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„Schade für alle, aber vernünftig“: Das sagen die Freisinger Vereine zur Saisonunterbrechung

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Die Spielerin vom TSV Haunstetten im roten Trikot klammert und hindert die Handballerin von der HSG Freising-Neufahrn (l.) am Wurf.
Ausgebremst wird Amelie Forkel von der HSG Freising-Neufahrn (l.) nicht nur von ihrer Gegenspielerin vom TSV Haunstetten. Die Entwicklung der Pandemie veranlasste den BHV zu einer Zwangspause im Amateurbereich. © Birgit Gleixner

Auch in den Amateurligen im Landkreis Freising werden die Handballspiele bis 9. Januar ausgesetzt. Der Trainingsbetrieb läuft bei den meisten Vereinen weiter.

Landkreis – Die hohen Corona-Infektionszahlen sorgen auch im Handballsport für eine Unterbrechung. Nach einem Beschluss des erweiterten Präsidiums des Bayerischen Handball-Verbands (BHV) ruht der Spielbetrieb im Amateurbereich – und das mindestens bis zum 9. Januar 2022. Die Vereine zeigen Verständnis für die Zwangspause – doch es gibt auch kritische Stimmen.

Für Ingrid Schuhbauer, BHV-Vizepräsidentin Spielbetrieb, ein alternativloses Vorgehen: „Es hilft ja nichts. Die Zahlen gehen ständig nach oben, die Kontakte sollen beschränkt werden. Da können wir nicht die Vereine durch ganz Bayern tingeln lassen.“ Einen Abbruch soll es jedoch keineswegs geben: „Dafür haben wir gut vorgearbeitet und bei den Jugendlichen sowie bei den Erwachsenen kleinere Staffeln zusammengestellt. Zur Not könnten wir die Runden auch weiter nach hinten verschieben.“ Immerhin: Training bleibe innerhalb der „Vereinsblase“ möglich.

Finanzielle Belastung für die Vereine

„Wir müssen jetzt die nächsten Entscheidungen der Politik abwarten. Ich bin aber guter Hoffnung, dass wir nicht abbrechen müssen“, betont Schuhbauer. Ob es eine komplette oder nur eine einfache Runde geben könne, bleibe abzuwarten. 2G Plus war ebenfalls Thema im Präsidium: „Das wäre eine hohe finanzielle Belastung für die Vereine – und von vielen nicht zu stemmen. Da müssten wir schauen, was wir als Verband an Unterstützung leisten könnten.“

Portraitbild von Jürgen Steinhauer.
Jürgen Steinhauer, SCF-Abteilungsleiter: „Es droht ein strukturelles Problem in allen Sportarten.“ © Birgit Gleixner

Und wie bewerten die Vereinsvertreter die Saisonunterbrechung? Es sei vorherzusehen gewesen, meint Jürgen Steinhauer, Abteilungsleiter beim SC Freising: „Ich verstehe die Entscheidung. In vielen Landkreisen liegt die Inzidenz bei über 1000, dort ist gar nichts erlaubt. Das hätte man kaum organisieren können.“ Trotzdem sei es sehr schade, dass wieder der Amateursport leide: „Es droht ein strukturelles Problem in allen Sportarten.“ Die HSG Freising-Neufahrn habe ein Trainingsangebot für alle Altersstufen mit der 2G-Plus-Regel, solange es erlaubt bleibe, sagt Steinhauer. Mit einer Prognose, ob es Anfang Januar weitergehen kann, tut er sich schwer: „Ich hoffe natürlich, dass die Quote runtergeht. Allerdings sehe ich die Ansteckungsgefahr in einer Riesenhalle als eher gering an.“

