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SE Freising: Abteilungsleiter Frank Contu wägt Rückkehr einer Zweiten Mannschaft ab

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Urgestein des SEF: Frank Contu ist seit 1999 in verschiedenen Funktionen in der Savoyer Au tätig.
Urgestein des SEF: Frank Contu ist seit 1999 in verschiedenen Funktionen in der Savoyer Au tätig. © lra

Den Saisonstart hatte sich der SEF anders vorgestellt: Abteilungsleiter Frank Contu lobt im Interview dennoch das junge Trainerteam. Auch eine mögliche Zweite ist Thema.

Freising – Er hat beim SE Freising fast alle Funktionen bekleidet, war Nachwuchstrainer, Jugendleiter und ist nun seit gut einem Jahr als Abteilungsleiter für alle Fußballer in der Savoyer Au zuständig. Im FT-Interview spricht Frank Contu (57) vor dem Heimspiel gegen den TuS Holzkirchen (Donnerstag, 20 Uhr) über den schwierigen Saisonstart nach dem Umbruch, den Wert einer guten Jugendarbeit und die Chancen, mit dem SEF irgendwann in die Bayernliga aufzusteigen.

Herr Contu, der Saisonstart des SE Freising in der Landesliga war holprig. Ist die Abteilungsleitung deshalb nervös geworden?

Nein, nervös gar nicht – das wäre das falsche Wort dafür. Wir haben uns natürlich Gedanken gemacht, wie es weitergehen wird. Wir haben nicht die finanziellen Mittel, dass wir in einer solchen Situation mit den Fingern schnippen – und dann zum Beispiel ein neuer Stürmer dasteht. Aber wir haben vollstes Vertrauen in unsere Leute und uns immer gesagt, dass wir das mit ihnen schaffen.

Ex-SEF-Stürmer Andreas Hohlenburger hat in der Kreisliga für den FCA Unterbruck in drei Spielen acht Tore geschossen. Wie sehr haben Sie sich mit Blick darauf geärgert?

(lacht) Da habe ich am Wochenende auch daran gedacht. Uns war immer klar, dass er ein Ausnahmespieler ist. Es war sein Wunsch, in die Kreisliga zu wechseln, und für ihn freut es mich total, dass das jetzt so läuft und er spielen kann.

Es ist nicht ohne Risiko, mit einem jungen und unerfahrenen Spielertrainer-Duo in die Saison zu gehen. Was hat zur Entscheidungsfindung beigetragen?

Wir haben im Winter schon gesagt, dass wir vollstes Vertrauen in Florian Bittner und Michael Schmid haben. Der Michi zum Beispiel kennt den Verein in- und auswendig, ist seit der D-Jugend da. Zudem sehe ich den Flo Bittner als erfahrenen „Fußballlehrer“ – er hat schon allein beruflich als Lehrer mit Leuten zu tun und macht das super. Beide sind außerdem fachlich kompetent ohne Ende.

Welches Zeugnis stellen Sie der Mannschaft nach den ersten Spielen aus?

Man muss schon sehen, dass der Anfang eine Findungsphase war. Es wurden verschiedene Systeme ausprobiert – und ich hoffe, dass die Mannschaft jetzt das richtige gefunden hat. Nach den Abgängen musste sich das erstmal einpendeln – ich glaube, dass die Trainer das gut hingebracht haben. Was sie schon auszeichnet, ist, dass sie nicht an einem System festhalten. Zudem ist ihnen zuzuschreiben, dass die Mannschaft in den Spielen bis zum Schluss kämpft. Das hat man in den vergangenen beiden Partien super gesehen.

Personell gab es vor der Saison einen enormen Umbruch. Wie schwer ist es mittlerweile, Spieler für die Landesliga zu finden?

Bei uns ist es ja schon lange so, dass wir keine fertigen Spieler holen können. Da haben wir nicht die finanziellen Mittel dafür. Wir sind nach wie vor ein Ausbildungsverein – und davon werden wir auch nicht wegkommen. Dann ist es eben manchmal so, dass Spieler ins kalte Wasser geworfen werden müssen, wie heuer etwa Marcos Hones und Jonas Trost.

Die Statistik unterstreicht das: Aus der Startelf vom vergangenen Freitag haben neun Akteure Euren Nachwuchs durchlaufen, insgesamt stehen 20 ehemalige SEF-Jugendspieler im Kader. Wie zufrieden sind Sie damit?

Sicher haben manche mal einen Abstecher zu einem anderen Verein gemacht – Daniel Müller etwa war in Ingolstadt. Aber es ist schön zu sehen, dass viele bleiben, den Sprung ins Herrenteam schaffen oder wieder zurückkehren. So soll’s einfach sein.

Der SEF ist der einzige namhafte Club im Landkreis ohne Zweite Mannschaft. Inwiefern steht der Verein zu der vor Jahren getroffenen Entscheidung, die Reserve abzumelden?

Grundsätzlich ist das eine Entscheidung, die vor meiner Zeit als Abteilungsleiter getroffen wurde. Das ist schon ein Problem, und wir haben letztens erst wieder darüber diskutiert und ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, wieder eine Zweite Mannschaft anzumelden. Aber da würde sehr viel dran hängen. Wir bräuchten einen weiteren Trainer und müssten weit unten anfangen.

Mittlerweile hat der SEF die Abstiegsplätze verlassen. Was trauen Sie dem Team im weiteren Saisonverlauf zu?

Wenn wir verletzungsfrei durchkommen und der Kader zusammenbleibt, ist der Klassenerhalt auf alle Fälle drin. Erstes Ziel ist jetzt, die 40-Punkte-Marke und einen gesicherten Platz im Mittelfeld zu erreichen. Dann schauen wir weiter.

Oft wird diskutiert, dass dem SEF ein Aufstieg in die Bayernliga guttun würde. Wie realistisch ist das?

So etwas muss man mit Voraussicht planen. Um tatsächlich mal auf dem ersten Platz zu stehen, muss schon sehr viel zusammenpassen. Allein vom finanziellen Aspekt her muss man sich die Bayernliga, die weiteren Fahrten und die Spieler leisten können. Machbar wäre das für uns nur unter bestimmten Bedingungen. Ein finanzielles Risiko würden wir natürlich nicht eingehen.

Interview: Matthias Spanrad

Steckbrief

Frank Contu ist 57 Jahre alt und seit 2021 Fußball-Abteilungsleiter beim SE Freising. Zuvor war er als Jugendtrainer tätig (1999 bis 2011) und spielte unter anderem mit den C-Junioren in der Bayernliga, der damals höchsten Spielklasse dieser Altersstufe. Von 2010 bis 2017 war er zudem zusammen mit Herry Rossak und Robert Gintenreiter Jugendleiter in der Savoyer Au.

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