Die Trainer beider Mannschaften sprachen über die Situation

Spuckattacke beim Spiel Wörthsee gegen Fürstenfeldbruck: Aussage gegen Aussage

Erhebt schwere Vorwürfe: Niclas Hauser soll im Spiel angespuckt worden sein.
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Erhebt schwere Vorwürfe: Niclas Hauser soll im Spiel angespuckt worden sein.

Eine vermeintliche Spuckattacke hat zum Spielabbruch zwischen Wörthsee und dem BVTA Fürstenfeldbruck geführt. Die Meinungen der Trainer dazu gehen auseinander.

Wörthsee – Gesehen hat auch er es nicht. Das betont Stefan Schick ausdrücklich. „Der Spieler, der gespuckt haben soll, stand mit dem Rücken zu mir“, sagt der Trainer des SC Wörthsee. Was er jedoch sehr wohl sah, war die Spucke, die SC-Fußballer Niclas Hauser übers Gesicht lief. „Und die wird nicht vom Himmel geflogen sein.“ Wie berichtet, war es am Sonntag beim A-Klasse-Duell zwischen Wörthsee und dem BVTA Fürstenfeldbruck zu einem Spielabbruch gekommen. Auslöser war laut Aussage der Gastgeber eine Spuckattacke eines BVTA-Spielers in Richtung Niclas Hauser. In der Folge weigerten sich die Wörthseer, das Spiel fortzusetzen. „Eine ganz klare Sache“, unterstreicht Schick. „Spucken ist das Allerletzte. Mehr Missachtung gibt es nicht.“

Stefan Schick, Trainer des SC Wörthsee, hat die Spuckattacke nicht gesehen - die Spucke aber schon.

Doch von vorne: Die Partie des Tabellenschlusslichts gegen den Sechsten aus Fürstenfeldbruck entwickelt sich recht schnell zum offenen Schlagabtausch. Tore auf beiden Seiten, knackige Zweikämpfe hüben wie drüben. „Kampfbetont, aber alles im Rahmen“, findet Schick. Nach einem abermaligen Foul rund zehn Minuten vor Ende der Partie eskaliert die Situation jedoch. Eine Rudelbildung löst Schiedsrichter Pietro Trizzi zunächst noch mit mehreren Gelben Karten für beide Teams auf. Doch als Niclas Hauser plötzlich die Spucke übers Gesicht läuft, reicht es den Wörthseern.

Wörthsee-Coach Stefan Schick: „Es gibt immer Grenzen – und hier wurde definitiv eine überschritten“

„Auswechselspieler und Offizielle sind aufs Spielfeld gelaufen, es war alles sehr unübersichtlich“, sagt Trainer Schick, der zu diesem Zeitpunkt selbst als Spieler auf dem Platz stand und vor allem damit beschäftigt war, seine Schützlinge zu beruhigen. Nach mehreren Minuten voller Diskussionen und kleineren Schubsereien zwischen allen Parteien zieht er sich mit seinem Team an die Auswechselbank zurück. Die Frage, ob sie die Partie zu Ende spielen, ist schnell geklärt. „Fünf, sechs Spieler haben sofort gesagt, so spielen sie nicht weiter. Nicht nur Niclas wollte nicht mehr“, betont Schick, der die Entscheidung sehr wohl nachvollziehen kann. „Es gibt immer Grenzen – und hier wurde definitiv eine überschritten.“

Anderer Meinung ist Gökhan Koc. „Ich verstehe das alles nicht“, sagt der Trainer des BVTA Fürstenfeldbruck. Zum einen habe er die vermeintliche Spuckattacke nicht gesehen. „Übrigens ebenso wenig wie Stefan Schick oder der Schiedsrichter.“ Zum anderen habe ihm sein Spieler versichert, dass er gar nicht erst gespuckt habe. „Er hat gesagt, dass er und sein Gegenspieler sich gegenseitig beschimpft haben und mehr nicht. Und das glaube ich ihm.“ Und selbst wenn – für Koc noch lange kein Grund, gesammelt das Spielfeld zu verlassen. Der 34-Jährige stellt klar: „Wenn ich jedes Mal vom Platz gegangen wäre, wenn einer ,Scheiß Türke’ zu mir gesagt hat, dann wäre das sicher 40-mal passiert.“

Gökhan Koc, Trainer des BVTA, steht hinter seinem beschuldigtem Spieler.

Wie die Partie, in der Fürstenfeldbruck zum Zeitpunkt des Abbruchs übrigens 3:2 führte, letztlich gewertet wird, darüber entscheidet in den kommenden Wochen das Sportgericht. Koc rechnet mit den drei Punkten für sein Team. „Wörthsee hat ja im Prinzip aufgegeben“, sagt er. „Abbrechen kann ein Spiel nur der Schiedsrichter.“ Eine Sicht, der Stefan Schick vehement widerspricht. Er hofft, dass der Verband ein Zeichen setzt. „So ein Verhalten darf keinesfalls mit Punkten belohnt werden“, betont der 46-jährige Coach. Ob Niclas Hauser sogar eine zivilrechtliche Anzeige erstattet („Da würde er Recht bekommen“), weiß er nicht. Aber im Vordergrund steht für ihn sowieso etwas anderes: „Ich kann gegen den BVTA an sich nichts sagen – aber wenn man Scheiße baut, muss man eben die Konsequenzen tragen.“ (Simon Nutzinger)

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