Fußball

Der Schwaiger Meistermacher tritt ab

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Völlig losgelöst: Schwaigs Fußballchef Anton Scheckenhofer (l.) nach dem Schlusspfiff in Habach. Sein Club ist erstmals in seiner 108-jährigen Geschichte in die Bezirksliga aufgestiegen.

Er hat sie von der A-Klasse an die Spitze der Bezirksliga geführt. Nach zehn Jahren als Fußballchef des FC Schwaig gibt Anton Scheckenhofer sein Amt an Wolfgang Lang ab.

Schwaig – Seit zehn Jahren ist Anton Scheckenhofer Fußballabteilungsleiter des FC Schwaig. Mit ihm stieg der Verein in die A-Klasse ab – um dann bis in die Bezirksliga durchzustarten und zum erfolgreichsten Fußballverein im Landkreis aufzusteigen – so sagt es auch die Tabelle. Jetzt zieht sich der 55-Jährige zurück. Das hatte er bereits vor zwei Jahren bei der Generalversammlung angekündigt. Zwar können die für 6. Januar anberaumten Neuwahlen wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden, doch mit Wolfgang Lang, seinem bisherigen Stellvertreter, hat er bereits einen Nachfolger gefunden, der nun die Geschäfte übernimmt. Wir sprachen mit dem scheidenden Fußballchef.

Herr Scheckenhofer, warum hören Sie auf?

Es kommt ja nicht überraschend. Ich habe es vor zwei Jahren bereits angekündigt. Es ist ein brutal anstrengender Job. Du bist permanent auf Achse, immer am Verhandeln mit Spielern, bei jedem Spiel dabei. Das ist ein Fulltime-Job, der wirklich an die Substanz geht. Der sportliche Erfolg kostet Kraft.

Wie viele Stunden pro Woche sind Sie für den Verein unterwegs?

Das kann man pauschal nicht sagen.

Weil es ja stressigere und ruhigere Zeiten gibt?

Ruhige Zeiten gibt’s gar keine. Kaum hast du die Vorbereitung geplant, musst du dich schon wieder um die Hallenturniere kümmern. Dann kommt das Trainingslager. Und so geht es die ganze Zeit weiter.

Das Gute darin: Sie waren bei vielen schönen Erlebnissen dabei. Was sind Ihre Top Drei?

Sportlich gesehen sind es wohl die drei Aufstiege. Ganz besonders waren für mich aber auch die beiden Derbysiege gegen Eitting und Moosinning. Gegen Eitting, weil sich niemand mehr an einen Punktspielsieg erinnern konnte. Gegen die Moosinninger, weil sich niemand erinnern konnte, ob wir überhaupt einmal ein Punktspiel gegen sie hatten. Sehr gefreut hat mich auch, dass uns die Leser des Erdinger Anzeiger bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres auf Platz zwei gesetzt haben. Diese Wertschätzung und auch die Preisverleihung mit dem Elfmeterschießen, bei dem auch Stefan Lex dabei war – das war schon super.

Es gab auch bittere Momente.

Der Unfalltod von Franz Hellinger war für alle furchtbar. Auf sportlicher Ebene war der Abstieg in die A-Klasse bitter. Ausgerechnet im 100. Vereinsjahr mussten wir runter. Aber damals hat mir Pero (Knezevic, der damalige Trainer, die Red.) gesagt: ,Kopf hoch! Wir nehmen jetzt nur einen längeren Anlauf.’ Ich hätte es mir dennoch leicht machen können und nach zwei Jahren aufhören können.

Aber?

Ich habe einen anderen Weg gesucht. Wir haben ein paar Münchner Fußballer geholt. Das war der Schlüssel zum Erfolg. Mit ihnen haben wir die Zeit überbrückt, bis unsere Schwaiger Talente so weit waren beziehungsweise von anderen Vereinen zurückkamen.

Was war Ihre undankbarste Aufgabe?

Nach drei Aufstiegen innerhalb von sieben Jahren musste ich Pero sagen, dass es nicht mehr mit ihm weitergeht. Er war damals sehr enttäuscht und verbittert. Für mich war das auch schwer, weil sich eine Freundschaft entwickelt hat.

Der FC Schwaig steht, rein sportlich gesehen, so gut da wie noch nie in seiner langen Geschichte. Was sind die Gründe dafür?

Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Trainer, der mit den Verstärkungen aus München dafür gesorgt hat, dass wir da unten rauskommen. Damit wurden wir interessanter für andere Spieler. Dann haben wir unsere Schwaiger Fußballer zurückgeholt, und mit ihnen kamen auch deren Kumpels, Leute wie Hannes Empl oder Daniel Fichtlscherer, die in Erding niemand auf dem Schirm hatte.

Da ist es auch praktisch, dass der FC Schwaig finanziell gut da steht, oder?

Das wird gern mal so erzählt. Ich würde behaupten: Wir haben den geringsten Etat aller Bezirksligisten. Wir zahlen eine Aufwandsentschädigung, finanzieren das Trainingslager. Die Spieler bekommen Trainingsanzug und Fußballschuhe. Aber ich werde nie einem Spieler monatlich Geld geben. Ich kann doch nicht unsere Schwaiger Jungs zurückholen und dann einen Abzocker verpflichten. Wie sollte ich da noch einem Raffi Ascher oder Tobi Jell in die Augen schauen können? Du musst ehrlich zu den Leuten sein.

Ehrlich heißt: Sie haben sich auch nicht vor klaren Ansagen gescheut.

Natürlich nicht. In unserem Abstiegsjahr hatten wir einige im Team, die gemeint haben, sie könnten die Mannschaft aufstellen. Einige von denen haben nie mehr in der Ersten gespielt. Ich habe Mitte der Neunziger als D-Jugend-Trainer zusammen mit Fred Stuber angefangen. Von der Mannschaft von damals spielt bis auf Peter Kristovsky, der jetzt beim FC Eitting aktiv ist, niemand mehr. Die anderen waren alle zu bequem. Damit kann ich nichts anfangen.

Zurück zur aktuellen Situation: Der FC Schwaig führt die Bezirksliga an, lässt sich das noch steigern?

Der Aufstieg lässt sich ja fast nicht vermeiden, wenn die Konkurrenz weiterhin so für uns spielt. Ob wir uns in der Landesliga etablieren könnten, weiß ich nicht. Da müsste man wissen, wie sich das Team verhält, wenn es mal fünf oder sechs Wochen keinen Erfolg hat. Wie wird dann die Stimmung sein?

Womit wir schon in der Zukunft wären: Was sind die wichtigsten Aufgaben für Ihren Nachfolger?

Wolfi Lang ist ja seit zehn Jahren mein Stellvertreter. Er kennt das Geschäft. Er wird sich nun eine Mannschaft aufbauen, mit der er die Abteilung führt. Sein künftiger Vize ist Robby Altermann, der auch schon länger dabei ist. Wichtig ist halt, dass er Kontakt zu den Sponsoren hält und vor allem einen guten Draht zur Mannschaft hat. Ich berate ihn gern, aber ich denke, Wolfi braucht keine Tipps. Ich habe mir nicht dreinreden lassen, und jetzt rede ich niemand drein.

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