Die SpVgg-Macher erklären den Hachinger Weg

Schwabl und Schromm wollen zurück in den Profibereich

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SpVgg Unterhaching - Der Abschied aus dem Profifußball ist für jeden Verein ein einschneidendes Ereignis. Doch trotz gesunkener Einnahmen investiert die SpVgg Unterhaching noch mehr in den Nachwuchs. Manni Schwabl und Claus Schromm erklären hier, warum es für sie keinen anderen Weg gibt.

Manni Schwabl, Claus Schromm, nach 20 Jahren in den Profiligen spielt die SpVgg Unterhaching seit Sommer erstmals wieder im Amateurbereich. Sind Sie inzwischen auch vom Kopf her in der Regionalliga Bayern angekommen?   Schwabl: Für unsere derzeitigen Strukturen ist die Regionalliga sicher die richtige Liga, wir haben großen Respekt, nehmen die Spielklasse an. Auch in Schalding musst du erst einmal gewinnen. Hier wollen wir uns konsolidieren und Strukturen schaffen, die es uns ermöglichen, wieder in der 3. oder 2. Liga anzukommen.   Schromm: Wir sind deshalb aber nicht zu Feierabendfußballern geworden, wir arbeiten weiter professionell, alles andere würde keinen Sinn machen, wenn man ein aufwändiges Nachwuchsleistungszentrum betreibt. Bei dem Aufwand musst du wieder rauf, die Frage ist, wann.    Der Fokus bleibt auf der Ausbildung, Sie arbeiten im Nachwuchs weiter mit hauptamtlichen Trainern. Ist das finanzierbar für einen Viertligisten?   Schwabl: Wir haben gegen den Trend den Nachwuchsbereich sogar noch mal aufgewertet, indem wir zusätzlich weitere hauptamtliche Trainer eingestellt haben. Unsere Sorge nach dem Abstieg war, dass wir vielleicht nicht mehr so attraktiv sein könnten für Talente. Bisher aber gibt es keine Auswirkungen, im Gegenteil, mit Tim Schels und Orestis Kiomourtzoglou haben zwei unserer größten Nachwuchshoffnungen ihren Vertrag bis 2018 verlängert. Das ist auch ein Signal.   Ihr Argument war ja immer, bei Unterhaching könnten sich Talente schon in jungen Jahren bundesweit in der 3. Liga präsentieren. Das fällt nun weg.   Schwabl: Dafür konnten wir die Mannschaft noch weiter verjüngen. Vielleicht ist es sogar für die Entwicklung besser, ohne den großen Druck, den ein beinharter Abstiegskampf Jahr für Jahr mit sich brachte, schon mit 16, 17 im Herrenbereich zu spielen.   Schromm: Wir haben jetzt fünf A-Junioren fest im Kader der Ersten, zudem werden immer wieder weitere ins Training integriert.   Das heißt aber nicht, dass Sie die Rückkehr in den Profifußball gar nicht anstreben?   Schwabl: Natürlich wollen wir mittelfristig wieder rauf, aber das erfordert Geduld. Wir müssen erst die wirtschaftlichen Voraussetzungen schaffen, um in der 3. Liga ohne uns zu verschulden überleben zu können.   Mit einem finanzstarken Sponsor?   Schwabl: Ein Sponsor will einen Gegenwert, den können wir in der Regionalliga wegen der geringen TV-Präsenz kaum bieten. Aber unsere Lage im Münchner Süden gibt mehr her, für einen strategischen Partner könnte es interessant sein, den Weg mit uns zu gehen. Darum kämpfen wir, dafür sehe ich derzeit auch ganz gute Perspektiven.   Wie sieht dieser Weg aus?   Schwabl: Wir werden kontinuierlich die Entschuldung vorantreiben, wollen irgendwann aus einer schwarzen Null heraus arbeiten können, wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen. . .   