Zurück auf die Schanzen

Sprünge beim Damen-Weltcup in der Kritik: Kein Spektakel auf Kosten der Sportlerinnen

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Ihre Meinung ist gefragt: Kira Weidle saht, dass Sprünge wenig trainiert werden.

Es gab Kritik, vor allem nach dem ersten Training. Noch am selben Nachmittag wurde die Kante am Tröglhang abgetragen. Doch Tatsache ist auch, dass  Sprünge nicht mehr so trainiert werden wie früher.

Garmisch-Partenkirchen– Es gab Zeiten, da stürzten sich die waghalsigen Damen im Skisport von der kleinen Olympia-Schanze in Partenkirchen. Die Alpinen auf den Bakken der Nordischen. Kein Witz. Katja Seizinger, Maria Höfl-Riesch – Deutschlands Beste haben diese Einheiten absolviert. Markus Anwander, der Leiter des Bundesstützpunktes Alpin am Gudiberg, erinnert sich gut daran. „Wir sind immer auf Matten gesprungen, auch in Berchtesgaden, weil dort der Schanzentisch verstellbar war.“

Im Skistadion hat man die Damen länger nicht mehr gesehen. „Offenbar ist das ein wenig verloren gegangen“, mutmaßt Anwander, der dort sein Büro hat. Genau kann er es auch nicht sagen. Seine Zeit als Cheftrainer der Damen ist ja 2017 abgelaufen. Wenn man den Worten von Kira Weidle beim Heimrennen am Sonntag glauben darf, wird nicht mehr zu viel Zeit aufgewendet, um mit den Rennläuferinnen das Springen zu üben. „Wir haben sehr wenige Sprünge, dadurch trainieren wir das sehr selten“, räumte sie inmitten der Diskussion um Sinn oder Unsinn der neuen Elemente auf der Kandahar ein. „Vielleicht noch in Chile, aber unter der Saison kommt das zu kurz.“

Bekanntlich standen die Sprünge bei den Frauen-Rennen immer wieder in der Kritik. Am stärksten nach dem ersten Training. Noch am selben Nachmittag wurde die Kante am Tröglhang abgetragen, übrig blieb „ein kleiner Hupfer“, wie Ramona Siebenhofer urteilte. In der Abfahrt am Sonntag herrschte wieder Aufregung. Zunächst, weil die ersten drei relativ unkontrolliert über die Kante rauschten, Probleme mit der Luftfahrt hatten. Renndirektor Atle Skaardal stand direkt daneben, ordnete sofort Nachbesserungen an.

Alpiner Ski-Weltcup Kandahar: Statt Risiko erhöhen, Rennen besser in Szene setzen

Damit hatte sich die Situation nicht erledigt. Drei Stürze trugen sich unmittelbar nach dem Seilbahnsprung zu. Nach der Verletzung der Italienerin Federica Sosio beendete Skaardal den Wettbewerb vorzeitig. Offizielle Begründung: „aus Sicherheitsgründen“. Das Rennen hatte sich durch die Unterbrechungen zu dieser Zeit schon sehr lange hinausgezögert, die Lichtverhältnisse wurden naturgemäß nicht besser.

Zu viel des Ganzen also für die Damen? Nein, sagt Athletensprecherin Tina Weirather. „Ich bin grundsätzlich für Sprünge. Ich liebe weite und hohe, nur müssen sie abfahrtsmäßig gebaut sein“, sagt die Liechtensteinerin, die sich speziell über den Sprung im Tröglhang echauffierte. „Wir hatten Glück, dass sich da niemand verletzt hat.“ Was Weirather stört, ist der Ansatz, zusätzliches Spektakel auf Kosten der Sportlerinnen zu kreieren. Und damit ist sie nicht allein. Siebenhofer, zweifache Siegerin auf der wahrlich anspruchsvollen Strecke in Cortina zuletzt, appelliert daran, Skifahren nicht als Show zu sehen. Anstatt das Risiko zu erhöhen, solle man die Rennen besser in Szene setzen. „Im Fernsehen sieht man häufig nicht, wie steil es wirklich ist. Daran könnte man arbeiten.“

Die Schweizerin Michelle Gisin, deren Bruder Marc im Dezember in Gröden auf den Kamelbuckeln schwer gestürzt war, formuliert es ganz deutlich: „Für mich ist es genug Spektakel, wenn ich sehe, wie die Damen mit 120 Stundenkilometern und mehr runterfahren. Da braucht es zwischendurch nicht noch ein Skisprung-Event.“

Weidle geht an das Thema von einer anderen Seite heran. „Die FIS sollte sich überlegen, hochkarätige Vorläufer einzusetzen, so dass man nach den Vorläufern schon weiß, wo Probleme sind.“ Vielleicht gehört eben auch Training auf Schanzen wieder dazu. „Beim Nachwuchs gibt es das wieder öfter, es werden Speed-Camps veranstaltet“, sagt Anwander. Er rät, mit der Jugend in Funparks zu gehen – wie am Hexenkessel in Garmisch-Partenkirchen. „Da kann man das Verhalten im Flug gut schulen.“ Eine Sprung-Einheit in der Vorbereitung auf eine Abfahrt wäre aber sicher auch eine interessante Geschichte.

Quelle: Merkur.de

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