Schromm: "Harakiri kann nicht die Lösung sein"

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Claus Schromm will Präsident Manni Schwabl unterstützen.

SpVgg Unterhaching - Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht Claus Schromm über die Ziele der SpVgg und sein Verhältnis zu Trainer Manuel Baum.

SpVgg Unterhaching - Die SpVgg Unterhaching ist mit einem 1:3 in Darmstadt in die Rückrunde der Dritten Liga gestartet. Claus Schromm (44) spricht im Interview über die Ziele der Rot-Blauen und erklärt, wieso er ab sofort nicht mehr als Teil des Trainer-Duos mit Manuel Baum, sondern als Sportchef tätig ist.

Herr Schromm, wie kam es, dass Sie ab jetzt als Sportchef arbeiten?

Manuel und ich, wir haben uns einfach zerstritten (lacht) – nein, im Ernst: Die Idee ist über einen längeren Zeitraum gereift, und irgendwann sagte Präsident Manfred Schwabl in einem Nebensatz – Nebensätze sind bei ihm oft besonders zu beachten, weil auch in denen viel Gewicht steckt –, dass es diese Möglichkeit gäbe. Ich habe mit meiner Familie gesprochen, dann war für mich schnell klar, dass ich das machen möchte. Ich fühle mich bei diesem Klub pudelwohl, komme ja aus der Region, identifiziere mich voll mit den Inhalten und möchte das Projekt gern in neuer Funktion langfristig begleiten.

Es gab Skeptiker, die schon zu Beginn Ihrer Zusammenarbeit sagten: So ein Trainer-Duo, das klappt nicht – für die ist diese Aufspaltung Bestätigung.

Die Leute sollen sagen, was sie wollen. Fakt ist: Wir ziehen hier alle weiter an einem Strang. Und Fakt ist auch: Der Präsident brauchte Unterstützung. Ich habe mich jetzt erst so weit es in der relativ kurzen Zeit geht in die Materie reingearbeitet und muss sagen, unser Präsident hat bisher so viel allein bewältigt, dass man den Hut ziehen muss, dass er überhaupt noch da ist. Wir schaffen durch die Umstrukturierung neue Ressourcen, von denen der ganze Verein profitieren wird. Für Manuel ist das so auch eine gute Lösung, weil er sich auf dem Fußballfeld superwohl fühlt. Das ist sein Platz, da will er sich verwirklichen.

Gibt es keine Probleme mit dem Verband?

Sie waren ja derjenige in dem Duo, der mit dem Fußball- Lehrerschein das Kriterium erfüllt hatte, einen Drittligisten coachen zu dürfen. Nein. Manuel hat sich beim Verband schlau gemacht. Er absolviert ja gerade den entsprechenden Lehrgang, und wenn jemand die Ausbildung begonnen hat, gilt das bereits.

Wie gut sind Sie auf Ihre neue Rolle vorbereitet?

Ich habe schon während meiner Verbandstrainer-Tätigkeit ein Fernstudium an der Uni Düsseldorf gemacht, um mich breiter aufzustellen. Mir hat Ernst Tanner beim TSV 1860 immer imponiert, vielleicht kann ich diese Funktion auf ähnliche Art ausfüllen.

Wie lauten denn konkret Ihre neuen Aufgaben?

Die ersten Anfragen von Spielern landen nun zum Beispiel alle bei mir, und ich filtere aus. Die Kommunikationswege sollen auch für Externe ersichtlich sein. Nach Gesprächen mit den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle versuchen wir gemeinsam, Abläufe zu optimieren. Wir stimmen alles weiter miteinander ab, die Führung um den Präsidenten, Cheftrainer Baum und ich.

Was sind die größten Herausforderungen für die nahe und ferne Zukunft?

Das würde ich jetzt sogar gerne übergeordnet formulieren: Die DFL, der DFB, wir alle sind aufgefordert, diese 3. Liga finanzierbar zu machen. Viele versuchen es mit Harakiri, aber das kann ja nicht die Lösung sein. Wir versuchen es mit unserem Jugendkonzept, das ist ein Weg, für den wir stehen. Aber es ist ja bekannt, dass auch uns die Finanzierung nicht leicht fällt.

Einige behaupten, Ihr Konzept habe inzwischen den Mangel, dass viele Talente nur für sich statt für das Team spielen, um Beratern und Scouts oben auf der Tribüne zu gefallen.

Wenn man die Mannschaft so anschaut, fühlen sich alle pudelwohl und haben alle das Ziel, mit Haching aufzusteigen. Bis jetzt sehe ich keine Notwendigkeit, einzuschreiten. Unser nächster Schritt ist natürlich, dass 80 Prozent in unserem Kader bleiben. Wir haben ja gute Argumente: Unsere Ausbildung, der Standort München – ein Sandro Kaiser hatte viele Angebote und ist dennoch jetzt bei uns am Ball. Und eines stellen wir immer wieder fest: Egal, wo wir hinkommen, jeder sagt: Toll, wie ihr arbeitet – wie schafft ihr das alles? Uns schlägt in ganz Deutschland immer mehr Respekt entgegen. Das wird sich auszahlen, ganz sicher.

Wie fällt denn generell das Fazit der Hinrunde aus – und was sind die Lehren für die zweite Halbserie?

Die Situation ist mit der aus der letzten Saison vergleichbar. Wir können mit allem umgehen – positiv wie negativ. Bei einer jungen Mannschaft geht es den Spielern bei guten Phasen eben manchmal zu gut, gleichzeitig muss man als sportliche Führung auch Ruhe bewahren, wenn es mal nicht gut läuft. Wir haben nie Druck ausgeübt. Zudem haben wir im Winter mit zwei Neuzugängen dafür gesorgt, dass in der Rückrunde noch ein bisschen mehr Erfahrung in unseren Kader einfließt.

Was erwarten Sie konkret von Sandro Kaiser und Florian Heller?

Beide haben eine enorme Erfahrung und werden uns in der Offensive weiterhelfen. Heller war bei Mainz, Ingolstadt, Fürth, Erzgebirge Aue – der hat viel erlebt in höheren Ligen. Mit seinen 31 Jahren soll er hier Führungsaufgaben übernehmen. Er kam aus Rosenheim, aus der Region und passt 100-prozentig zu uns. Sandro war bei 1860 und in Bielefeld, zuletzt hat er sich bei uns fitgehalten. Ich bin froh, dass er uns verstärkt.

Quelle: fussball-vorort.de

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