Entscheidung fiel fast einhellig

Siegfried sagt der Bundesliga Servus: Hallberger Ringer gehen in die Oberliga

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Nachdenkliche Gesichter: Siegfried-Vorsitzender Michael Prill (r.) erörterte den Mitgliedern und Fans die Gründe für den Rückzug aus dem Ringer-Oberhaus.

Jetzt ist es beschlossene Sache: Der SV Siegfried Hallbergmoos zieht seine Erste Mannschaft aus der Ringer-Bundesliga Südost zurück.

Hallbergmoos – Jetzt ist es beschlossene Sache: Der SV Siegfried Hallbergmoos zieht seine Erste Mannschaft aus der Ringer-Bundesliga Südost zurück. Das Team nimmt damit in der Saison 2020 den Platz der Reservestaffel in der neuen eingleisigen Oberliga ein. Ein in der Vereinsgeschichte keinesfalls einmaliger Schritt: Schon 2013 hatte sich der SV Siegfried freiwillig aus dem deutschen Oberhaus verabschiedet. Damals ging es runter in die Bayernliga.

Bundesliga aktuell „weder sportlich noch finanziell machbar“

Diese schwerwiegende Entscheidung sei einhellig – bei nur einer Enthaltung – von der Vereinsführung getroffen worden, teilte 1. Vorsitzender und Geschäftsführer Michael Prill am Mittwochabend im Mattenraum der Hallberghalle mit. Mehr als 20 Interessierte waren gekommen, um zu erfahren, wie es mit dem Ringer-Verein weitergeht. Prill: „Aktuell ist die Bundesliga für uns weder sportlich noch finanziell machbar. Wir werden auch nächste Saison nicht mit aller Gewalt versuchen, sofort in die für 2021 geplante 2. Bundesliga aufzusteigen.“ Außerdem betonte er, dass es „nach dem derzeitigen Stand nicht sicher ist, ob wir nächstes Jahr überhaupt eine Zweite Mannschaft stellen können“.

Sieggarant Ergün Aydin wird den SVS wohl verlassen, zeigt aber Verständnis für den Beschluss der Vereinsführung.

In dieser Saison zu Hause nur einen Kampf gewonnen

Letztlich kommt der Rückzug, der bereits in der Jahreshauptversammlung im Juni Thema war, nicht von ungefähr: Die Hallberger haben in dieser Saison zu Hause bisher nur einen Kampf gewonnen, und auch das Interesse der Zuschauer  hat  merklich  nachgelassen. Hinzu kommt, dass beim SV Siegfried in Zukunft die eigenen Ringer und nicht die ausländischen Priorität genießen sollen, sagte Prill. Ein weiteres Problem: Der SVS hat zwar Sponsoren in der Hinterhand, aber das Geld reiche nicht aus, um in der 1. Liga ganz oben mitringen zu können. Das Ziel des Vereins sei nun ein guter Platz im Mittelfeld der Oberliga. Darüber hinaus wolle man den Fans tolle Kämpfe bieten.

Rückzug hat Konsequenzen

Der Rückzug hat jedoch einige Konsequenzen. Mittelgewichtler Andreas Walter sagt: „Mir gefällt es beim SV Siegfried Hallbergmoos gut, doch mit meinen 24 Jahren möchte ich noch mehr erreichen, als in der Oberliga zu ringen. Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, dass ich zu einem Bundesliga-Klub wechsle.“ Walter freue sich allerdings, dass er, selbst wenn er dem SV Siegfried den Rücken kehren würde, weiter in Hallbergmoos trainieren könne. „Ergün Aydin und ich sind in der 75- respektive 80-Kilo-Klasse das stärkste Trainingsduo in ganz Deutschland.“

Hoffnungsträger Andreas Walter (r.) denkt über einen Wechsel zu einem Bundesliga-Klub nach.

Top-Ringer Aydin hat Verständnis

Verständnis für die Entscheidung der Vereinsführung bringt Top-Ringer Aydin auf: „Ich finde es schon richtig, die Mannschaft zurückzuziehen, wenn es finanziell nicht mehr möglich ist, vorne mitzumischen. Wenn die Leistung nicht da ist und die Staffel jede Woche eine auf die Schnauze bekommt, macht es keinen Sinn.“ Falls das Team jedoch mit den eigenen Leuten in der Oberliga Erfolg hat und wieder aufsteigen könnte, sollte man die Chance auch nutzen. Zu seiner sportlichen Zukunft sagte Ergün Aydin am Mittwoch: „Ich werde den SV Siegfried wohl schweren Herzens verlassen – bis jetzt ist aber noch nichts fix.“

Gemeinderat Kronner gibt Rückendeckung

Rückendeckung gibt’s vom Hallbergmooser Gemeinderat Stefan Kronner: „Ich kann die Entscheidung der Vorstandschaft nachvollziehen. Wenn es das Ziel ist, bald in der neuen 2. Bundesliga zu ringen, dann ist es psychologisch besser, nach einer erfolgreichen Saison dorthin aufzusteigen als nach einer schlechten abzusteigen. Ich hoffe, das Kalkül geht auf.“ Denn er könne sich auch an „langweilige Jahre“ in der Hallberghalle erinnern, als die Staffel zwar in der laufenden Runde alle Gegner wegputzte, aber dann bei den entscheidenden Aufstiegskämpfen den Kürzeren zog. Und weiter: „Grundsätzlich ist es natürlich traurig, wenn vom Deutschen Ringer-Bund alle paar Jahre die Ligen quasi nach Belieben neu eingeteilt werden. Mir ist aus anderen Sportarten so ein Kasperltheater nicht bekannt.“ Anton Schweißgut

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Quelle: Merkur.de

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