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Plötzlich für Hawaii qualifiziert: Katja Kronschnabel startet bei der Langdistanz-Weltmeisterschaft 2022

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Ganz oben statt Langdistanz-Ruhestand: Katja Kronschnabel (M.) gewann den Ironman der Frauen 50-54 in Cascais vor Marcela Arvizu (l.) und Christine Seux.
Ganz oben statt Langdistanz-Ruhestand: Katja Kronschnabel (M.) gewann den Ironman der Frauen 50-54 in Cascais vor Marcela Arvizu (l.) und Christine Seux. © Privat

Landkreis – Katja Kronschnabl hat das geschafft, wovon die meisten Triathletinnen und Triathleten der Welt träumen. Sie hat sich für die legendäre Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifiziert. Das Ticket buchte die 50- Jährige mit einem Sieg in ihrer Altersklasse 50-54 beim Ironman im portugiesischen Cascais, einer Küstenstadt westlich von Lissabon.

Der Erfolg führt sie im Oktober 2022 zur Weltmeisterschaft der Triathlon-Langdistanzen.

„Ich wollte eigentlich nur durchkommen und mit meiner eigenen Leistung zufrieden sein“, erzählt Kronschnabl, die eher eine Lokalmatadorin vorne erwartet hatte, weil die Portugiesinnen die Verhältnisse im Atlantik und die Strecken am besten kennen. Bei sanftem Seegang und angenehmen 17 Grad Wassertemperatur ging es bei Sonnenaufgang ins Meer. Die hügelige Radstrecke führte unter anderem über die historische Formel-1-Rennstrecke von Estoril. „Renngefühl pur“, schwärmt Simon Schachenmeier, der wie weitere Mitglieder des Geiger Medius Bike Base Teams, daran teilnahm.

Eigentlich hatte Kronschnabl also nicht mit einem Sieg und der damit verbundenen Qualifikation für Hawaii gerechnet. Und eigentlich hätte der Ironman in Cascais auch ihre letzte Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Fahrradfahren und 42,2 Kilometer Laufen) sein sollen. Die stressige Kombination – Hausärztin in Bayrischzell und Mutter zweier Töchter – hatte Kronschnabl ursprünglich zu dieser Entscheidung bewogen. Dann allerdings kam ein entscheidender Moment während des Rennens, der diese Entscheidung über den Haufen warf.

Kronschnabl arbeitete sich gerade stetig nach vorne. Als Achte stieg sie aus dem Atlantik, holte auf ihrem Zeitfahrrad sechs Konkurrentinnen ein und ging als Zweite in den Marathon. „Ab Platz zwei habe ich auch an Hawaii gedacht. Dann habe ich mir kurz die Frage gestellt, ob ich mir die Hitze-Qual überhaupt zumuten möchte“, erzählt Kronschnabl.

Doch die Zweifel schlugen sofort in Motivation um, die durch Anfeuerungsrufe der Teammitglieder verstärkt wurde. So rief beispielsweise Tochter Lina, die in Portugal ihre erste Mitteldistanz absolvierte und Vierte wurde, ihrer Mutter zu: „Mama, nicht denken, nur laufen!“ Das beherzigte die 50-Jährige und ließ sich auch von einem Rückstand von rund sieben Minuten nicht unterkriegen. Auch Ehemann Stefan Hütter, der 2017 auf Hawaii an den Start gegangen war und in Cascais Zehnter seiner Altersklasse wurde, wartete an einer Verpflegungsstation auf Kronschnabl, um sie noch einmal zu pushen. Sieben Kilometer vor dem Zieleinlauf, bei der letzten Wende, überholte Kronschnabl dann die bis dahin führende Mexikanerin Marcela Arvizu und brachte nach 11:25:23 Stunden sogar einen Vorsprung von über zehn Minuten ins Ziel.

Für den großen Tag im kommenden Oktober möchte Katja Kronschnabl nach der Regenerationsphase strukturierter trainieren als sie das bis dato getan hat. „Bisher habe ich immer ohne Trainings- und Diätpläne trainiert. Aber für Hawaii muss ich das schon strukturieren, sonst habe ich dort keinen Spaß“, sagt sie voller Vorfreude auf die Weltmeisterschaften, die dann wohl endgültig ihr letzter Ironman sein werden.

Und was gibt es Schöneres, als die Langdistanz-Karriere ausgerechnet mit dem größten Traum im Triathlonsport zu beenden?

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