Schromm: . . .und wir wollen noch mehr in die Jugend investieren, mit guter Ausbildung Talente aus der Region in den höherklassigen Fußball führen. Bei uns kann auch schon mal ein B-Jugendlicher mit der ersten Mannschaft trainieren, als A-Junior fest in den Kader rücken.    Kritiker sagen, das ohnehin knappe Geld wäre sinnvoller angelegt, würde man mit erfahrenen Spielern konsequent die sofortige Rückkehr in den Profibereich anstreben.   Schwabl: Das ist nicht unsere Welt. In der 3. Liga kannst du auch kein Geld verdienen, das beginnt wegen der Höhe der TV-Gelder erst ab der 2. Liga. Was bringt uns kurzfristiger Erfolg? Wir wollen nachhaltig arbeiten, Identifikation schaffen, einen Verein haben, der lebt. Dafür braucht man aber einen Cheftrainer, durch den das Nachwuchskonzept stimmig wird. Den haben wir mit Schromm.   Dennoch haben Sie kurz nach Saisonstart mit Max Nicu einen 32-jährigen Ex-Profi geholt.   Schwabl: Der Max ist hier groß geworden, hat einst schon als A-Junior unter Schromm trainiert, seine Eltern leben hier. Er passt einfach hundertprozentig zu uns, auch ins Gehaltsgefüge. Er sieht hier auch für später eine berufliche Perspektive.   Wie wichtig ist so ein erfahrener Mann für die junge Truppe?   Schromm: Max ist nicht nur im Spiel, vor allem auch im Training ein Vorbild für die Jungen, von ihm können sie sich in jeder Einheit viel abschauen und viel lernen.    Um dann gewinnbringend verkauft zu werden?   Schwabl: Der Verkauf von Voglsammer vor einem Jahr war überlebenswichtig, hat uns aber sportlich die Liga gekostet. Wir brauchen das Geld aus Transfers. Unser Ziel ist natürlich, irgendwann nicht mehr unsere größten Talente abgeben zu müssen.   Dass in Unterhaching gut ausgebildet wird, zeigen Spieler wie Haberer oder Hufnagel, die in der 2. Liga Fuß gefasst haben.   Schwabl: Auch ein Widemann hat in Heidenheim schon seine ersten Zweitligaeinsätze, ein Niederlechner spielt nun bei Mainz in der Bundesliga. Das ist eine klare Botschaft: Auch über Unterhaching kannst du es schaffen, das hilft uns natürlich.   Im Kampf um die besten Talente steht man in harter Konkurrenz zu Bayern und 1860. . .   Schromm: Dass wir als Konkurrenz wahrgenommen werden, ist ein Kompliment für unsere Arbeit. Früher waren wir nur Auffangstation für die Jungs, die es bei Bayern oder Sechzig nicht geschafft haben. Das hat sich geändert.   Haching aber ist in den höchsten Ligen bei A-, B- und C-Junioren nicht mehr vertreten. Ein Nachteil?   Schromm: Die U17 hätten wir schon gerne wieder in der Bundesliga, aber da bleiben wir relaxed. Ein B-Junior profitiert auf Dauer mehr, wenn er mit den Profis trainiert.    Schwabl: Unser Ziel ist, mit unseren Jugendteams stabil in den höchsten Ligen dabei zu sein. Und wenn wir weiter so arbeiten, werden wir es automatisch schaffen. Unsere starken Jahrgänge kommen erst.    Demnächst müssen Sie sich mit Ihrem Konzept bei der Jahreshauptversammlung den Mitgliedern stellen. Sind Sie überzeugt, dass es alle mittragen?   Schwabl: Wenn ein anderer den Präsidenten macht, dann arbeite ich auch gerne als sportlicher Leiter weiter. Vorausgesetzt, wir bleiben auf unserem Weg der Jugend und der Identifikation mit der Region. Sportlicher Erfolg der 1. Mannschaft darf nicht zu Lasten des Nachwuchses gehen. Ich stehe für Nachhaltigkeit, nicht für den schnellen, aber kurzfristigen Erfolg, der auf tönernen Füßen basiert.   Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter kosmport@t-online.de.

Quelle: fussball-vorort.de

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