SCBV-Chef Lämmermeier kritisiert einseitige Meinungsbildung

SCBV-Chef Lämmermeier: „Ganz weit weg vom Amateurfußball!“

Sieht die Lage sehr kritisch: SCBV-Fußball-Vorstand Helmut Lämmermeier.
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Sieht die Lage sehr kritisch: SCBV-Fußball-Vorstand Helmut Lämmermeier.

Der SC Baldham-Vaterstetten hat bei der Abstimmung des BFV gegen eine Saisonfortsetzung gestimmt. SCBV-Chef Lämmermeier erklärt die Gründe und kritisiert den Verband.

Die hohe Zustimmungsrate für den Vorschlag des BFV und damit eine Fortführung der Spielzeit 2019/20 ab dem 1. September (sofern durch staatliche Vorgaben möglich) hatte Helmut Lämmermeier „in dieser Richtung“ schon erwartet. „Die Webkonferenzen am Wochenende wurden doch sehr einseitig geführt, Gegenargumente sind eigentlich nicht vorgekommen“, sagt der Fußballabteilungsleiter des Bezirksligisten SC Baldham-Vaterstetten im Analyse-Gespräch mit der EZ. 

Herr Lämmermeier, was entgegnen Sie dem BFV, wenn er mit einer Saison-Fortsetzung Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum verspricht?

Helmut Lämmermeier: Das sehe ich genau andersherum. Diese wird uns nämlich komplett genommen. Jeder Verein plant doch seinen Kader für ein Jahr und der schmilzt über eine Saison hinweg noch ab, weil der Amateursport stark vom Berufsleben geprägt ist. Beispielsweise kann ich einen Spieler aus unserer ohnehin dünnen Reserve, der am 1. September ein Auslandssemester beginnt, nicht ersetzen. Dass diese Saison jetzt vielleicht zwei Jahre dauert und ich keine neuen Spieler verpflichten und keine Planungen mit Sponsoren vornehmen kann, bringt uns in eine gewisse Problemstellung.

Dafür gibt es eine sportliche Entscheidung auf dem Spielfeld . . .

Das erscheint auf den ersten Blick auch fair. Nur: wie fair ist das noch, wenn die Saison ein Jahr länger dauert und Mannschaften, die kurz vor dem Aufstieg oder dem Klassenerhalt standen, dann nicht mehr alle Spieler zur Verfügung haben?

Dafür gäbe es laut BFV „keine Streitigkeiten vor Gericht oder zwischen Vereinen“.

Mir fällt beim besten Willen nichts ein, worüber sich Vereine untereinander streiten sollten. Das ist völliger Quatsch. Und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein Amateurverein Lust hat, lange Klagen zu führen, oder dass ein Gericht einem Kläger Recht gibt, wenn der BFV die Saison aufgrund dieser Krise annulliert. Umgekehrt kann eine Fortsetzung jetzt wegen der Thematik Spielerwechsel einige auf den Plan rufen.

Inwiefern sind Sie bereits davon betroffen?

Wir hätten im Sommer gerne ein paar Spieler verpflichtet, waren schon in fortgeschrittenen Gesprächen. Alles hinfällig. Das Problem sehe ich aber vielmehr bei den einzelnen Spielern, die wegen Problemen mit dem Trainer oder einem Umzug wechseln wollten und jetzt für einen sehr langen Zeitraum gezwungen sind, bei ihrem Verein zu bleiben. Unter psychologischen Aspekten – auch was die Trainerwechsel betrifft – ist das alles nicht gut.

Mit Sebastian Kneißl (SV Heimstetten II) und Stefan Bürgermeier (TSV Poing) kommen im Sommer zwei neue Trainer zum SCBV. Gzim Shala soll bis Saisonende bleiben. Wer steht im September an der Seitenlinie?

Ich weiß es nicht und habe die Gespräche dahingehend auch nicht fortgesetzt. Wir sind aber nicht die einzigen, die gültige Verträge mit Trainern ab Sommer haben. Da muss man erstmal schauen, wie man das bewerkstelligt.

Was ist mit den vom BFV befürchteten Regressforderungen von Sponsoren?

Wer auf die Idee kommt, dass Sponsoren ihre Vereine verklagen, ist ganz weit weg vom Amateurfußball! Die meisten Sponsoren, bis hoch in die Bayernliga, sind doch eng mit dem Verein verbunden und machen damit kein Geschäft. Praktisch zieht doch keiner sofort vor Gericht, sondern sucht erst das Gespräch mit dem Klub über einen möglichen Ersatz, dass man vielleicht die entfallenen Spiele in der neuen Saison anrechnet. Jetzt haben die Vereine auf jeden Fall den Schaden, weil eine Saison ganz verloren gehen kann, eine halbe nachgeliefert werden muss und gerade wohl kaum neue Verträge abgeschlossen werden können.

Das Argument, mögliche Klagen von Vereinswirtschaften gegen den BFV zu verhindern . . .

. . . kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Die Gaststätten werden aufmachen, sobald sie dürfen, unabhängig davon, ob gespielt wird und ob das dann eine Rück- oder neue Hinrunde ist. Das gilt auch für die Zuschauereinnahmen. Ich kenne keinen saisonabhängigen Pachtvertrag. Möglich, dass es da exotische Konstrukte gibt, aber die meisten Pächter, gerade auf Bezirkssportanlagen, haben langfristige Verträge.

Der SCBV-Vorstand hat geschlossen für einen Abbruch votiert und die Gründe dafür BFV-Vizepräsident Robert Schraudner schriftlich mitgeteilt. Warum wäre eine Annullierung aus Ihrer Sicht die beste Variante?

Juristisch wäre das wesentlich haltbarer gewesen, keiner hätte Schaden genommen oder wäre einer Chance beraubt worden. Für die Teams, die gerade vorne stehen, wäre das sicher bitter. Man hätte schon früh vernünftig damit argumentieren können, dass die Gesellschaft gerade größere Probleme hat. Da wäre auch die Akzeptanz für einen klaren Strich und Neustart größer gewesen.

Ihr Fazit zum Meinungsbild?

Der Verbandsvorschlag wurde einseitig gut präsentiert und schlüssig dargestellt. Davon haben sich anscheinend viele überzeugen lassen. Für mich gehen viele Argumente aber nicht auf. Ich sehe wegen der vielen Verzerrungsparameter durch die Verlängerung keine eindeutige sportliche Fairness. Die rechtlich befürchteten Probleme vom BFV sehe ich gar nicht. Und den Vereinen wird damit die Planungssicherheit nicht gegeben, sondern genommen. Jetzt muss jeder schauen, wie er damit klarkommt.

Interview: Julian Betzl

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