Auch nach dem erneuten Regionalliga-Verzicht lässt sich die Mannschaft nicht hängen

SV Pullach überwindet die Enttäuschung

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Nach dem 1:2-Rückstand stand Pullachs Trainer Frank Schmöller die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Doch seine Mannschaft bewies eine tolle Moral und drehte das Spiel.

SV Pullach - Klar, die Frage stand im Raum, oder besser, sie hing an diesem trüben Samstag Nachmittag wie eine der grauen, schweren Wolken über dem Fußballplatz an der Gistlstraße: Wie würde die Mannschaft auf den erneuten Regionalliga-Verzicht des SV Pullach reagieren?

Vor einem Jahr gingen die Raben nach der gleichen Entscheidung des Vereins mit 0:4 beim späteren Bayernliga-Meister TSV Rain baden, kamen danach nicht wieder richtig in Tritt. Diesmal wartete der Vorletzte TSV Schwabmünchen, der sich nicht nur als kampfeseifriger, sondern auch spielfreudiger Gegner entpuppte. Und die große Frage schien lange schwer auf den Pullacher Schultern zu lasten. Vielleicht ging den Spielern auch durch den Kopf, dass im Falle einer Pleite gegen den Abstiegskandidaten alle Erklärungen, jetzt wenigstens die Meisterschaft holen zu wollen, als bloße Lippenbekenntnisse gerügt werden könnten. Doch es kam anders, was nicht nur die Akteure erleichterte, sondern auch ihren Trainer Frank Schmöller, denn: „Das hätte die Mannschaft nicht verdient.“

Die Raben hätten keinen besseren Beleg für diesen Satz liefern können als die Art und Weise, wie sie den 1:2-Rückstand in der Schlussphase zum 3:2-Sieg umbogen. Nicht unbedingt fußballerisch elegant, aber mit plötzlich entfesselter, wilder Leidenschaft. „Das war eine Willensleistung“, strahlte Mittelfeldmotor Christoph Dinkelbach, der zwar zugab: „Wir waren nach der Nachricht, dass wir nicht aufsteigen können, sehr enttäuscht.“ Der nach dem Erfolg aber wie befreit wirkte und sich deutlich zur jetzt noch möglichen Vorgabe bekannte: „Es war wichtig, dass wir hier den Sieg erkämpft haben. Denn jeder einzelne hat das Ziel, die Meisterschaft zu holen."

Genauso tönte es plötzlich aus allen Ecken der Gistlstraße: „Wir wollen das Ziel Meisterschaft erreichen und möglichst jedes Spiel gewinnen“, sagte Routinier Peter Beierkuhnlein. Und Chaka Ngu’Ewodo, Schütze des 1:0 und 3:2 (das 2:2 steuerte der aus der Reserve hochgezogene Vinzenz Loistl bei), versicherte, dass man den Frust über den Nichtaufstieg in die Lust am Titel umwandeln wolle: „Klar, war die Enttäuschung da. Jeder im Team wollte unbedingt aufsteigen. Aber jetzt wollen wir Meister werden.“ Und er verwies sogleich auf einen prominenten Klub in ähnlicher Lage: „Wir haben in der Besprechung einen ganz guten Vergleich gezogen: Der FC Bayern kann auch nur Meister werden und nicht mehr aufsteigen.“ Es schien so, als habe der fulminante Schlussspurt gegen Schwabmünchen die gerade noch schwer frustrierten Pullacher in ein für die letzten sechs Partien dringend benötigtes Stimmungshoch versetzt. „Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Das haben wir heute gezeigt, jeder hat hundert Prozent gegeben“, beschwor Ngu’Ewodo den Teamgeist. Das Wir-Gefühl könnte sogar nicht nur auf dem Weg zum Bayernliga-Titel, sondern auch über die Saison hinaus tragen. „Es ist nicht auszuschließen, dass ich bleibe, ich fühle mich sauwohl hier“, meinte der verletzte Stürmer Tim Sulmer. „Ich gehe davon aus, dass ich auch nächste Saison in Pullach spiele“, sagte Beierkuhnlein.

Dinkelbach hat ohnehin schon verlängert: „Man sagt dann immer: Das Gesamtpaket stimmt. Aber es ist wirklich so. Wir haben einen tollen Trainer und eine Super-Mannschaft. Ich fühle mich wohl.“Das meinen die FansAlbert Völkl (61), Verkaufsleiter aus München:Der Verband führt sich auf, als wäre die Regionalliga die Champions League. Das sind seltsame Regularien. Da wird die gute Vereinsarbeit über Jahre hinweg ad absurdum geführt. Allein, was Manager Theo Liedl da in den letzten eineinhalb Jahren hineingesteckt hat. Und jedes Jahr wird es nichts, das ist sehr schade. Man muss auch bedenken: Wenn du aufsteigst, viel investierst und dann wieder absteigst, dann hast du Schulden. Bei den 150 Zuschauern, die in Pullach kommen, kann man doch hier spielen. Und die Spiele gegen Haching, Sechzig, Bayern hätte man auch im Grünwalder Stadion austragen können. Ich wäre aber auch nach Heimstetten gefahren. Die Bayerische Meisterschaft wäre schön, auch, weil es eine Watschn für den Verband wäre.Max Fundeis (73), Rentner aus Pullach, Ex-Manager und graue Eminenz des SVP:Man hat alles probiert, aber es ist die richtige Entscheidung. Die Auflagen sind einfach nicht umsetzbar. Selbst wenn es mit dem Platz geklappt hätte: Hier arbeiten nicht so viele Leute für den Verein wie zum Beispiel in Buchbach, man hätte Leute anstellen und Geld zahlen müssen. Mich hätte es ja auch gefreut, ich habe das ja mit aufgebaut. Sicher sollte man beim Verband andere Regelungen finden, zumindest für ein Jahr. Aber auch wenn es traurig für Spieler, Verantwortliche und Fans ist: In der Bayernliga zu bleiben, ist vernünftig. Und es hat sich ja letztes Jahr herausgestellt, dass die Mannschaft trotzdem zusammenbleibenkann. Was ich jetzt aber verlange, ist, dass sie endlich Meister wird. Denn dann bist du wer. Maximilian Durneder (70), Rentner aus Starnberg:Für die Mannschaft ist es schade, wenn der sportliche Erfolg keine Gültigkeit hat, weil man die Rahmenbedinungen nicht stemmen kann. Und es könnte schon sein, dass im Kampf um die Meisterschaft dann der letzte Biss fehlt. Die Auflagen des BFV sind aber viel zu hoch. Man sollte sich bei den Auflagen an den Zuschauerzahlen orientieren. Ich bin zwar relativ emotionslos, weil ich über einen Bekannten zum SV Pullach gekommen bin. Aber ich schaue mir öfter Spiele an, weil ich einfach gerne guten Fuß- ball sehe. Ich war auch letzte Woche beim Auswärtsspiel in Garching. Und ich wäre auch nach Heimstetten gefahren. Ich glaube, nachdem man jetzt zweimal hintereinander verzichtet hat, wird es nächstes Jahr nur zu einem guten Mittelfeldplatz reichenText: Umberto Savignano

Quelle: fussball-vorort.de

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