Haching-Präsident im großen Interview

Schwabl: "Vielleicht mal wieder 2. Liga"

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Haching-Präsident Manni Schwabl jubelte nach dem Sieg gegen Leipzig ausgelassen.

SpVgg Unterhaching - Haching-Präsident Manni Schwabl spricht im großen Merkur-Interview über die Auswirkungen der Pokalsensation und die Lage im Sportpark allgemein.

Nach der Pokalsensation gegen RB Leipzig (3:0) äußert sich Präsident Manni Schwabl zur Lage bei der SpVgg Unterhaching.

Welchen Stellenwert hat der Pokalsieg für die SpVgg Unterhaching?

Ich habe Reaktionen aus ganz Fußball-Deutschland bekommen. Man sieht, dass doch noch genau geschaut wird, was Haching so treibt. Neben dem finanziellen Gewinn ist natürlich der Imagegewinn enorm. Haching lebt! Nach dem Sieg gegen Ingolstadt hat die Mannschaft gegen Leipzig wieder ein Ausrufezeichen gesetzt.

Welche finanzielle Bedeutung hat das Erreichen des Achtelfinales?

Es beschleunigt unseren Konsolidierungskurs. Nicht mehr und nicht weniger. Wir wollen irgendwann mal wieder auf die schwarze Null kommen. Wenn wir das geschafft haben und die Strukturen dann wieder professioneller werden, kann man sich wieder nach oben orientieren. Die Pokalerfolge beschleunigen diesen Prozess natürlich.

Inwieweit kann mit den Einnahmen dem Wunsch von Trainer Claus Schromm entsprochen werden, die Mannschaft über die Saison hinaus zu halten?

Das war in den letzten Jahren aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einfach nicht machbar. Jetzt versuchen wir, die Mannschaft zusammenzuhalten und punktuell ohne großen Umbruch zu verstärken. Wenn ich sehe, wie das Team zusammenhält, dann zeigt mir das einen guten Charakter. Der Fokus liegt auf dem nächsten Jahr. Das ist in dieser Saison wie ein Schaulaufen. Es haben sich dafür bisher sehr viele Spieler hervorgetan.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, die Mannschaft diesmal zusammenzuhalten?

Das ist immer eine Frage der finanziellen Rahmenbedingungen. Die meisten Spieler haben bei uns längerfristige Verträge. Darauf arbeiten wir hin. Wenn dann mal ein gutes Angebot von einem anderen Verein kommt, muss man sich immer zusammen an den Tisch setzen. Solange wir in der Regionalliga oder in der 3. Liga spielen, können wir mit den geringeren Fernsehgeld-Einnahmen gegenüber Spitzenklubs nicht mithalten. Aber ich denke schon, dass wir jetzt stabiler sind und beim erstbesten Angebot einen Spieler nicht gleich gehen lassen müssen. Ich sehe die Chancen, die Mannschaft zu halten, bei weit über 50 Prozent. Das war die letzten Jahre – wie gesagt – nicht so der Fall.

Wann kehrt Haching in den Profifußball zurück?

Dieses Jahr dient zur Konsolidierung und zum Aufbauen einer Mannschaft. Ich denke schon, dass wir in den nächsten zwei Jahren wieder angreifen werden. Ab nächster Saison wollen wir schon das Ziel ausgeben, in die 3. Liga zurückzukehren. Aber solange die Aufstiegsregelung wie jetzt ist, dass man als Meister der Regionalliga Bayern nicht direkt aufsteigt, muss man Geduld haben. Wenn wir die Mannschaft halten können, werden wir aber diesen Plan konsequent verfolgen.

Ist das angesichts der angesprochenen Aufstiegsregelung nicht ein sehr hohes Ziel?

Schon. Aber ich kann nach einer erfolgreichen Saison ja nicht vorgeben, im nächsten Jahr noch einmal im Mittelfeld spielen zu wollen. Und außerdem bleibe ich dabei: Neben dem sportlichen Anspruch muss das wirtschaftliche Gerüst da sein, um wieder über eine Rückkehr in die 3. Liga zu reden. So weit sind wir aktuell noch nicht.

Inwieweit ist geplant, die jüngsten Einnahmen auch in die Jugend zu investieren, so dass diese Teams bald wieder in den Bundesligen spielen?

Der Wiederaufstieg in eine Jugend-Bundesliga ist nur eine Frage der Zeit, wenn man weiterhin Gas gibt, wie wir es jetzt tun. Da lassen wir uns nicht aus der Ruhe bringen. In der U17 und U19 ist aber schon das Ziel, dass wir in den nächsten zwei Jahren wieder ganz oben spielen.

Wie stehen Sie gegenüber den anstehenden Präsidiums-Neuwahlen?

Grundsätzlich ist das eine Entscheidung der Mitglieder. Ich habe weiterhin Lust, wenn der bisherige Weg weiter verfolgt wird. Ich stehe für diesen Weg. Wenn es Gegenkandidaten gibt, die einen anderen Weg einschlagen wollen, welchen die Mitglieder besser finden, dann bin ich auch nicht böse. Das ist eine demokratische Entscheidung.

Wie darf man Ihre nüchterne Haltung gegenüber einer möglichen Abwahl verstehen?

Ich stehe weiter zum aktuellen Weg, den ich auch durchziehen möchte. Der Weg unter mir heißt: wirtschaftliche Vernunft und Investieren in die Jugendarbeit. Eine Rückkehr in die 3. Liga natürlich und in sechs bis sieben Jahren vielleicht mal wieder in die 2. Liga zurückzukehren. Der Vorteil bei uns ist ja, dass es die Infrastruktur hergibt. Wir könnten in diesem Sinne bis zur 2. Liga spielen. Aber das muss alles nachhaltig sein und kein Harakiri.

Inwieweit haben die vergangenen Monate mit dem Drittliga-Abstieg sowie dem folgenden durchwachsenen Regionalliga-Start auf der einen und den Pokalsiegen auf der anderen Seite Ihre Motivation für eine weitere Kandidatur beeinflusst?

Pokalsiege wie gegen Ingolstadt oder zuletzt gegen Leipzig sind natürlich absolute Highlights. Es gibt wie in Firmen schöne, und weniger schöne Momente. Die Pokalsiege und vor allem die Art und Weise, wie die Mannschaft spielt, das gehört zu den schönen Momenten. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit unseren Trainern, die den Nachwuchs stark fördern. Es ist ein ganz wichtiger Punkt, dass Claus Schromm (Trainer der SpVgg; die Red.) und ich gleich ticken und die gleiche Einstellung haben. Es bringt uns nichts, wenn ich den Weg vorgebe und der Trainer will das gar nicht. All diese Highlights motivieren mich schon wahnsinnig, weiterzumachen.

Interview: Robert M. Frank

Quelle: fussball-vorort.de

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