„Eine Pause ist auch abseits der Hotspots erstmal alternativlos.“

Für Bastian Winkler, Abteilungsleiter beim SC Eching, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Bedingungen den Amateursport unmöglich machen würden: „Eine Pause ist auch abseits der Hotspots erstmal alternativlos.“ Training sei im Erwachsenenbereich bei den hohen Kosten für die Selbsttests kaum zu leisten. Bei den Jugendlichen, die in der Schule getestet werden, will man beim SCE Einheiten aufrechterhalten: „Das hängt natürlich auch von der Bereitschaft der Übungsleiter ab. Die Erlaubnis dafür ist jedoch ein gutes Zeichen.“

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Die Zeit bis zum 9. Januar zu überbrücken, sei das erste Ziel: „Wie es danach weitergeht, weiß niemand. Die Intensivbetten sind voll, da ist der Spielbetrieb erst einmal nicht im Fokus.“ Wichtig ist für Winkler, dass die Jugend weitermachen könne.

Training geht weiter, solange es möglich ist

„Schade für alle, aber vernünftig“, kommentiert Bettina Kittl, Abteilungsleiterin beim SC Kirchdorf, zur Unterbrechung: „Erst haben wir 2G Plus organisiert, dann ist doch alles vorbei. Das stört ein wenig, dafür kann beim Verband aber keiner was.“ Das Training beim SCK geht so lange weiter wie möglich: „Das ist wenigstens schon mal ein Vorteil im Vergleich zum letzten Jahr.“ Auch Kittl meint, dass eine Fortsetzung aktuell noch gar nicht prognostizierbar sei: „Das liegt sowohl an der Regierung als auch am Verband. Ein Abbruch wäre allerdings extrem tragisch.“ Bei den Erwachsenen seien die Chancen durch die Impfungen höher als bei der Jugend. „Die Hoffnung stirbt zuletzt!“

Lutz-Steffen Schmidt, Trainer des SVA Palzing, ist zwiegespalten: „Sportlich ist es natürlich schade, angesichts der Corona-Pandemie macht es aber Sinn.“ Sich dreimal die Woche testen zu lassen, zweimal als Selbstzahler – das sei kaum leistbar: „Beim Spielbetrieb muss man aber konsequent sein und auch Fußballspiele in vollen Stadien verbieten.“ Angesichts der Trainingspause beim SVA sei ein Start Anfang Januar kaum möglich: „Wir brauchen dafür drei bis vier Wochen Vorlaufzeit. Ich denke aber, dass andere Vereine das gleiche Problem haben.“

Verlagerung in die wärmere Jahreszeit?

Schmidt denkt eher an einen Start Ende Januar – und dann an eine einfache Runde. „Generell könnte man allerdings neue Wege prüfen. Ist der Winter die beste Zeit für Handball? Oder ist eine Verschiebung in die wärmeren Monate angesichts der Pandemie nicht besser?“

Die Handballmänner der SG Moosburg hatten bereits vor der aktuellen Unterbrechung Spielpause. Für Trainer Otto Holländer ein Unding: „Warum wurden die Spiele nicht durchgezogen, bis es nicht mehr ging?“ Generell stellt er das Vorgehen in Frage: „Wir haben jetzt 2G Plus, was soll da passieren? Und in Köln durften 50 000 Leute ein Fußballspiel anschauen.“

Portraitfoto von Otto Holländer.
Otto Holländer, Trainer in Moosburg: „Wir haben jetzt 2G Plus, was soll da passieren?“ © Rainer Lehmann

Besonders schlimm ist es für die Jugend

Der Amateursport habe eine zu kleine Lobby, so Holländer: „Meine Leute sind jedenfalls stinksauer, sie wollten spielen. Besonders schlimm ist es für die Jugend. Wenn es so weitergeht, werden sich einige Nachwuchsabteilungen auflösen.“ Ein Re-Start hängt auch für Holländer von der Entwicklung ab. „Doch immerhin dürfen wir trainieren und wir machen die Einheiten trotz der Kosten für die Tests weiter. Der Sport ist auch in den jetzigen Zeiten einfach sehr wichtig.“

Bernd Heinzinger

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