Kapitän des SC Gaißach im Interview

Georg Simon: „Es wird Zeit, dass der Knoten platzt“

Viel Erfahrung und körperliche Präsenz: Nach überstandener Kreuzbandverletzung ist Gaißachs Verteidiger Georg Simon (re.) wieder eine feste Größe in der Mannschaft.
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Viel Erfahrung und körperliche Präsenz: Nach überstandener Kreuzbandverletzung ist Gaißachs Verteidiger Georg Simon (re.) wieder eine feste Größe in der Mannschaft.

Georg Simon verkörpert die Leiden des SC Gaißach wie kaum ein anderer. Für den Kampf gegen den Abstieg aus der Kreisklasse ist er dennoch zuversichtlich.

Gaißach – Kreuzbandverletzung, für fünf Spieltage Interimstrainer, Kapitän, Gelb-rot-Sünder beim Comeback und Re-Start gegen die Fußball-Freunde Geretsried, und zuletzt Einwechselspieler – keiner verkörpert die Leiden des SC Gaißach in dieser Saison so sehr wie Georg Simon. Nach dem 1:1 gegen den SC Wörnsmühl unterhielt sich Sportredakteur Wolfgang Stauner mit dem Gaißacher Verteidiger über die Zukunft des sorgengebeutelten Kreisklassisten.

Das 1:1 gegen Wörnsmühl war das dritte Spiel nach dem Re-Start. Welche Erkenntnisse haben Sie bislang gewonnen?

Uns fehlt die Konstanz. Meistens spielen wir eine gute Halbzeit, manchmal ist es ein bisschen mehr, wie beim ersten Spiel gegen die Fußball-Freunde. Wir haben gute 80 Minuten gezeigt, lagen 2:0 in Front und haben doch nur einen Punkt geholt. Nach dem Gegentor gingen die Köpfe runter, das ist ganz klar dem mangelnden Selbstvertrauen geschuldet.

Auffällig ist beim SCG: viele Gegentore, wenig eigene Tore. Irgendwie passt’s hinten und vorne nicht...

Uns fehlt vorne die Kaltschnäuzigkeit, und hinten schaffen wir es nicht, 90 Minuten ohne die entscheidenden ein, zwei Patzer zu absolvieren. Wir spielen ja einen schönen Fußball, auch gegen Tabellenführer Sauerlach hatten wir unsere Chancen. Und wir haben viele junge Spieler mit glänzender Perspektive. Die haben schon zwei Jahre unter dem Stefan (Simon, Interimstrainer der Ersten, Anm. d. Red.) trainiert und eine Menge gelernt.

Im Abstiegskampf werden Spieler mit Ihrer Erfahrung gebraucht. Wie sieht’s aus: Hält das Knie?

Freilich, ich bin topfit, und mit dem Knie ist alles in Ordnung. Uns Alte, wie Matthias Beutelrock, Johannes Waldherr und Vitus Partenhauser braucht’s einfach im Team, aber die Jungen ziehen super mit. Keiner will in die A-Klasse absteigen, auch wenn’s für den Verein kein Beinbruch wäre, wenn es so kommen sollte. Aber lieber feiern wir in dieser Saison den Klassenerhalt, als in der darauf folgenden den Wiederaufstieg.

Zwei Siege in 17 Spielen sind keine glorreiche Ausbeute. Wie ist die Stimmung im Team?

Eigentlich noch echt gut. Alle sind heiß auf die Spiele, und auch die Einstellung passt. Aber wenn’s auf dem Platz dann einen Genickschlag gibt, zieht das alle ein Stück weit runter. Ein 0:1 ist nie gut für die Moral, aber die Jungen müssen lernen, damit umzugehen. Die Trainingsbeteiligung ist auch super. Es sind immer an die 20 Leute da – das war schon mal ganz anders. Im Training wird auch voll Gas gegeben. Aber ein Spiel ist was anderes als ein Training. Wir schauen auf jeden Fall, dass wir die Relegation erreichen.

Nun steht noch ein Punktspiel gegen Rottach-Egern an. Das nächste Sechs-Punkte-Spiel?

Ja, wir müssen unbedingt gewinnen. Das sagen wir uns schon länger. Nur die Umsetzung auf dem Platz hat bisher gefehlt. Es wird Zeit, dass der Knoten platzt.

Danach geht’s mit dem Ligapokal weiter. Ihre Meinung zu diesem konstruierten Füllprogramm?

Dieser Ligapokal ist komplettes Neuland, wir haben’s noch nie so gehabt in dieser Form. Mir persönlich wäre es lieber gewesen, wenn wir uns erst einmal auf die Ligaspiele hätten konzentrieren könnten und erst danach den Pokal in Angriff nehmen. Das Schöne am Pokal ist aber, dass man gegen Mannschaften spielt, die sonst nicht in der Liga spielen, so wie wir gegen Benediktbeuern, Eurasburg oder Kochelsee.

Und welche Priorität genießt der Ligapokal im Team?

Also man kann ja durchaus was gewinnen und den Klassenerhalt auf diese Weise schaffen. Es sind für uns Spiele mit Wettkampfcharakter. Schon gegen Benediktbeuern (2:3, Anm. d. Red.) hat man gemerkt, dass es anders zur Sache geht, als bei bloßen Vorbereitungsspielen. Es ist schon geil, unter Flutlicht zu spielen, auch den Zuschauern gefällt’s. Allgemein ist der Pokal eine gute Sache.

Hat denn der neue Trainer Thomas Gärner schon mal vorbeigeschaut?

Bei uns Spielern hat er sich noch nicht vorgestellt, aber bei den Heimspielen habe ich ihn immer am Spielfeldrand gesehen. Die Vorbereitung nach der Winterpause wird wohl im Februar starten, da ist noch allerhand Zeit, um sich kennenzulernen.

Ihre Prognose: Schafft der SC Gaißach den Klassenerhalt?

Ich glaube immer noch, dass wir den Klassenerhalt schaffen – zumindest über die Relegation. So wie wir gegen die vorderen Mannschaften gespielt haben, bin ich mir sicher, dass wir die nötigen Punkte noch holen. Wir sind nie untergegangen oder total chancenlos gewesen. Gegen Spitzenreiter Sauerlach waren wir teilweise die bessere Mannschaft, auch wenn das 1:4 was anderes vermuten lässt. Außerdem: Solange sich jeder voll reinhaut, ist mir nicht Bange. ( WOLFGANG STAUNER)

Quelle: Merkur.de

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