Interview mit Angelo Vaccaro

Wie Ex-Hachinger "Ange-Gol" einst fast mit Guardiola zusammenkickte

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Unterhaching mit Angelo Vaccaro (l.) brachte Leverkusen 2003 an den Rand einer Niederlage.

Unterhaching - Ex-Hachinger Angelo Vaccaro spricht im Interview über Pokalduelle mit Leverkusen, echte Freundschaften sowie ein Team mit Pep Guardiola und Luca Toni

Im Februar 2003 scheiterte die SpVgg Unterhaching, damals Regionalligist, im Pokal-Viertelfinale an Leverkusen. Heute kommt es zur Neuauflage dieses Duells. Hachings Torjäger vom Dienst hieß damals Angelo Vaccaro, heute 34. Er feierte seine Treffer, indem er unter seinem Trikot ein Shirt mit dem Aufdruck „Ange-Gol“ präsentierte.

Herr Vaccaro, das Shirt mit dem Aufdruck „Ange- Gol“, das einst deutschlandweit bekannt wurde – haben Sie das noch?

Angelo Vaccaro: Aber natürlich! Das liegt bei den Trikots, die ich im Laufe meiner Karriere getauscht habe. Sowas gibt man nicht weg. Ich hatte sogar mehrere Ausführungen. Die ersten waren noch mit Edding per Hand beschrieben, später hatte ich Exemplare mit Aufdruck. Die Idee hatte ich schon früh, in der Jugend beim VfB Stuttgart – und was keiner weiß: Mein Kumpel Kevin Kuranyi war daran nicht unbeteiligt ...

Erzählen Sie bitte.

Vaccaro: Naja, wir waren junge Kerle und hatten große Träume, da haben wir so rumgesponnen. Ich mit meinen italienischen Wurzeln hatte immer ein Auge auf die Serie A. Da gab es damals Gabriel Batistuta – „Batigol“, und da haben wir diese „Ange-Gol“-Idee ausgetüftelt. Ist ja dann so ein kleines Markenzeichen von mir geworden. Kevin hatte sich auch was für sich überlegt, ich weiß aber nicht mehr, was. Naja, er hat sich ja selbst einen Namen gemacht (lacht).

Wie sind Ihre Erinnerungen an Unterhaching?

Vaccaro: Es war die schönste Zeit in meiner Karriere – München ist eine tolle Stadt, und der Verein hat einfach dieses Familiäre, einzigartig. Francisco Copado ist bis heute einer meiner dicksten Kumpels, ich habe in Haching generell viele echte Freunde gefunden. Es ist doch so: Als Fußballer bist du mal zwei Jahre da, zwei Jahre dort. Du verstehst dich mit den Leuten, aber nach einiger Zeit geht alles auseinander. Bei Haching ist das anders: Copado, Sukalo, Omodiagbe, Majstorovic, Grassow, Strehmel – Freundschaften wie diese sind im Fußball etwas Seltenes. Ich war bei zwölf Klubs, habe aus dieser Zeit vielleicht sechs, sieben echte Freunde. Und 99 Prozent davon aus Haching. Da war ein besonderer Geist.

Und wie sind Ihre Erinnerungen an das Duell mit Leverkusen im DFB-Pokal?

Vaccaro: Es war Schneechaos, unglaublich. So, wie du es dir wünscht als Kicker – so eine Stimmung, du wusstest, heute wird es brutal, brutal gut! Leverkusen kam mit dem Team, das drei Monate vorher im Finale der Champions League stand, keine Laufkundschaft: Butt im Tor, Juan, Placente, Schneider, Bastürk, Ramelow, Neuville, später haben die noch Berbatow gebracht – ein Wahnsinnsteam! Aber wir sind unverdient rausgeflogen, im Elferschießen. Ausgerechnet Omodiagbe, unser sicherster Schütze, hatte verschossen. Der hat im Training jeden reingemacht, jeden!

Überwog am Ende der Frust wegen der verpassten Sensation – oder der Stolz auf das Erreichte?

Vaccaro: Erst schon der Frust. Wir waren kurz vorm Halbfinale, da träumst du schon auch von Berlin. In der Nachspielzeit der Verlängerung habe ich meine Fußspitze nicht mehr an eine Flanke heranbekommen, haarscharf, das wäre der Sieg gewesen. Es war aber ein geiles Spiel, eine geile Erinnerung. Das Schicksal wollte es einfach nicht, dass wir siegen.

Das 1:1 an diesem Abend war „Chefsache“: Ange-Gol, 46. Minute ...

