Sarisakal: "... dann zerbricht ein Verein"

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Trotz kleinem Geldbeutel steht Trainer Tarik Sarisakal ein schlagkräftiger Kader zur Verfügung.

SC Fürstenfeldbruck - Noch im Juli drohte dem SC Fürstenfeldbruck die Insolvenz. Wie kann der Verein trotz finanzieller Schieflage einen Hochkaräter wie Uli Fries verpflichten.

Wir haben haben bei Trainer Tarik Sarisakal nachgefragt. Das Interview:

Servus Tarik, wie sehr kannst du dich als Trainer einer Fussball-Mannschaft mit den Münchner Löwen identifizieren?

Der Klub liegt mir natürlich am Herzen. Viele meiner Spieler sind Löwen-Fans. Fakt ist: Ich würde es auch gerne sehen, wenn sie eine Liga höher spielen. Aber Anspruch und Wirklichkeit liegen seit Jahren weit auseinander.

Diese Situation dürfte dir als Trainer des SC Fürstenfeldbruck bekannt vorkommen...

(lacht) Ich wusste, dass es darauf hinaus läuft. Stimmt, da geht es dem Coach der Löwen nicht anders als mir. Klar sind das bei 1860 andere Dimensionen. Aber für beide Vereine gilt: 1860 und Bruck haben in ihrer langen Geschichte schon den einen oder anderen chaotischen Tag erlebt.

Wie gehst du als Trainer mit der Situation um, dass immer wieder Negativschlagzeilen an die Mannschaft heran getragen werden?

Hier muss ich einfach mal eine Lanze brechen. Egal, wer beim SC Fürstenfeldbruck zuletzt das Sagen hatte, ich konnte immer in Ruhe arbeiten. Und was unsere aktuelle Vorstandsschaft leistet, ist wirklich aller Ehren wert. Außenstehende dürfen nicht vergessen, dass das alles Ehrenamtliche sind, die ihre Freizeit opfern, um sich für den Verein einzusetzen.

Woher kommt die andauernde Unruhe beim SC Fürstenfeldbruck?

Gute Frage. Der Verein hat eine lange Geschichte und in dieser Zeit schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Beim SCF streben die Leute immer nach mehr. Die erste Mannschaft sollte vom Anspruchsdenken mindestens in der Bayernliga spielen. Die Realität sieht aber eben anders aus. Um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir kleinere Brötchen backen. Die neue Vorstandsschaft ist hier auf dem richtigen Weg.

Wie soll das funktionieren?

Der Faustpfand des SCF ist die Jugendabteilung. Hier zeigt sich auch die positive Seite der Finanzmisere. Wir müssen und wollen künftig auf junge Spieler setzen, die Bruck als Plattform verstehen, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

„Die Jugendabteilung rettet Bruck vor der Insolvenz“. Wie geht es dir als Trainer, wenn du diese Schlagzeilen lesen musst?

Für mich kam das nicht überraschend. Ich war schon länger involviert und wusste, was auf uns zukommt. Fakt ist: Die finanziellen Mittel waren nicht mehr da, um die erste Mannschaft am Leben zu halten. Natürlich ist es nicht Sinn der Sache, dass uns das Geld der Jugendabteilung gerettet hat. Wir sollten so wirtschaften, dass die Mannschaft auf eigenen Beinen stehen kann. Aber hier zeigt sich das große Problem, das derzeit so viele Vereine habe: Sportliche Qualität kostet Geld. Manche Clubs können das noch zahlen, andere eben nicht mehr.

Zuletzt war von einem Schuldenstand von 90.000 Euro die Rede. Hinzu kamen knapp 25.000 Euro Nachzahlung an diverse Berufsverbände. Ist der Verein ein Fass ohne Boden?

Das kann und will ich nicht beurteilen. Klar sind diese Schlagzeilen nicht positiv. Aber damit beschäftige ich mich nicht. Ich bin für den sportlichen Bereich verantwortlich. Hier kann ich sagen: Wir haben im Sommer bestimmt mit 17 oder 18 Spielern gesprochen. Die Transfers scheitern aber immer am Geld. Es gibt in unserer Liga anscheinend Vereine, die nach wie vor so viel zahlen können, dass wir aus dem Rennen sind.

Dennoch habt ihr einen Hochkaräter wie Uli Fries nach Bruck holen können. Auch Flo Baier ist zurückgekehrt...

Wir müssen eben andere Wege gehen. Unheimlich viele Spieler nehmen heute das Geld mit, das sie kriegen können. Ich habe dafür auch volles Verständnis. Wir können diese Vorstellungen als Verein nicht erfüllen. Unser Ziel ist es, den Menschen für uns zu gewinnen. An Uli Fries waren wir seit dem Winter dran, haben regelrecht Telefonterror betrieben. Er wollte kürzer treten und konnte berufliche den Aufwand nicht mehr stemmen, der für die Regionalliga nötig ist. Flo Baier hat 14 Jahre seine Knochen für Bruck hingehalten. Er ist hier groß geworden. Dann wurde er unrühmlich gegangen. Mit seiner Rückkehr schließt sich der Kreis. Wir wollen diesen Spielern vermitteln, wie wichtig sie für unsere Mannschaft sind.

Der FC Falke Markt Schwaben hat zuletzt seine Landesliga-Mannschaft zurückgezogen. Der Verein konnte beim Spieler-Wettrüsten nicht mehr mithalten. Wie lange geht diese Situation im Amateur-Fußball noch gut?

Das Problem ist, dass es immer weniger Idealisten gibt. Das zeigt auch das Beispiel BC Aichach. Wenn ein Mäzen oder Großsponsor nicht mehr zahlen kann oder will, zerbricht ein Verein. Die Lösung wäre ein Pool aus vielen Kleinsponsoren. Wenn ein kleiner Sponsor wegfällt, bricht das dem Verein nicht sofort das Genick.

SC Fürstenfeldbruck:

Neu: Uli Fries (Buchbach), Muzafer Erkek (Hilgertshausen), Marko Bosnjak (Oberweikertshofen), Nickoy Ricter, Niki Grotz, Michael Arndt (alle eigene Jugend).

Ab: Tobias Heinzinger (Schwabmünchen), Armin Lange (Pipinsried), Christian Mühlberger (Eching), Jerome Faye (Unterföhring), Tobias Hänschke (Kottern), Serkan Türkcan (Ziel unbekannt), Benjamin Ewert, Michael Thurner, Thomas Schamberger, Filipp Thiel (alle Puch), Patrick Kohlmeier (Schöngeising), Dominik Karaaslan, Martin Hoffmann, Mike Paulick, Volkan Salman, Kryezin Arber (alle West), Ebou Tolno (SC Gröbenzell), Patrick Neser (Ziel unbekannt).

Trainer: Tarik Sarisakal (wie bisher)

von Christoph Seidl

Quelle: fussball-vorort.de

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