Ratlos nach historischem Debakel

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Einer von sieben Streichen: Die SpVgg Unterhaching ging bei Hansa Rostock nach desolater Leistung mit 2:7 unter.

Unterhaching - Schockstarre statt Spurwechsel: Die SpVgg Unterhaching gerät bei Hansa Rostock mit 2:7 unter die Räder und kassiert eine historische Niederlage.

Statistik

HANSA ROSTOCK– UNTERHACHING 7:2 (2:2) Rostock: Hahnel - Schyrba, Wiemann, Gusche, Pelzer - Ziegenbein, Pannewitz, Lartey (81. Ewljuskin), Jänicke - Schied (75. Neitzel), Vujanovic (83. Albrecht) Unterhaching: Kampa 4 – Hefele 6, Hoffmann 5, Brysch 6, Stegmayer 5 – Minorelli 5 (46. Mimm 5) – Amachaibou 5, Leandro 5, Mitterhuber 5 (75. Avdic 0) – Nygaard 4, Tunjic 4
Schiedsrichter: Malte Dittrich (Bremen)Zuschauer: 10 700
Tore: 1:0 Jänicke (4.), 1:1 Nygaard (9.), 1:2 Amachaibou (19.), 2:2 Lartey (45.), 3:2 Vujanovic (55.), 4:2 Hoffmann (59.,Eigentor), 5:2 Schied (72.), 6:2 Neitzel (76.), 7:2 Ziegenbein (87.) Gelbe Karten: Gusche, Pannewitz

Schockstarre an der Ostsee statt Spurwechsel Richtung Tabellen-Mittelfeld: Die SpVgg Unterhaching erlebte beim Zweitliga-Absteiger Hansa Rostock ein übles Debakel und rutschte wieder auf einen Abstiegsplatz ab. Die 2:7-Niederlage war ein Spiel für die Geschichtsbücher.
Es gibt eine Menge Archive, in denen man nachblättern kann. In den letzten Jahrzehnten taucht nirgends eine höhere Pflichtspielniederlage für die Hachinger auf. Sieben Gegentore, fünf davon in einer Halbzeit. Mit großer Ernüchterung und Ratlosigkeit kehrte die SpVgg aus Rostock zurück. Im Mai 2007 hatte der Verein an gleicher Stelle das letzte Saisonspiel mit 1:3 verloren und war damit aus der Zweiten Liga abgestiegen. Der damalige Trainer Werner Lorant hätte die Mannschaft anschließend „am liebsten mit dem Bus heimgeschickt statt mit dem Flugzeug“. Klaus Augenthaler hätte nach diesem Auftritt Fahrräder für die Heimreise bestellen müssen.
Eine desolate Vorstellung in der zweiten Halbzeit brachte der SpVgg im sechsten Spiel die dritte Niederlage und das Ende aller Hoffnungen, mit ein paar Neuzugängen würde sich nach dem Fehlstart alles zum Guten wenden. Die Dritte Liga verzeichnete am Samstag einen neuen Rekord: 36 Tore fielen in acht Partien, mehr gab es noch nie, und das Geschehen in Rostock war ein weiterer Rekord.

Nie gab es seit Einführung der Dritten Liga einen höheren Sieg. Eine desaströse Defensiv- Leistung ermöglichte das Debakel, das sich in der ersten Hälfte so noch überhaupt nicht abgezeichnet hatte Zwar waren die Gäste schon in der 4. Minute durch Jänicke in Rückstand geraten und hatten bereits da dilettantische Fehler in der Abwehr produziert, doch eine Viertelstunde später sah alles nach einer Überraschung aus. Die Neuzugänge Marc Nygaard nach tollem Zuspiel von Leandro (9.) und Abdenour Amachaibou nach gelungener Vorarbeit von Nygaard und Mijo Tunjic (19.) drehten die Partie.

Ungeordnete Defensive

Danach war die Defensive schon alles andere als organisiert, doch das 2:2 von Lartey mit dem Halbzeitpfiff hätte wegen einer Abseitsstellung nicht zählen dürfen.

Schon bald nach Wiederanpfiff waren Gedanken über eine mögliche Benachteiligung allerdings uninteressant, weil die Misere ihren Lauf nahm. Vujanovic in der 55. Minute mit dem 3:2 für Hansa, drei Minuten später sorgte Torben Hoffmann mit einem Eigentor bereits für die Entscheidung.

Hansa legte noch nach

Die Gastgeber hatten aber sichtlich Spaß am Spiel gewonnen und schalteten einen Gang hoch statt einen zurück – und hatten quasi ohne Gegenwehr leichtes Spiel. Der Ex-Hachinger Marcel Schied (72.), Neitzel (73.) und Ziegenbein (88.) erhöhten noch auf 7:2.

Anschließend herrschte Sprachlosigkeit: „Eine herbe Klatsche, da fehlen mir direkt nach dem Schlusspfiff die Worte“, sagte Kapitän Hoffmann, „sowas hab’ ich in dieser Form in meinen 15 Jahren der Karriere noch nie erlebt.“ Der bedauernswerte Torhüter Darius Kampa meinte: „Man kann immer ein Spiel verlieren, aber nicht so. Das müssen wir hart aufarbeiten, so zu verlieren geht in keinster Art und Weise.“
Ein Lächeln – zeigte es Süffisanz oder Ratlosigkeit? – hatte sich immerhin Trainer Klaus Augenthaler bewahrt, der völlig nüchtern analysierte: „Man muss im Fußball eben Zweikämpfe gewinnen, den Ball mal fordern und auch behaupten. Wenn man das in 90 Minuten zu häufig nicht schafft, dann passiert es, dass man verliert oder eben auch so hoch verliert.“
Ganz so emotionslos dürfte die Nachbereitung des Spiels mit der Mannschaft nicht ausfallen.

von Christian Amberg

Quelle: fussball-vorort.de

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