„Der Frust wächst mit jedem Tag“

Restart: BFV macht Druck – Innenministerium gibt Antworten

Tristesse vor dem Ende: Auf die Plätze soll bald Leben zurückkehren.
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Tristesse vor dem Ende: Auf die Plätze soll bald Leben zurückkehren.

Die Reaktion der Politik folgte prompt. Bayerns Innenministerium lieferte Erklärungen, wie die zu Wochenbeginn in Kraft getretenen Lockerungen im Sportbetrieb zu handhaben sind.

München – Der Bayerische Fußballverband (BFV) hatte dies in einem Schreiben an die Behörde eingefordert, weil die „Vereine und Menschen im Regen stehen“, wie BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher in einem Interview auf der Verbandshomepage betonte, an der Basis „wächst der Frust mit jedem Tag“.

Klar ist: Amateursport darf bislang nur kontaktfrei und unter freiem Himmel ausgeübt werden. In welchem Umfang, diese Frage ist streng an die Inzidenzwerte des jewiligen Landkreises gekoppelt, in dem der Verein beheimatet ist. Drei Kategorien wurden dabei festgelegt, die örtliche Kreisverwaltungsbehörde kann einen Landkreis dann neu zuordnen, wenn sich der Wert an drei aufeinanderfolgenden Tagen in einer anderen Kategorie bewegt.

„Geordnete Zusammenkunft mit Hygieneregeln ist doch tausendmal sicherer als wilde Partys“

Im Einzelnen: Liegt der Wert unter 50, dann dürfen bis zu zehn Erwachsene und bis zu 20 Kinder miteinander üben. Bei Inzidenzen zwischen 50 und 100 müssen sich Erwachsene auf das innerfamiliäre Fithalten in Kleingruppen mit maximal einer haushaltsfremden Person beschränken. Liegt der Wert über 100, dann gilt wie in den letzten Monaten die generelle Beschränkung auf den gleichen Hausstand. Trainer und Betreuer, die nicht selbst am Übungsbetrieb teilnehmen, fallen ausdrücklich nicht in die genannten Gruppengrößen. Genauso wenig wie alle Eltern, die ihre Kinder zum Training bringen – sie dürfen natürlich unter Einhaltung der bekannten Abstandsregeln vor Ort bleiben.

Umkleiden und Duschen bleiben vorerst gesperrt. Inwieweit sich das ändert, wenn zum 22. März über weitere Lockerungsschritte gesprochen wird, bleibt abzuwarten. Für diesen Stichtag erwartet man auch beim BFV deutliche Nachbesserungen. Auch Faltenbacher verweist auf die geringe Infektionsgefahr unter freiem Himmel. „Eine geordnete Zusammenkunft mit Hygieneregeln auf einem Fußballplatz ist doch tausendmal sicherer als wilde Partys ohne jedwede Vorkehrungen in Parks“, sagte er, und: „Wenn ein Biergarten öffnet, dann muss auch Training mit der Mannschaft wieder möglich sein.“

Josef Janker (BFV): „Der Amateurfußball braucht keinen egoistischen Tunnelblick, sondern Solidarität“

Von der aufkeimenden Kritik, dass die regional sehr unterschiedlichen Regelungen für einzelne Vereine Wettbewerbsnachteile mit sich bringen können, will man beim Verband nichts wissen. „Das Virus ist nicht gerecht. Wenn jetzt jemand von Wettbewerbsverzerrung spricht, dann weiß ich, dass die Lage sicherlich alles andere als zufriedenstellend ist“, sagte Spielleiter Josef Janker, „Aber jetzt von Benachteiligung in der Form zu sprechen, dass sich dies auf die Spiele in der Liga auswirken wird, ist nicht angebracht. Der Amateurfußball braucht jetzt keinen egoistischen Tunnelblick, sondern Solidarität. Zumal es nicht verboten ist, dass jeder für sich trainieren kann.“

Und von Gedanken an eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs sieht sich Janker ohnehin noch weit entfernt. Wobei der BFV in dieser Hinsicht auch noch keinen Druck sieht. Das Gros der Bayerischen Spielklassen ist schon weit fortgeschritten. „Ich bin nach wie vor optimistisch, dass wir diese Spiele über die Bühne bekommen“ sagte Janker. Und zwar bis zum 30. Juni. Den bekannten Stichtag, mit dem nicht zuletzt Wechselfristen und Spielberechtigungen verknüpft sind, will der Spielleiter lediglich in Einzelfällen, etwa bei Relegationsspielen, antasten. Ein Saisonabbruch – und die damit verbundene Flut von Entscheidungen am grünen Tisch – wäre für Josef Janker nur das „allerletzte Mittel“.

Regionalliga Bayern: BFV würde Ligaspiele für Playoffs opfern

Zum Spezialfall wird die Entscheidung in der Regionalliga Bayern. Weil der Deutsche Fußball Bund (DFB) für den Champion Aufstiegsspiele zur dritten Liga gegen den Meister der Regionalliga Nord vorsieht, sind der höchsten Amateurklasse andere zeitliche Grenzen gesetzt. Wer Bayerns Vertreter wird, soll in diesem Jahr ja in Playoffs ermittelt werden, für deren Zustandekommen der BFV gegebenenfalls auch Meisterschaftsspiele streichen würde.

Nach Lage der Dinge werden die SpVgg Bayreuth, der FC Schweinfurt und Viktoria Aschaffenburg die Teilnehmer sein – das Trio hat die Lizenzunterlagen für die dritte Liga eingereicht. Viel spricht dafür, dass die drei Clubs eine Meisterrunde nach dem Modus jeder gegen jeden mit Hin- und Rückspiel ausspielen. Die bis zum 5. Juni beendet sein muss. Dann steht voraussichtlich das erste Aufstiegsspiel an.

(PATRICK REICHELT)

Quelle: Merkur.de

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