"So hoch wie möglich spielen"

So plant Florian Pflügler sein neues Leben

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Noch möglichst viele Erfolge feiern: Florian Pflügler freut sich auf seinen Neustart mit Buchbach.

TSV Buchbach - Florian Pflügler hat seine Profi-Karriere erst einmal ad acta gelegt. Der 24-Jährige setzt seine Prioritäten jetzt anders, will aber weiterhin "so hoch wie möglich spielen".

Und plötzlich ist alles anders. Nicht mehr der Fußball bestimmt den Tagesablauf, er ist nur noch ein, wenn auch immer noch wichtiger Bestandteil des Lebens. Doch die großen Träume vom Profifußball sind erst mal der Einsicht gewichen, sich nun ein anderes, ein berufliches Standbein aufbauen zu wollen. Trotzdem aber noch möglichst hochklassige zu kicken.

Florian Pflügler ist zurück in der Heimat. Im Sommer wird der 24-Jährige eine Ausbildung beginnen, bis dahin lebt er wieder bei den Eltern in Gammelsdorf, hilft aus in der Landschaftsgärtnerei seines Vaters. Die Profikarriere, die der einstige Jugendspieler des FC Bayern mit Vehemenz angestrebt hatte, „egal, ob erste oder zweite Liga“, ist erstmal abgehakt. Pflügler hat Regionalliga in Rosenheim gespielt, 3. Liga mit dem SV Wacker Burghausen, wo er sich „extrem glücklich“ fühlte. Zuletzt war er fern der Heimat im saarländischen Elversberg aktiv. Regionalliga, aber mit professionellen Strukturen und einem „Kader, der locker auch 3. Liga spielen könnte“. Er war dort Grenzgänger, hat in Frankreich gelebt, viele neue, interessante Erfahrungen gemacht, neue Leute kennen gelernt, sich „persönlich weiterentwickelt. Aber fußballerisch ist es nicht so gut gelaufen.“ Die Konkurrenz war groß, Pflügler bekam unter dem Trainer Michael Wiesinger wenig Einsatzzeiten.

Pflügler: "So hoch wie möglich spielen"

Da reifte die Entscheidung, sich der Realität zu stellen. Der TSV Buchbach spielt zwar wie Elversberg Regionalliga, ohne aber die großen Ambitionen nach oben. Der Trainingsplan lässt den Spielern die Möglichkeit, Fußball mit Beruf oder Studium zu vereinbaren. Und genau das will Florian Pflügler jetzt: „So hoch wie möglich spielen und trotzdem eine berufliche Zukunft aufbauen.“ Er hat die Fachoberschule absolviert, ein Job im Bereich der Wirtschaft würde ihn reizen.

Ein Wechsel nach Buchbach kann durchaus auch ein kleiner Kulturschock sein. Pflügler aber wusste, was ihn erwartet: „Die Möglichkeiten hier sind natürlich begrenzter als in Burghausen und Elversberg. Die ersten Trainingstage haben wir auf der Straße verbracht“, es gibt keinen Kunstrasen, nur einen holprigen Trainingsplatz, der im Winter nicht immer bespielbar ist. Aber Kulturschock? „Ich war ja schon in Rosenheim“, auch dort hatte er recht bescheidene Verhältnisse vorgefunden. Und anders als Rosenheim hat Buchbach, der kleine Markt am nordwestlichen Zipfel des Landkreises Mühldorf, ein begeisterungsfähiges Publikum, 900 Zuschauer im Schnitt kamen zu den elf Heimspielen vor der Winterpause.

Er freut sich auf die "spezielle Stimmung" in Buchbach

Auf diese „spezielle Stimmung“ freut sich Pflügler, auf einen „familiären Verein, der immer das Beste aus seinen Möglichkeiten gemacht hat“. Als Tabellenneunter, punktgleich mit der U21 der Münchner Löwen, geht der TSV in die restliche Runde, „der Abstieg“, glaubt der Neuzugang, „sollte kein Thema mehr sein.“ Gespannt ist er, wie sich die Regionalliga Bayern entwickelt hat, große Klubs haben das Niveau seit Pflüglers Abschied aus Rosenheim 2013 deutlich gehoben, das Interesse verstärkt. Auch wenn man in Buchbach im Vergleich zu den absolut professionell aufgestellten Kontrahenten wie Regensburg, Burghausen, Unterhaching und den Zweitvertretungen der Bundesligisten ganz andere Voraussetzungen hat, ist ihm nicht bang: „Was sich mit Leidenschaft und Mentalität bewegen lässt, hat Buchbach kurz vor der Winterpause mit dem 3:2-Sieg gegen die Bayern gezeigt.“

Zumindest so gesehen passt Pflügler optimal zum TSV Buchbach. Obwohl beim FC Bayern ausgebildet, sieht sich der kopfballstarke Innenverteidiger nicht als „begnadetes Talent, ich habe immer versucht, über Einstellung, Wille und Mentalität meine Ziele zu erreichen.“ 2009 wurde er neben David Alaba deutscher Vizemeister bei den B-Junioren, mit dem TSV 1860 Rosenheim gewann er 2013 den bayerischen Totopokal, als Highlight seiner Karriere aber bezeichnet er den ersten Einsatz für Wacker Burghausen in der 3. Liga: „Gegen Erfurt war ich erstmals im Kader und gleich in der Startelf, habe per Kopf den Ausgleich gemacht“ und damit Wacker im vierten Spiel den ersten Saisonpunkt beschert. Einen zweiten Höhepunkt feierte er im letzten Sommer mit Elversberg, als man sich im DFB-Pokal erst nach Verlängerung dem Bundesligisten FC Augsburg beugen musste. „Das waren sehr emotionale Momente.“

Pflügler ist ehrlich zu sich selbst

Auch wenn er nun vorerst abgeschlossen hat mit dem ganz großen Fußball, vorwerfen will und kann sich Pflügler nichts: „Der Aufwand hat sich trotzdem gelohnt. Ich kann getrost in den Spiegel schauen, ich weiß, ich habe alles versucht, alles gegeben, habe tolle Zeiten im Fußball erlebt.“ Er braucht keine Ausreden, „das Wichtigste ist, immer ehrlich zu sich selbst zu sein.“

Nun freut er sich auf sein neues Leben, auf ein Leben, in dem der Fußball vielleicht nicht mehr die Hauptrolle spielt, aber weiter seinen Alltag prägen wird. Er freut sich auf Buchbach, „ich will dem Verein helfen, mit ihm den größtmöglichen Erfolg haben.“ Und auch wenn er fußballerisch „keine ganz großen Pläne“ mehr hat, will er sich unter dem Kult-Trainer Anton Bobenstetter „noch weiterentwickeln“. Und sollte sich noch einmal die Chance ergeben, in den Profifußball zurückzukehren, er würde sich die Sache überlegen, ganz genau überlegen: „Das Angebot müsste dann schon hundertprozentig in meinen Lebensplan passen.“

Und der ist nicht mehr nur auf dem Fußball aufgebaut.

Dieser Artikel erschien auf der Amateursportseite des Münchner Merkurs. Sie erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner. Erreichbar unterkomsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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