"Natürlich habe ich auch Fehler gemacht"

Die spannende Fußball-Laufbahn des Aleks Petrovic

Der Gute-Laune-Bringer: Aleks Petrovic jubelt mit seinen Mitspielern über einen seiner Treffer. FOTO: BUCHHOLZ

Aleksandro Petrovic hat in der Fußball-Regionalliga Bayern Maßstäbe gesetzt: Der Buchbacher Mittelfeldspieler, der noch bis 2020 Vertrag hat, ist aber längst noch nicht satt. „Ich will die Latte schon noch etwas höher legen“, sagt der 29-Jährige, der einige hartnäckige Verfolger hat.

Mit 185 Einsätzen in Bayerns Eliteliga ist ihm der Bayreuther Dominik Schmitt (25) knapp auf den Fersen. In der ewigen Torschützenliste hat Petrovic durch seinen Treffer beim 2:2 gegen den FV Illertissen mit Karl-Heinz-Lappe gleichgezogen, der jetzt beim FSV Mainz II stürmt.

Seit knapp sieben Jahren streift sich Petrovic das Trikot der Rot-Weißen über. Sein Kumpel Sandro Volz hatte ihn zum Training beim damaligen Bayernligisten mitgeschleppt. Der Anfang war zäh: „Ich bin aus einer anderen Welt gekommen und hatte mit Buchbach nichts am Hut. Den Verein kannte ich nur, weil mein Vater mit SK Srbija hier gespielt hat.“

Probetraining beim SSC Neapel

Nach seinem Abschied von Drittligist Dynamo Dresden, für den er 30 Spiele bestritten hat, war der damals 23-jährige Profi arbeitslos und desillusioniert, hatte er doch schon in jungen Jahren die Härten des Profi-Fußballs erfahren müssen.

„Natürlich habe ich auch Fehler gemacht“, erinnert sich Petrovic, der 1991 mit seiner Familie in den Kriegswirren aus dem damaligen Jugoslawien geflohen und in Giesing aufgewachsen ist. Seine ersten Schritte als Fußballer machte er mit fünf Jahren beim SV Stadtwerke, ehe er 1996 zum FC Bayern wechselte, alle Jugendteams durchlief und in einigen Jahrgängen sogar Kapitän war.

Dem Hochbegabten stand die große Fußballbühne offen, doch damals dachte der Jungstar noch, dass ihm alles zufliegen würde. Weit gefehlt: Abschied vom FC Bayern, Probetraining beim SSC Neapel in Italien und beim FC Groningen in Holland. Beide Clubs wollten ihn, doch Petrovic wollte mehr und landete stattdessen für eine Spielzeit beim FK Zemum in der serbischen Liga. Zwei Jahre in Dresden mit einigen Höhen und vielen größeren Tiefen folgten.

„Wir haben da einen im Training, der es echt drauf hat. Bis er aber halbwegs fit ist und einigermaßen Bayernliga spielen kann, dauert das noch Wochen“, urteilte Anton Bobenstetter, schon damals zum dritten Mal Trainer in Buchbach, über den Trainingsgast. Am 20. März 2011 war es so weit: Beim 1:0 über den Würzburger FV wurde Petrovic Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselt und ist mittlerweile nach 225 Spielen für die Rot-Weißen nicht mehr wegzudenken.

„Die Ehe passt“, sagt Petrovic nach knapp sieben Jahren sicher, und Sportlicher Leiter Georg Hanslmaier schwärmt: „Ali ist ein richtig geiler Kicker und ein unglaublicher Leader. Beide Seiten haben enorm von einander profitiert. Er ist seit Jahren reiner Amateurspieler, denkt aber wie ein Vollprofi.

Ein Tattoo von Roter Stern Belgrad

Petrovic, Verwaltungsfachangestellter der Stadt München, sagt: „Der Aufwand ist schon enorm, gerade in Englischen Wochen. Die Profi-Vereine der Liga trainieren ja allein in zwei Tagen so viel wie wir in der ganzen Woche. Da mithalten zu können, ist aber auch der große Reiz.“ Eine wichtige Rolle spielt das längst „freundschaftliche Verhältnis“ zu Buchbachs Trainer Bobenstetter: „Er weiß, wie er mit mir umgehen muss, aber er lässt mir meine Freiheiten. Das mussten wir uns erarbeiten, zumal sich seine und meine Philosophie von Fußball deutlich unterscheiden. Wir sprechen oft unter vier Augen, das ist kein stinknormales Verhältnis zwischen Spieler und Trainer. Letztlich weiß aber jeder genau, was er von dem anderen bekommt.“

Anfragen aus dem Profibereich gab es immer wieder. „Damit habe ich mich nie mehr ernsthaft befasst, aber ich bin überzeugt, dass es viele Spieler in der Regionalliga Bayern gibt, die einem Drittligisten als Stammspieler weiterhelfen würden.“ Auch wenn sein Fußball-Herz längst rot-weiß schlägt, noch größer ist seine Liebe zu Roter Stern Belgrad: „Irgendwann werde ich den Verein als Tattoo auf meiner Haut verewigen.“ Natürlich verfolgt Petrovic alle Spiele von Roter Stern möglichst live im Fernsehen oder Internet, nicht immer zur Begeisterung seiner Nachbarn: „Beim Europa-League-Spiel gegen Köln war ich ganz allein in der Wohnung, aber nach dem 1:0 haben mich die Nachbarn gefragt, ob es etwas leiser ginge.“ 

Quelle: fussball-vorort.de

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Arjen Robben: Kantersieg bei Trainer-Premiere - Ex-Bayern-Star erklärt seine Vereinswahl
Arjen Robben: Kantersieg bei Trainer-Premiere - Ex-Bayern-Star erklärt seine Vereinswahl
TuS Holzkirchen: Tore für den Frustabbau
TuS Holzkirchen: Tore für den Frustabbau
Nils Haack: SE Freising überdurchschnittlich gut, aber noch nicht spitze
Nils Haack: SE Freising überdurchschnittlich gut, aber noch nicht spitze
Wehner-Doppelpack bricht Glonn II das Genick - Anzing II mit weißer Weste
Wehner-Doppelpack bricht Glonn II das Genick - Anzing II mit weißer Weste

Kommentare