Der SC Fürstenfeldbruck trennt sich von Trainer Athanasios Kiourkas - 50 Abgänge in 16 Monaten

SC Fürstenfeldbruck: Athanasios Kiourkas wird per WhatsApp gefeuert

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Seine Zeit ist um: Athanasios Kiourkas muss den SC Fürstenfeldbruck verlassen.

Der SC Fürstenfeldbruck hat seinen Trainer Athanasios Kiourkas entlassen. Die Nachricht über das Aus erhielt der 33-Jährige per WhatsApp. Im Interview spricht Kiourkas über die Trennung, den sportlichen Abstieg und wieso der Verein seit Jahren nicht zur Ruhe kommt.

Herr Kiourkas, wie haben Sie von Ihrer Entlassung erfahren?

Ich habe per WhatsApp erfahren, dass der Verein getrennte Wege gehen möchte. Da fragst du dich nur noch: Wieso? Mein alter Verein, die SpVgg Feldmoching, hat es auch hinbekommen, mir die Trennung in einem persönlichen Gespräch mitzuteilen. Ich habe dem Vorstand gesagt, dass ich das Traineramt bis Winter weiter ausüben möchte. Ich wollte die Jungs nicht im Stich lassen. Daraufhin kam keine Reaktion vonseiten des SC Fürstenfeldbruck. Am Sonntag dann diese WhatsApp-Nachricht.

Wieso wollten Sie den Verein im Winter verlassen?

Im Anschluss an die 0:7-Niederlage gegen Peiting haben mein Co-Trainer Güngör Cakir und der Sportdirektor Mahmut Sahin ihren Rücktritt erklärt. Beide hatten mitbekommen, dass Teile des Vorstands nicht von ihnen überzeugt waren. Mir wurde gesagt, dass die beiden kein guter Umgang für mich wären. Diese Behauptung sehe ich als völlig unberechtigt an. Mahmut und Güngör haben sehr viel Zeit investiert und gute Arbeit geleistet. Ich kann ihren Schritt verstehen.

Der SC Fürstenfeldbruck steht als Absteiger auf dem vorletzten Rang. Kann sich die Mannschaft noch retten?

Dass die sportliche Situation nicht zufriedenstellend ist, kann man mit Sicherheit nachvollziehen. Die Jungs werden die Klasse halten. Dafür sind sie einfach zu gut. Allerdings hat die Mannschaft keine Unterstützung vom Verein erhalten. Wir sind am Samstag mit elf Spielern angetreten. Davon waren zwei Torhüter. Nach 15 Minuten hat sich der erste Spieler verletzt, nach 20 Minuten der zweite. Wir mussten mit zwei Mann weniger spielen. Wir konnten keine Spieler aus der A-Jugend hochziehen. Es fiel der Satz: „Wenn ihr mit zehn Spielern spielen müsst, dann spielt ihr eben mit zehn Spielern!“

Kiourkas: „Wir hätten unabhängig vom Ergebnis unsere Sachen packen müssen“

Bereits am Dienstag wurde mit Alex Bayer ein neuer Trainer vorgestellt.

Das ist das Absurdeste an der ganzen Geschichte: Der Verein hat mir vor zwei Wochen mitgeteilt, dass er zu einhundert Prozent hinter mir und meiner Arbeit steht. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass der Klub bereits seit einer Woche einen neuen Trainer sucht und dieser schon vor unserem Spiel in Peiting feststand. Wir hätten also unabhängig vom Ergebnis unsere Sachen packen müssen. Nach der hohen Niederlage konnte der Verein offiziell erklären, dass sie zum Handeln gezwungen waren.

Wie hat die Mannschaft auf Ihre Beurlaubung reagiert?

Es gab nicht viel Zeit sich zu verabschieden. Ich habe meinen Spielern die Entlassung in unserer WhatsApp-Gruppe mitgeteilt und gesagt, dass ich es sehr schade finde. Mit einigen der Jungs hatte ich hinterher noch persönlichen Kontakt. Es gibt aber auch Spieler, die ihre Teamkollegen zum Beispiel am Samstag im Stich gelassen haben. Sie hätten zum Spiel in Peiting kommen können, kamen aber nicht.

Warum kommt der SC Fürstenfeldbruck seit Jahren nicht zur Ruhe?

Erst einmal möchte ich betonen, dass ich keinerlei Groll gegen einzelne Personen hege. In einem Interview sagte ich bereits, dass die Leute aufhören sollen, Vergleiche mit den Bayernliga-Zeiten des Vereins anzufangen. Die Glanzzeiten sind vorbei. In den vergangenen sechs Jahren, in denen der aktuelle Vorstand tätig war, haben fast 100 Spieler den Verein verlassen. In meinen 16 Monaten waren es um die 50. Es werden ständig die Spieler und Trainer gewechselt. Nur der Vorstand bleibt gleich. Man sollte sich mal Gedanken machen, ob man im Verein etwas verändern sollte.

Trotz des enttäuschenden Abschieds beim SCF: Möchtest du als Trainer weiterarbeiten?

Auf jeden Fall, ich möchte im Winter oder nächstes Jahr im Sommer wieder angreifen. Ich werde mir sämtliche Angebote, die mich erreichen, in Ruhe anhören. Der Job macht mir unheimlich viel Spaß. Ich werde mich aber nicht Hals über Kopf in irgendetwas hineinstürzen, sondern in Ruhe nachdenken.

Das Interview führte Marco Blanco Ucles

Quelle: Merkur.de

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