Ein Sponsor gegen die Verunsicherung

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Zunge raus, Ball rein: Beide Hachinger Tore gegen den SV Darmstadt 98 hat Florian Niederlechner (l.) erzielt, hier im Zweikampf mit einem Gegenspieler von den „Lilien“.

SpVgg Unterhaching – Eine zwischenzeitlich gähnend langweilige Drittliga-Partie endete in Unterhaching so, wie sie begonnen hatte: mit einem Tor.

Tja, so schnell kann es gehen. In aufreizendem Schneckentempo trabt Benjamin Baier zur Seitenlinie, jubelt den Damstädter Fans zu, ballt die Fäuste zum Jubel. Ein taktischer Wechsel in der zweiten Minute der Nachspielzeit, Benjamin Gorka kommt herein, und wieder verrinnen ein paar Sekunden. Sie reichen trotzdem nicht.

Die dritte Minute der Nachspielzeit läuft, im Strafraum des SV Darmstadt 98 geht es turbulent zu. Eckball für die SpVgg Unterhaching, die letzte Chance zum Ausgleich. Florian Niederlechner drischt den Ball Richtung Tor, doch irgendjemand bringt auf der Linie noch sein Bein dazwischen. Die Kugel prallt zurück, zufällig abermals vor Niederlechners Füße. Zweiter Versuch, diesmal klappt es. 2:2 nach 93 absolvierten Minuten: Während die Hachinger tanzend umherhüpfen wie kleine Kinder, sinken die Hessen fassungslos auf den Rasen. Aus der Traum vom schon sicher gewähnten ersten Auswärtssieg. So schnell kann es gehen.

Das erste war nämlich schon nach 53 Sekunden für Darmstadt 98 gefallen, Preston Zimmerman nutzte eine Hereingabe von Danny Latza und die Unterhachinger Schlafmützigkeit zur Blitz-Führung aus.

Der Rest des von unglaublich vielen Fehlpässen geprägten Spiels ist rasch erzählt. Ein höchst umstrittener Foulelfmeter bescherte der SpVgg das 1:1 durch Niederlechner (76.), ein weiterer Aussetzer der Hachinger Abwehr führte postwendend zur neuerlichen Darmstädter Führung, abermals durch Zimmerman (78.), diesman nach Flanke des eingewechselten Sebastian Zielinsky.

Was blieb den 1400 fröstelnden Fußballfreunden am Ende im Gedächtnis hängen? Okay, spannend war es bis zur buchstäblich letzten Sekunden. Und zwischendurch trotz der Minusgrade auch einmal richtig hitzig. Denn der Foulelfmeter wegen eines angeblich zu hohen Beins war in Wirklichkeit keiner. Der Gegenspieler habe ihn nicht berührt, sagte Niederlechner später, „ich habe mit einem indirekten Freistoß gerechnet“. Es gab Strafstoß, und bei 98-Trainer Jürgen Seeberger („Das war ein Witz!“) kochten die Emotionen hoch. So sehr, dass er in der 80. Minute das Spiel verzögerte, indem er bei einem Hachinger Einwurf einen zweiten Ball aufs Feld kickte. Prompt schickte Schiedsrichter Tim Sönder aus Kiel den Darmstädter Trainer auf die Tribüne, wo Seeberger sich wiederum eine kurze Rangelei mit einem Hachinger Fan leistete. „Das war kein gutes Verhalten von mir. Einfach unfair“, zeigte sich Seeberger später reumütig.

Auf Unterhachinger Seite geißelte derweil Trainer Claus Schromm eine „unheimlich hohe Frequenz an Fehlpässen“ und „relativ starke individuelle Fehler“ vor beiden Gegentoren. Woran das wohl liegen mag?

Es drängte sich der Eindruck auf, als sei die Mannschaft verunsichert, seit SpVgg-Präsident Manfred Schwabl vergangene Woche in Interviews verkündet hatte, Haching werde in der Winterpause aus wirtschaftlichen Gründen möglicherweise bis zu sechs Spieler verkaufen. Geld in die ewig klamme Kasse bringen natürlich nur Leistungsträger, doch die wissen offiziell von nichts. „Mir liegt kein Angebot vor. Ich will jedes Spiel Gas geben, denn ich habe einen Vertrag bei Haching – nur das zählt“, sagt zum Beispiel Doppeltorschütze Niederlechner. Mittelfeldspieler Yasin Yilmaz würde ebenfalls gern im Sportpark bleiben: „Ich habe schon ewig nicht mehr mit meinem Berater telefoniert.“ Anfragen externer Klubs? Fehlanzeige. „Nix gehört“ hat auch Kapitän und Torwart Stefan Riederer.

Wie also das Finanzloch stopfen und die interne Verunsicherung abstellen? Die zweite Möglichkeit, die Präsident Schwabl ins Gespräch hatte, wäre: endlich einen Hauptsponsor finden.

Martin Becker

Quelle: fussball-vorort.de

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