Selfie-Wahnsinn in Asien

Sieghart über Thailand-Entscheidung: "Ich musste raus aus der Komfortzone"

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Auf dem Weg zum Mekong-Cup-Finale: Alex Sieghart

Im zweiten Teil des großen Vorort-Interviews spricht Alexander Sieghart über die thailändische Premier League, Selfies mit Einheimischen und die Hinrunde seiner Ex-Kollegen.

Gilt man als Fußball-Profi in Thailand bereits als Star? Im zweiten Teil des großen Vorort-Interviews erklärt uns Thai-Legionär Alex Sieghart die Treue der Einheimischen zum Verein, den Selfie-Wahnsinn der Fans und was er von der bisherigen Saison seiner ehemaligen Mitspieler hält.

Als Laie kann man sich unter der thailändischen Profi-Liga nicht viel vorstellen. Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es zu Europas Top-Ligen? 

Ich würde die thailändische Premier League mit einem Mix aus zweiter bis vierter Bundesliga und schlechter bezeichnen. Es gibt viele Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Der thailändische Fußball ist sehr physisch geprägt und laufintensiv, weil vielen einfach die Taktische Schulung fehlt. Die junge Generation bringt eine hervorragende Technik mit. Den Unterschied machen meister die 'Foreigners' aus! Das sind meistens ehemalige Top-Spieler aus starken Ligen, die körperlich überlegen sind und vor dem Tor die Ruhe bewahren.

Die Schiedsrichterleistungen hingegen sind katastrophal. Die Schiri-Schulungen sind hier lange nicht so ausgereift, wie das in Deutschland der Fall ist.

Fußball ist in Thailand nicht als die beliebteste Sportart bekannt. Wie nimmst du das war? Sind die Stadien trotzdem voll?

Ich kann das bisher nicht bestätigen! Die Stadien sind bisher immer gut gefüllt gewesen und die Fans sind wirklich der Wahnsinn! Sie singen 90 Minuten lang durch und fiebern jedes mal mit, als würde es um die Weltmeisterschaft gehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass mein Verein im Vergleich zu Anderen generell sehr viele Anhänger hat. Der Fußball in Thailand boomt und es werden immer mehr Anhänger. Zuletzt haben wir ein Freundschaftsspiel gegen ein malaysisches Team bestritten. Dort waren um die 20.000 Zuschauer anwesend.

  "Unterhaching gehört definitiv nicht in die Regionalliga"  

Wurdest du auch schon von Thailändern auf der Straße angesprochen?

Das passiert hier täglich. Die ganze Stadt lebt für den Verein. So gut wie jeder Bewohner trägt sein Buriram-Trikot mit Stolz auf der Straße. Es ist sehr schwer im Supermarkt oder beim Kaffee trinken mal unerkannt zu bleiben. Die Leute sind jedoch sehr höflich und akzeptieren die Privatsphäre. Wenn sich dann doch mal jemand traut nach einem Selfie oder einer Unterschrift zu fragen, muss ich damit rechnen, dass mehrere Fans ihre Chance sehen (lacht).

Dein Ex-Club Unterhaching spielt momentan einer Über-Saison. Nächste Saison könnten sie wieder in der dritten Liga kicken und du hättest dabei sein können. Bereust du den Schritt nach Thailand vielleicht ein wenig? 

Ich bin wirklich froh und stolz darauf, was die Jungs für eine Hinrunde hingelegt haben. Ich stehe mit vielen Kameraden noch in Kontakt und habe ein sehr gutes Verhältnis. Ich weiß welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Sie gehören definitiv nicht in die Regionalliga. Dennoch bereue ich den Schritt nicht. Für mich war der Schritt nach Thailand eine Chance, welche im Leben vielleicht nur einmal kommt. Mein Gefühl hat mir gesagt, dass ich es bereuen werde, wenn ich sie nicht ergreife. Ich habe bis zu meinem Wechsel immer im gleichen Umfeld gelebt, um sich weiterzuentwickeln musste ich raus aus der Komfortzone.

Wenn die Jungs aufsteigen sollten, freue ich mich natürlich. Der erste Meilenstein wurde bereits im Vorjahr gelegt. Also habe ich auch einen kleinen Beitrag leisten können.

Das Gespräch führte Philipp Burde

Quelle: fussball-vorort.de

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