Wie geht es mit der Saison im Landkreis Garmisch weiter?

Landkreis Garmisch: Die Saison sollte annuliert werden

Mit einem Neustart bei Null im August rechnet Ohlstadts Trainer Jan Tischer.
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Mit einem Neustart bei Null im August rechnet Ohlstadts Trainer Jan Tischer.

Wie es mit der Saison weiter geht, beschäftigt ganz Fußball-Deutschland. Die Trainer im Landkreis haben die Frage beantwortet, ob die Saison bei einem Abbruch gewertet werden soll oder nicht.

Landkreis - Pause gibt es bei den Fußballern im Landkreis nicht. Sie bleiben aktiv – jeder für sich.  Einig sind sich alle Trainer in der Frage, ob man die Saison bei einem Abbruch werten soll oder nicht.

Kreisliga

Trainingspläne haben die Spieler des SV Ohlstadt und des TSV Murnau bekommen, in Uffing entscheiden die Spieler selbst, wie und in welchem Umfang sie sich fit halten. Kontrollieren lässt sich der Eifer der Kreisligisten nicht. „Wir werden hinterher sehen, wer sich an die Vorgaben gehalten hat“, sagt der Murnauer Trainer Tim Schmid. Sein Ohlstädter Kollege Jan Tischer vertraut den Spielern „voll und ganz“. Ohnehin macht er sich in puncto Fitness keine Sorgen. Denn sein Team sei fit aus der Vorbereitung und dem Trainingslager gekommen. Die Uffinger tauschen sich ein- bis zweimal in der Woche über ihr Trainingspensum mit Coach Thomas Neumeier aus. Fotos in der gemeinsamen Facebookgruppe sollen – ähnlich wie in Murnau und Ohlstadt – die Mitspieler motivieren, mindestens genauso viele Kilometer oder Einheiten wie der Spezl abzuspulen.

Über den weiteren Verlauf der Spielzeit herrscht Einigkeit bei den Trainern. Neumeier kann sich nicht vorstellen, dass in dieser Saison noch einmal ein reguläres Ligaspiel stattfindet – und spricht damit für seine Kollegen. Tischer rechnet mit einer kompletten Annullierung, hofft auf einen Neustart im August. Klar ist für ihn: „Die eine faire Lösung für alle Mannschaften gibt es nicht.“ Eine andere Variante bringt TSV-Trainer Schmid ins Spiel: Playoffs um Auf- und Abstieg, sofern noch gespielt werden kann.

Kreisklasse

Einen Trainingsplan hat keiner der Kreisklassen-Trainer seinen Akteuren mit auf den Weg gegeben. Max Wagner vom FC Kochelsee Schlehdorf spielte mit dem Gedanken. Doch die Kicker seien alt genug. Sie wüssten, wie viel sie tun müssen, um fit zu bleiben. Dass die Saison noch einmal startet, halten die Vereine für unwahrscheinlich. Ludwig Hutter, Sportlicher Leiter beim Spitzenreiter WSV Unterammergau, versteht nicht, wieso darüber überhaupt diskutiert wird. „Fußball ist aktuell einfach nur unwichtig. Ich bin ein fußballbegeisterter Mensch. Aber der Sport ist für mich vollkommen in den Hintergrund gerückt.“ Für ihn zählt nur, dass der Virus möglichst wenige Opfer fordert. Für ihn und den WSV wäre eine Annullierung bitter. Doch geht Hutter davon aus. Schade – natürlich. Aber seine Mannschaft will sportlich aufsteigen, nicht am grünen Tisch. „Damit würden wir uns nicht wirklich wohl fühlen.“

Der Tabellenzweite Bad Kohlgrub hat ein Spiel weniger auf dem Konto. Mit einem Sieg wären sie am WSV vorbeigezogen. Doch auch Trainer Oliver Pajonkowski hält die Annullierung und den Start bei Null im August für das „fairste Szenario“.

