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Titel-Hoffnung: Denklingen-Fans pilgern nach Oberweikertshofen

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Von: Christian Heinrich

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Lasst es uns anpacken: Die Fußballer des VfL Denklingen hatten in dieser Saison viel Grund zur Freude – und träumen vom Aufstieg in die Landesliga.
Lasst es uns anpacken: Die Fußballer des VfL Denklingen hatten in dieser Saison viel Grund zur Freude – und träumen vom Aufstieg in die Landesliga. © Halmel

In der „Color Bar“ von Nicole Resch in Schongau gab es am Donnerstag nur ein beherrschendes Thema. Im Herrensalon schwärmten die Kunden jedoch nicht vom mitreißenden Finale der Frankfurter Eintracht gegen die Glasgow Rangers, sondern vom VfL Denklingen.

Denklingen – „Es ist eine unglaubliche Resonanz“, staunte Markus Ansorge über das positive Feedback bei seinem Friseurtermin. In den vergangenen Wochen hat der Trainer zusammen mit seinen Kickern die Herzen der Menschen bewegt. Auch, wenn sie aus den Spielen gegen den MTV Berg und der SpVgg Haidhausen nur einen einzigen Punkt holten, haben sie am letzten Spieltag noch die Chance auf den Titelgewinn in der Bezirksliga Süd. Und nun wollen die Menschen in und um Denklingen wissen, ob diese Geschichte ein gutes Ende nimmt oder der VfL nach einer außergewöhnlichen Saison mit Platz drei und somit mit leeren Hände dasteht.

Für das letzte Spiel dieser Saison beim Tabellenführer macht die ganze Region mobil. Der Bus, den den Klub für die Fahrt nach Oberweikertshofen gechartert hatte, war sofort ausgebucht. Selbst in einem zweiten gibt es keinen freien Sitzplatz mehr. „Das ist unglaublich“, sagt Ansorge. Er ist überwältigt, wie viele Menschen aus Denklingen seine Mannschaft am Samstag (14 Uhr) in der Partie gegen den Spitzenreiter unterstützen wollen. Selbst aus Apfeldorf und Kinsau schließen sich die Fans an.

Schon jetzt ist klar, dass diese Partie ein Heimspiel für den VfL wird, obwohl sie im hintersten Winkel des Landkreises Fürstenfeldbruck stattfindet. „Ich denke, dass die Mehrzahl der Fans aus Denklingen sind“, sagt Ansorge. Vielleicht kreiert seine Elf in Symbiose mit den eigenen Anhängern ja so einen Effekt wie die Eintracht aus Frankfurt bei ihrer Tour durch Europa – sodass die Fans sie einfach zum Sieg tragen.

Begeistert von den Fans: Trainer Markus Ansorge.
Begeistert von den Fans: Trainer Markus Ansorge. © Halmel

Und so werden am Samstag beim Rosenkranz mit anschließender Vorabendmesse in der Pfarrkirche St. Michael in Denklingen womöglich weniger Gläubige als sonst anzutreffen sein, weil der halbe Ort zur Wallfahrt nach Oberweikertshofen aufgebrochen ist. Dabei beginnen an diesem Wochenende die Bitttage, an denen sich die Menschen wieder einmal bewusst machen, dass auf den Fluren nicht allein wegen des Kunstdüngers alles wächst und gedeiht, oder man deshalb den Partner fürs Leben findet, weil man fleißig parshipt.

Dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die nicht der Mensch allein in seiner Hand hat, sondern eine andere Kraft bestimmt, diskutieren sie in diesen Tagen auch beim VfL. „Warum kriegen wir noch einmal die Chance?“, wollte Verteidiger Moritz Hemkendreis jüngst von seinem Übungsleiter wissen. Ist der Fußball letztendlich eine reine Glaubenssache, wo Wunder dann geschehen, wenn man von ihrer Existenz überzeugt ist?

Bis zur Winterpause führten die Denklinger klar die Tabelle an, dann fielen sie zurück auf Rang drei und hatten nach der einzigen Heimpleite dieser Saison gegen die SpVgg Haidhausen auf einmal alles verloren. Doch dann hielt eine Hand sie fest, bevor sie ins Bodenlose stürzten. Der MTV Berg schuf mit seinem Unentschieden gegen Oberweikertshofen eine aberwitzige Situation. Der VfL kann noch Meister werden, wenn er gegen den Sportclub gewinnt und Haidhausen gegen Großhadern verliert. „Dafür muss es doch irgendeinen Grund geben“, findet Hemkendreis. Man kann daran glauben, wie all die Menschen, die in diesen Tagen zu den Wallfahrtsorten im Oberland pilgern.

Drückt die Daumen: Kommandant Christian Gleich.
Drückt die Daumen: Kommandant Christian Gleich. © JAIS (ARCHIV)

Die Freiwillige Feuerwehr Denklingen trägt den selben Greif im Wappen wie die Fußballer. Christian Gleich verbindet viel mit der Mannschaft, nicht nur das Symbol des Falken. „Das sind meine besten Spezeln“, sagt der 1. Kommandant. Er kennt sie alle von Kindestagen an, als er noch selbst in der Jugend des VfL gekickt hat. Den Tobias und den Simon Ried und all die anderen. Irgendwann stellte sich heraus, dass die anderen ein kleines bisschen mehr Fußballer waren als er, und so beendete er seine Karriere frühzeitig und beschränkte sich darauf, in Zukunft seinen Nächsten in kritischen Situationen zu helfen. Da sich auch die Fußballer in einer schwierigen Lage befinden, hält es Gleich am Samstag nicht zuhause aus. Er hat einen Einsatz in Oberweikertshofen – nicht mit dem Feuerwehrauto, sondern als stimmgewaltiger Fan. „Fußball mit Feuerwehr zu vergleichen, habe ich schon lange nicht mehr gemacht“, gibt er zu. Doch dann fällt es ihm nicht so schwer, den Kickern einen Rat mitzugeben, den er im Notfall auch für seine 60 Aktiven und die zehn Jugendlichen in seinem Verein parat hätte: „Ruhig bleiben, sich fokussieren und die richtige Einstellung zeigen.“

Das ist nicht immer so leicht, vor allem wenn es um Sekunden geht, in Hektik und Hast genau das Richtige zu tun. Gleich war am vergangenen Samstag draußen auf dem Sportgelände am Buchweg. Er hat miterlebt, wie seine Kameraden aus Jugendzeiten alles versuchten, um ihren Traum von der Landesliga zu realisieren, und am Ende doch an diesem einen verflixten Tor gescheitert sind. „Da hat das nötige Quäntchen Glück gefehlt“, sagt er und hofft auf das Wunder an diesem Wochenende. „Wir von der freiwilligen Feuerwehr Denklingen wünschen den Jungs viel Glück.“ Vielleicht helfen sie ja auch alle zusammen. Die Fans aus Denklingen, Apfeldorf, Kinsau und anderswo gemeinsam mit der Feuerwehr – und vielleicht dem lieben Herrgott.

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