SC Baldham-Vaterstetten-Trainer denkt nicht an einen vorzeitigen Abschied in der Corona-Pause

SCBV-Coach Shala: Verständnis für BFV-Entscheidung

SCBV-Coach Gzim Shala denkt nicht an einen vorzeitigen Abschied in der Corona-Pause.
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SCBV-Coach Gzim Shala denkt nicht an einen vorzeitigen Abschied in der Corona-Pause.

Gzim Shala ist schon immer ein „Gegner des Grünen Tischs“ gewesen.  Er wähnt sich „sportlich und moralisch“ im Recht auf einen sportlichen Abschied aus Baldham.

Vaterstetten – Wie Millionen andere Arbeitnehmer auch wurde Gzim Shala vor gut einem Monat von der Corona-Pandemie in sein Homeoffice in Vaterstetten verbannt. Raus aus dem Alltag als Außendienstler, runter von der Straße und ab vor den Rechner. Von frühmorgens bis spätabends sitzt der 55-jährige Vertriebsbeauftragte eines Chemie-Unternehmens in der Nähe von Fürstenfeldbruck vor Monitor und Telefon und versucht die Auftragsflut abzuarbeiten. Sein großer Renner, natürlich: Desinfektionsmittel.

Shala versorgt Gemeinde und Landratsamt mit Hygienearktikeln

„Eigentlich bin ich die ganze Zeit online“, sagt der Familienvater, „es freut mich, dass ich gerade auch hier vor Ort helfen kann.“ Beispielsweise versorgte Shala die Gemeinde Vaterstetten oder das Landratsamt Ebersberg rund um die Kommunalwahlen mit Hygiene-Artikeln. Obwohl er beruflich seit zwei Monaten intensiv mit vielen systemrelevanten Einrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zusammenarbeite, habe er im Kundenkreis noch keinen einzigen Infektionsfall mitbekommen. „Anders als früher legen die Leute viel mehr Wert auf Hygiene. Das wird auch im Sport ein großes Thema sein, wenn es wieder losgeht.“

Shala selbst will in seinem sportlichen Umfeld jedenfalls dafür sorgen. Seit fast zwei Jahren trainiert der leidenschaftliche Ex-Profi aus Kosovo den Fußball-Bezirksligisten SC Baldham-Vaterstetten. „Ich werde meinen Spielern empfehlen, Desinfektionsmittel zu verwenden, bevor sie den Trainingsplatz betreten und sich auch nach dem Training die Hände zu waschen.“ Berufsbedingt hat Shala bereits seit Jahren Desinfektionsgel griffbereit im Auto liegen. „Auch zuhause standen bei mir schon immer Desinfektionsmittel.“

Coach des SCBV sehnt Rückkehr auf den Trainingsplatz herbei

Der 55-Jährige ist sicher, dass sich die Corona-Pandemie auch auf das soziale Miteinander im Freizeit- und Amateursport auswirken wird: „Vielleicht wird das nicht langfristig anhalten, aber man wird hundertprozentig am Anfang mehr Abstand halten, sich viel weniger Umarmen und Händeschütteln. Für mich wird die Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Profifußball ein gutes Experiment.“ Er sei neugierig, wie die Profi-Kicker Tests, Kontrollen sowie potenzielle Infektionsfälle in der Praxis handhaben. Bei einem entsprechend niedrigen Preis würde Shala auch Corona-Tests im Amateurfußball für möglich halten.

Zunächst einmal sehnt er aber die Rückkehr auf den Trainingsplatz herbei. Beim Wiedersehen mit seinen Spielern erwartet Shala „ein ganz komisches Gefühl“. Der teaminterne Kontakt sei gerade schon noch da, manche würden weiterhin regelmäßig Screenshots ihrer Laufeinheiten schicken. „Manche machen aber auch gar nix, manche schreiben.“

Abschied nach der Saison

Unter normalen Umständen würden die Baldhamer wohl gerade versuchen, ihre Chance auf Relegationsplatz zwei zu wahren. Fünf Zähler beträgt der Rückstand auf den VfB Forstinning. Gleichzeitig wären es aber auch nur noch vier Partien bis zu Gzim Shalas Abschied. Wenige Tage nach dem Shutdown hatte SCBV-Abteilungsleiter Helmut Lämmermeier bekannt gegeben, dass Sebastian Kneißl (SV Heimstetten II) und Stefan Bürgermeier (TSV Poing) Shala nach der Saison beerben sollen.

Nun hat der Bayerische Fußball-Verband beschlossen, dass die Saison 2019/20 definitiv zu Ende gespielt wird. Laut BFV-Präsident Rainer Koch aus Poing könnte man damit sogar bis April 2021 warten. „Da gibt es jetzt bestimmt Spieler, die keinen Bock mehr haben, beim SCBV oder mit mir so lange weiterzuspielen“, überlegt Shala. „Viele wollen sich aber sportlich und mit einer erfolgreichen Platzierung verabschieden. Ich war schon Anfang März Gegner des Grünen Tischs und immer für eine sportliche Lösung. Ich kann die Entscheidung und Argumentation des BFV nachvollziehen.“

Shala denkt nicht an einen vorzeitigen Abschied in der Corona-Pause

In so einer Ausnahmesituation, findet Shala, braucht es Ausnahmeregeln. Auch in puncto Trainer-Verträgen. Schließlich müssten die Klubs nur Aufwandsentschädigungen respektive Gehälter zahlen, wenn der Übungsleiter auch Spieler auf dem Platz anleiten kann.

An einen vorzeitigen Abschied in der Corona-Pause denkt Shala keinesfalls, obwohl er zugibt, mit anderen Vereinen in Gesprächen zu sein. „Ich bin nicht entlassen! Ich habe moralisch und sportlich das Recht, die Mannschaft bis zum Saisonende zu betreuen. Finanziell kann man das alles regeln.“ Seine beiden Nachfolger stünden ja ebenfalls noch bei ihren jeweiligen Vereinen in der Pflicht.

Dass die auf ungewisse Zeit verlängerte Zusammenarbeit auf psychosozialer Ebene zu Unstimmigkeiten mit unzufriedenen Spielern führen kann, ist Shala bewusst. Dagegen ist er durch fast sieben Jahre Trainererfahrung in der Bezirksliga Ost bei vier verschiedenen Klubs aber imprägniert: „Jeder fühlt das natürlich anders. Ich bin Profi. Für mich ist das kein Problem. In diesem Geschäft hörst du bei einem Verein auf und fängst bei einem anderen an.“ Das Corona-Virus kann den Fußballbetrieb zum Erliegen bringen, nicht aber seine Automatismen.

Text: Julian Betzl

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