Vaccaro: Solche Tore vergisst du in deinem Leben nicht, da kannst du 1000 Jahre alt werden. Abstoß Butt, Sukalo holt sich den Kopfball, Majstorovic passt aus einem Zweikampf in meinen Lauf. Damals war ich noch ein bisschen schneller als heute (lacht), ich also ins Laufduell mit Juan und Zivkovic. Ich schüttel’ sie ab, schieße – flach, rein in die Ecke. Ich habe in den Tagen vor diesem Spiel schon von so einer Aktion geträumt, als Stürmer tickst du einfach so. Es war einer der schönsten Momente meines Lebens.

Schauen Sie das Tor ab und zu auf einer DVD an?

Vaccaro: Damals gab es ja nur Videos. Aber ich habe mir mal eine DVD erstellen lassen, für Bewerbungen. 2010 wollte ich mal nach Dubai, Arabien, da brauchst du sowas. Auf der DVD sind die Pokaltreffer gegen Leverkusen und Rostock, Stichwort „History“. Und auf Youtube sind sie auch noch.

Damals häuften sich die Angebote für Sie, ein Wechsel zu Brescia wäre Ihr Traum gewesen ...

Vaccaro: Ja, aber ich habe mir zwei Mal das Kreuzband gerissen. Im Nachhinein muss ich sagen: Ich wurde nie wieder der Alte. Aber ich bin auch stolz, dass ich überhaupt noch einmal meinen Beruf ausüben konnte. Die Ärzte sagten mir: Das war es, such dir was anderes, du kommst nicht mehr zurück! Ich aber sagte: Jetzt erst recht! Die Schleiferei hat sich dann auch ausgezahlt.

Dennoch platzte der Traum von Brescia, der für Sie besonders war, weil sie mit Ihrem Idol Robert Baggio hätten kicken können.

Vaccaro: Ja, auch Köln und Kaiserslautern wollten mich. Im Spiel gegen Offenbach saßen Brescias Scouts auf der Tribüne, vier Minuten nach meinem 2:1 riss das Kreuzband. Tags darauf waren die Scouts an meinem Krankenbett, sagten, wir bleiben in Kontakt. Aber naja, so ist das Geschäft. Roberto Baggio ist für mich der größte Kicker, den Italien je hatte. Und wie er zu Brescia kam, ist auch faszinierend.

Sie scheinen da ein Experte zu sein ...

Vaccaro: Ja, ich habe alle Bücher über ihn gelesen, alle Dokus gesehen, alle seine Interviews. Er hat sich mit 19 auch mehrfach das Kreuzband gerissen, auch zu ihm sagten die Ärzte: Das wird nix mehr. Gegen Ende seiner Karriere wollte ihn wieder keiner mehr, er trainierte daheim in seinem Dorf, da rief Bresica an, ob er für sie kicken wolle. Er hat sie drei Mal vor dem Abstieg gerettet und sogar bis ins internationale Geschäft geführt. Brescia hatte damals ein Team mit unglaublichen Namen: Luca Toni war da – und auch ein gewisser Pep Guardiola . . .

Dann hätten Sie beinahe mit Guardiola in einem Team gespielt?

Vaccaro: Ja, das wäre im Nachhinein doch eine Megageschichte: „Ange-Gol“ aus Haching an der Seite von Pep Guardiola (lacht). Leider wurde es nix.

Sie waren noch in Ungarn, später in Sorrento/Italien. Jetzt sind Sie Manager und auch noch Standby-Profi beim FC Homburg.

Vaccaro: Ja, wir wollen wieder nach oben kommen. Ich bin ein positiv Verrückter und habe Träume. Manchmal glaube ich, unserer talentierten Truppe fehlt einfach nur so ein Typ wie es Strehmel war, der im Training auch mal hinlangt, aber später in der Kabine mit einem lockeren Spruch wieder alles auf die Reihe bringt. Ich bin ein Fußballromantiker, von der alten Schule, und bedauere es ab und zu, dass generell die Typen ausgehen. Alle tragen Krawatte, alle wissen, was sie zu sagen haben. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Alles super Fußballer – aber die Typen von früher, die fehlen mir hin und wieder.

Als Fußballromantiker – wie lautet ihr Tipp für Haching gegen Leverkusen?

Vaccaro: Max Nicu ist ein Kumpel von mir, ich drücke Haching natürlich die Daumen. Es wird schwer, aber das war es damals auch. Man muss träumen dürfen, das ist oft der wichtigste Antrieb im Fußball.

Quelle: fussball-vorort.de

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