche haben dich am meisten geprägt?

Sehr geprägt hat mich Stephan Beckenbauer, der leider vor kurzem verstorben ist. Als ich bei den Bayern Probleme mit Roman Grill hatte, hat er mich zu seiner Mannschaft und dem Jahrgang 1987 hochgezogen. Er war ein sehr wichtiger Trainer für mich.Matthias Mauksch war ebenfalls ein Trainer, dem ich viel zu verdanken habe. Nachdem mich Ruud Kaiser 2009 ohne offizielle Begründung bei Dynamo Dresden aus dem Kader der ersten Mannschaft gestrichen hatte, habe ich bei Dynamo II unter Matthias Mauksch gespielt. Er hat mir viel Selbstvertrauen gegeben und mich auf der Sechs, meiner Lieblingsposition, spielen lassen. Als später Ruud Kaiser entlassen und Matthias Mauksch als sein Nachfolger bestimmt wurde, bin ich Stammspieler in der Dittligamannschaft geworden.Ein klasse Trainer war auch Hermann Gerland. Bei ihm war ich der „Fettsack“ oder der „dicke Jugo“, wobei er das nie böse gemeint hat. Gerland war ein sehr strenger Trainer, aber auch ein sehr angenehmer Typ. Einen Trainer wie ihn, der dir mal in den Arsch tritt, hätte ich wohl öfter in meiner Karriere gebraucht.Wenn Hermann Gerland morgen anrufen und fragen würde, ob du zu ihm als Trainer wechseln würdest, was würdest du antworten?Ich würde ihn fragen, wie hart die Vorbereitung wird (lacht). Spaß beiseite, das wäre natürlich eine Frage der Mannschaft, die er trainieren würde. Unter einer Ikone wie Hermann Gerland würde ich aber auf jeden Fall nochmal spielen wollen.

 

Quelle: fussball-vorort.de

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