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Rent a Neikofner! Was in Erding alles unter den Hammer kommt

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Von: Dieter Priglmeir

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Kriegst du nur bei Versteigerungen: extravagante Trikots.
Kriegst du nur bei Versteigerungen: extravagante Trikots. © pir

Schlechte Nachricht: Es werden heuer keine Eiskratzer, Wurzelkorkenzieher oder Schlüsselanhänger mit pfiffigen Werbeslogans des ortsansässigen Malerbetriebs unterm Christbaum liegen. Die meisten Sportvereine haben ihre Weihnachtsfeiern abgesagt, und damit auch ihre Versteigerungen.

Und die sind nicht nur wichtig für die Mannschaftskasse. In Wartenberg zum Beispiel würden sonst nämlich viel weniger Leute mit Trikots der SpVgg Unterhaching, des SV Sandhausen und des VfL Osnabrück rumlaufen. Das sind jene Vereine, in denen die Brüder von Jakob Taffertshofer gespielt haben. Der Spielertrainer hatte seine Beziehungen spielen lassen – und unter 150 Euro ging damals keines der Dressen raus. 220 Euro brachte zudem ein von allen Bayern-Stars unterschriebenes FCB-Trikot.

Was mich an das schlimmste Trikot des FC Bayern aller Zeiten erinnert, das einst beim FC Langengeisling unter den Hammer kam. Gelb-grün-schwarz, diagonal gestreift – wirklich grauenhaft, aber es war halt auch unterschrieben von Matthäus, Helmer, Scholl. Kahn, aber auch von richtig guten Spielern (Dieter Frey, Uwe Gospodarek). Ich hätte es gern gehabt, aber ein Schwabe steigt halt doch bei 80 Mark aus….

Zum Glück gibt’s da in Taufkirchen großzügigere Leute. Vergangenes Jahr organisierte Ex-Torjäger und heutiger Jugendtrainer Markus Fischbeck eine Online-Versteigerung von 40 geräucherten Zenterlingen, die er aus eigener Tasche bezahlte und den Meistbietenden persönlich nach Hause brachte. 2200 Euro kamen in die Kasse, erinnert sich BSG-Chef Franz Schlosnikl. Plus weitere 1700 Euro, weil Georg Attensberger und Thomas Götzberger nicht nur Bayern- und Löwen-Utensilien organisiert, sondern den Erlös auch noch aufgerundet haben.

Die Herzen sind eben groß in unseren Sportvereinen – und die Ideen vielfältig. Die SpVgg Eichenkofen versteigerte einst ihre eigenen Spieler. „Die mussten dann Reifen wechseln, Zimmer ausweißeln, Holz machen“, erinnert sich Wast Held an die Aktion „Rent a Neikofner“. Er ist ja als Trainer doch schon etwas rumgekommen und verschloss sich den jeweiligen Gepflogenheiten nie. Als es in Walpertskirchen um Naturalien ging, wartete er bis zum Schluss, verzichtete auf so manch Geräuchertes, grinste, als Andi Stangl für ein Glas Essiggurken Mondpreise zahlte. Zum Schluss blieb noch ein Wecken Brot. „Das war der teuerste Wecken aller Zeiten“, sagt Held.

Aber das sei immer noch besser als das Überraschungspackerl, das der Löwen-Fan bei der SpVgg Altenerding ersteigert hat: Eintrittskarten für den FC Bayern. Eingewickelt haben die Altenerdinger damals übrigens jenen, der das größte Paket ergattert hatte: Es war voll mit Klopapier. Von der späteren Wertsteigerung konnte er ja noch keine Ahnung haben.

Bernhard Stimmer wiederum war sich sicher, dass er um jenes Warndreieck, das gerade unter den Hammer kam, nicht kämpfen müsste. „Ich habe schon eins“, sagte er in die Runde. „Hast du nicht mehr“, bekam er als Antwort. Für 40 Euro holte er sich zurück, was ihm seine Teamkameraden kurz zuvor stibitzt haben.

Kriegst du nur bei Versteigerungen: Extravagante Designer-Möbelstücke.
Kriegst du nur bei Versteigerungen: Extravagante Designer-Möbelstücke. © privat

Vom Stibitzen zum Sliwowitzen – Letzteres ist Tradition beim TSV Dorfen. Einer der Edelfans bringt alljährlich selbst Gebranntes aus der Heimat mit zur Versteigerung. „Der ging auch schon für 100 Euro über die Bühne und wurde am selben Abend noch getrunken“, erzählt Markus Wetzel. Einen besonderen Wumms hatte auch der Designer-Tisch, den ein Dorfener Sponsor dem TSV spendierte (siehe Foto).

Halb so gut kam einst die Aktion des SC Kirchasch an, der Single-Pakete versteigerte. Darin enthalten: Gutscheine für die spätere Show. Denn am Ende kam eine Stripperin zum Bräu, wie sich Maxi Bals erinnert. „Die Spielerfrauen, die auch dabei waren, hatten nicht so einen Spaß…“

Etwas braver war da schon die Aktion der Altenerdinger A-Jugend-Handballer, die bei SpVgg-Weihnachtsfeier den Jungbäuerinnen-Kalender ersteigerten und ihn fortan bei allen Heimspielen in die Kabine hängten. Überhaupt lohnt es sich, bei den Handballern vorbeizuschauen. Einmal gab es einen ausgemusterten Sitz aus der Allianz-Arena, den Thomas Steininger von den Bayern-Stars unterschreiben ließ. Dafür passte er diese extra am Flughafen ab. „Thomas Müller hat mich gefragt, ob ich den selbst ausgebaut habe“, erzählt Steininger, der auch schon Originaltrikot und Trainingsanzug von Nationalspieler Dominik Klein zur Versteigerung mitbrachte. „So etwas kommt auch immer gut“, sagt Steininger.

Das hat deutlich mehr eingebracht als die alten Fußballschuhe, die Löwen-Torjäger Benny Lauth seinem Kumpel Mike Schien zur Versteigerung beim FC Lengdorf zur Verfügung gestellt hat. „60 Euro war scho a bisserl mau“, erzählt Matthias Holzner. Vor allem, wenn man weiß, dass eine Schweinshaxn 95 Euro und ein Goaßhumpn 185 Euro eingebracht haben.

Blicken wir noch kurz zu den Volleyballern: Was geht denen ins Netz? Da muss TuS-Manager Tom Forster passen. Aber bei seinem Stammtisch habe es als Wichtel-Geschenk „Krake Paul“ gegeben –- ein eingeschweißter Tintenfisch.

Das erinnert ein wenig an den Fisch, den ich bei einer Jugendweihnachtsfeier gewonnen habe und den ich allen Ernstes in einer mit Wasser gefüllten Plastiktüte hätte mit nach Hause nehmen sollen. Das habe ich dann bleiben lassen. Das gelbe Bayern-Trikot hingegen hängt tatsächlich in meinem Schrank. Es gab noch ein zweites Exemplar. Ob ich weniger als 80 Mark gezahlt habe – oder fast das Doppelte? Darüber will ich nicht reden.

DIETER PRIGLMEIR

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