Zuckerl aus einer anderen Welt

Schwabl: "Haben sehr gute Werbung für uns gemacht"

SpVgg Unterhaching - Die SpVgg Unterhaching hat im Pokal Sympathien gesammelt – nun geht es darum, daraus Kapital zu schlagen

 Am Dienstagabend hat man in Unterhaching selbst lange nach dem Abpfiff des DFB-Pokal-Achtelfinals gegen Bayer Leverkusen noch Steherqualitäten gebraucht. Weit nach Mitternacht erst verließen die letzten Gäste das VIP-Haus, trotz der 1:3-Niederlage war es ein Abend, den man auskosten wollte. „Wir haben mit diesem Spiel eine sehr gute Werbung für uns gemacht“, sagte Manfred Schwabl. „Wir können stolz sein: Auf die Mannschaft, das Stadion, die Fans, den ganzen Ort. Das macht Lust auf mehr“, so der Präsident.

„Das war ein richtiges Zuckerl“, sagte Markus Einsiedler über das Spiel, und während Thomas Steinherr sinnierte, dass er wohl „noch nie gegen einen so starken Spieler wie Karim Bellarabi“ angetreten ist, gab der Torschütze zum 1:0 Einblicke in seine Gefühlswelt unmittelbar nach dem Treffer. „Da war ich in einer anderen Welt“, berichtete Maximilian Bauer.

Verknappt man Einsiedler und Bauer, bleibt für Haching ein Zuckerl aus einer anderen Welt – doch Süßes kann ja süchtig machen, und so versuchte Schwabl bereits in den Stunden nach dem Abpfiff fleißig, Kapital aus dem schönen Erlebnis und dem Fakt, dass man im DFB-Pokal erneut Sympathien gesammelt hat, zu schlagen. Es war ja interessant, dass plötzlich wieder 12 500 Menschen in den Sportpark kamen und eine Stimmung herrschte wie zu Erstligazeiten. „Das war ein Ausrufezeichen, dass Unterhaching lebt – und wenn wir die Strukturen so hinkriegen, dass es passt, muss der Profifußball damit rechnen, dass wir wieder angreifen.“

Allerdings bedarf es dafür freilich weiter viel Arbeit abseits des Platzes. 935 000 Euro spülte das Achtelfinale in die Kasse, ein Teil davon wird als Prämie an die Mannschaft und die Trainer weitergeleitet, der Rest fließt in den Prozess der Konsolidierung. Hinter den Kulissen wird an neuen Strukturen gearbeitet, mit einem strategischen Partner befindet man sich in guten Gesprächen. Allerdings gibt es auch Zweifler am Kurs, die es gilt, in den nächsten Wochen einzufangen. Claus Schromm schnappte sich nach der Analyse der Partie auf der Pressekonferenz noch einmal extra das Mikro, um seinem Lob für den Regionalligisten („haben eine geile Truppe, können uns auf die Zukunft freuen“) einen „Wunsch zu Weihnachten“ loszuwerden: „Wir sind es alle dem Verein schuldig, in der Rückrunde gemeinsam an einem Tisch die besten Entscheidungen für die Zukunft des Klubs zu treffen – dann können wir die Mannschaft halten, und dann geht es in die richtige Richtung, da bin ich ganz sicher.“

Eine Botschaft, die ganz im Sinne des Präsidenten ist, der die Unruhe im Umfeld mit einer Mischung aus Gelassenheit und Unverständnis betrachtet. „Der Verein muss doch immer im Mittelpunkt stehen – jeder ist willkommen, der helfen möchte. Aber wir brauchen insbesondere finanziell einen strategischen Partner, wenn wir was auf die Beine stellen wollen. Die Basis passt, das hat man doch jetzt gegen Leverkusen wieder gesehen – und auf der Basis müssen wir aufbauen.“ Schwabl selbst geht sogar so weit, im Zweifel den Posten als Präsident zu räumen, wenn sich jemand findet, der im Sinne des Vereins agiert. „Ich hätte kein Problem damit, wieder ins zweite Glied zu gehen und mich nur mehr ums Sportliche zu kümmern. Das habe ich ja schon mehrfach betont.“

Zumal, wenn es läuft wie zuletzt: Man überwintert als Tabellenvierter, und der Stolz aus den Pokal-Coups ist eine gute Triebfeder. „Wir haben stark gespielt, das hatte mit Regionalliga nichts mehr zu tun“, sagte Bauer. „Es war mal geil, gegen solche Wahnsinnsspieler zu spielen“, meinte Steinherr. Ein großes Lob gab es auch vom Gegner. „Ich wünsche der SpVgg Unterhaching, dass sie bald aufsteigt – sie gehört weiter nach oben im deutschen Fußball“, sagte Stefan Kießling. Nach solchen Worten kann man eine Niederlage ruhig auch mal länger feiern – länger sogar als so manchen Sieg.

Quelle: fussball-vorort.de

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