Schmitt: „Sehe uns auf Augenhöhe“

Mittelfeldmotor: Dominik Schmitt (im schwarzen Trikot) war lange Kapitän und Kopf des SV Heimstetten. Ab der kommenden Saison unterstützt er Coach Rainer Elfinger als Co-Trainer. foto: dieter michalek

Heimstetten - Der SV Heimstetten hat eine ziemlich verkorkste Bayernliga-Saison mit keiner geringeren Errungenschaft gerettet als dem Aufstieg in die Regionalliga Bayern.

Der Münchner Merkur sprach mit dem langjährigen Kapitän und neuen Co-Trainer Dominik Schmitt über eine emotionale Achterbahnfahrt und über die kommende Saison, auf die sich der Klub bereits vom kommenden Montag an vorbereitet.

-In der vergangenen Saison in letzter Sekunde dem Abstieg entronnen, heuer erst in der Relegation den Aufstieg perfekt gemacht. War das die turbulenteste Saison Ihrer Karriere?

Ich kenne das beim SV Heimstetten nicht anders. Fünf Jahre bin ich nun dabei, langweilig war es nie. Das ist für uns Spieler auch genau richtig so. Aber ich glaube, gerade einige ältere Fans hätten es lieber ruhiger. Und ich muss zugeben: Als mein Bruder Christoph im Elfmeterschießen gegen Landshut gepatzt hat, war das auch für mich ganz schön krass. Ich dachte, das war’s, das war mein letztes Spiel. Das hört sich jetzt komisch an, aber da ist meine ganze Laufbahn vor dem inneren Auge abgelaufen. Wahnsinn!

-Der SVH hat es dann doch geschafft und trifft jetzt auf ein Dutzend Profi-Reserven. Das wäre doch ein Schmankerl. Sie bereuen sicher Ihren Rücktritt, stimmt’s?

Gar nicht. Ich bin jetzt 30 und habe schon in der abgelaufenen Spielzeit den berufsbedingten Trainingsrückstand deutlich gemerkt. Ich habe immer von meiner Fitness gelebt und wenn die nicht mehr da ist, macht das auch keinen Sinn. Dass wir aufgestiegen sind, war wichtig und für mich ein toller Abschluss. Und ganz ehrlich: Der Körper dankt es einem auch, wenn man kürzer tritt.

-Spitzenteam, Niederlagenserie, Trainerrauswurf, Siegesserie unter dem neuen Trainer, wieder Niederlagenserie - bis zur Relegation war das eine Berg- und Talfahrt, wie es sie selten gibt im Fußball. Woran lag das?

Das Potenzial war sicher immer da. Im Aufstiegsjahr unter Trainer Vitomir Moskovic, den der Verein übrigens meiner Meinung nach nicht hätte entlassen dürfen, hatten wir sehr viele Wasserträger, die sich ohne Murren auch mal auf die Bank gesetzt haben. Das war heuer anders. Für Claus Schromm war es die erste Station im Herrenbereich und er hat vielleicht auch Fehler gemacht, aber das ist normal. Sein Pech war einfach, dass es zu viele Egoisten gab.

-Rainer Elfinger brachte dann zunächst den gewünschten Impuls, vier Spiele in Folge gewann der SVH. Doch dann ging es wieder steil bergab. Warum?

Ich glaube wirklich, dafür war hauptsächlich die Winterpause verantwortlich. Die kam für uns denkbar ungelegen. Das Problem mit den zu vielen Häuptlingen bestand aber natürlich auch noch und dazu haben wir - wie schon vor der Winterpause - zu viele Chancen liegengelassen und zu viele dumme Gegentore kassiert.

-War Sascha Steinacher so etwas wie der Unruheherd? Nach seiner Suspendierung präsentierte sich das Team in der Relegation wieder als echte Einheit.

Das war tatsächlich so. Sascha ist kein einfacher Spieler. Aber ich muss ihn auch in Schutz nehmen. Als er oder ich aus der Jugend kamen, herrschte noch ein viel schärferer Umgangston. Heute lassen sich die jungen Spieler nichts mehr sagen. Sie ziehen sich zurück und bekunden höchstens gegenseitig ihren Unmut. Saschas Fehler war, dass er das nicht erkannt hat. Aber seine Leistung hat er ja gebracht und vielleicht wären wir mit ihm genauso aufgestiegen.

-Die Regionalliga hat es in sich. Ist das die neue Heimat des SVH? Viele sehen den Verein dauerhaft eher ein Stockwerk tiefer.

Das Ziel ist natürlich der Klassenerhalt. Und es sind außer uns neun weitere Vereine aus der Bayernliga dabei und einige Landesligisten. Da sehe ich uns auf Augenhöhe, wenn wir uns noch verstärken können. Orhan Akkurt geht ja nach Pullach, Quirin Moll zu Haching und ich höre auf. Diese Positionen, also Stürmer, Sechser und Zehner, waren bei uns nicht ganz unwichtig und sind noch nicht alle adäquat ersetzt.

-Rainer Elfinger spricht gerne von Schubladen, die Mannschaft soll auf die Spielweise des Gegners reagieren und das geeignete Mittel wählen. Ist das auch ein Ziel, das Spiel variabler zu machen?

Ja, sicher. Aber vier Wochen Vorbereitung sind sehr kurz. Und auch das hängt von dem Spielermaterial ab. Wie gesagt, da besteht noch Handlungsbedarf.

Das Gespräch führte

Matthias Vogel.

Quelle: fussball-vorort.de

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