A-Klasse

Die SG Oberau/Farchant würde in dieser Spielzeit wohl niemand stoppen, das ist der Tenor in der Liga. Für den Fall, dass die Saison doch fortgesetzt wird, halten sich alle A-Klassen-Spieler zuhause individuell fit. Andreas Zinn, Trainer des SC Grainau, lässt ihnen beim Pensum freie Hand. „Ich stelle mich nicht hin und fordere von den Spielern 10 Liegestützen und 15 Sit-Ups, bevor sie ins Bett gehen.“ Auch Thomas Hesse vom SV Eschenlohe überlässt das Training jedem selbst. Er empfiehlt die vielen schönen Wege zum Laufen und Radfahren in der Region, „die können die Spieler nutzen“. Der Rat dürfte auch Helmut Schug vom FC Mittenwald gefallen. Denn die ganz große Auswahl an Übungen für daheim gebe es nicht.

Die Annullierung der Runde und Neustart im August halten die Coaches für das wahrscheinlichste Szenario. Für Zinn aber spielt es aktuell keine Rolle, ob die A-Klasse Fußball spielt oder nicht. „Die Gesellschaft steht im Mittelpunkt.“ Leid würde es ihm für den Spitzenreiter tun. „Dort wurde super Arbeit geleistet.“ Trainer der SG Farchant/Oberau ist Sebastian Schmölzl. Dass sein Team womöglich nicht aufsteigt, interessiert ihn kaum. Über Fußball macht er sich aktuell keine Gedanken. Abgesehen davon könne er die Entscheidung eh nicht beeinflussen. Wird die Saison gestrichen, „werden wir kommende Spielzeit erneut hart arbeiten und angreifen“. Zu einer Annullierung sieht Thomas Mürnseer keine Alternative. „Das ist die fairste Lösung“, sagt der Krüner Coach. In seinen Augen macht es weder Sinn, nur die Vorrunde zu werten, noch, Auf- und Abstiegsplayoffs zu spielen. Hesse vom SV Eschenlohe hofft auf ein Saisonaus – jetzt. Dabei vermisst er klare Aussagen der Verantwortlichen. „Der Bayerische Fußball Verband muss jetzt ein Zeichen setzen und die Saison beenden.“

Bezirksoberliga, Frauen

Unterschiedlicher könnte die Lage der zwei Landreis-Mannschaften in der Bezirksoberliga der Frauen nach der Hinrunde nicht sein: Der FC Oberau steht mit drei Punkten am Ende der Tabelle, der TSV Murnau trotz zwei Spielen weniger als die Konkurrenz auf Rang zwei. FCO-Coach Markus Schmidt fordert von seinen Frauen, sich zu Hause fit zu halten – „auch wenn der Sport momentan absolut nebensächlich ist“. Edi Koller vom TSV macht sich um die Fitness seiner Spielerinnen keine Sorgen. Sie laufen, machen zudem Kraftübungen.

Dass die Saison noch einmal startet, glaubt keiner der beiden. Dabei zeigt Koller wenig Verständnis für den Verband. „Die Saison sollte einfach annulliert werden und fertig.“ Natürlich sei das bitter für manche Teams. „Aber alleine die Diskussion darüber ist für mich unverständlich. Ob wir Fußball spielen oder nicht, ist momentan so unwichtig.“ Eine Annullierung würde Oberau nicht ungelegen kommen. „Natürlich wären wir mit einem blauen Auge davongekommen.“ Unabhängig davon gibt es für ihn keine andere Möglichkeit. Das Modell, die Liga mit drei Spielen in der Woche, im Eiltempo durchzuziehen, hält er wie Koller für unrealistisch – gerade bei Anfahrten von bis zu zwei Stunden zu Auswärtsspielen. Und das am besten an einem Mittwochabend mit berufstätigen Spielerinnen. Koller legt sich fest: „Das ist schlichtweg nicht möglich.“

Quelle: Merkur.de

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