SpVgg-Altenerding-Rückkehrer im Interview

Alle gingen, aber Marcus Balbach kam zurück zu seinem Heimatverein

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Marcus Balbach 2019 (r.): Hier im Spiel gegen den VfB Hallbergmoos 3.

Als andere aus dem schlingernden Schiff flüchteten, kam er zurück. Aber fangen wir von vorne an.

VON DIETER PRIGLMEIR

Altenerding– Marcus Balbach gehörte einst zum Altenerdinger Team, das in die Bezirksliga aufstieg. Er verließ 2010 den Verein und musste mit ansehen, wie sein Club bis in die Kreisklasse abstieg. Seit 2018 spielt er wieder bei den Veilchen, ging mit ihnen den bitteren Weg in die A-Klasse. Und nun ist der inzwischen 34-Jährige der Routinier einer jungen Mannschaft, die nun den Wiederaufstieg anpeilt. Entsprechend gelassen sieht er das Gipfeltreffen am Sonntag gegen den TSV St. Wolfgang. „Auch wenn es ein Spitzenspiel ist, aufsteigen wird am Ende das Team mit der größeren Konstanz.“ Besonders freue ich er sich auf das Wiedersehen mit ehemaligen Grüntegernbacher Fußballern und seinen Kumpels Berni Deuschl und Michael Gillhuber.

Herr Balbach, Sie sind zur SpVgg Altenerding zurückgekehrt, als das Herrenteam so ziemlich am Boden war. Warum?

Grundsätzlich war es ein Wunsch, während meiner aktiven Laufbahn zu meinem Heimatverein zurückzukehren. Mitglied bin ich seit knapp 30 Jahren. Zudem habe ich letzten Sommer innerhalb meines Arbeitgebers einen Standortwechsel von Landshut nach München vollzogen, bin aus meiner Eigentumswohnung in Wartenberg ausgezogen und wohne mittlerweile auch wieder in Erding – dort bin ich außerdem Gesellschafter im Familienbetrieb – es hatte also auch einige berufliche und private Gründe.

Aber wie gesagt: Der Verein lag am am Boden.

Am Boden? Das ist mir zu negativ. Der Abstieg aus der Bezirksliga 2012 liegt nun doch schon einige Jahre zurück, anschließend gab es mit Spielern und Trainern sehr viel, sicherlich zu viel, Fluktuation. Dass es 2018 in der Kreisklasse gegen den Abstieg ging, war mir damals vollkommen bewusst. Nach einer ereignisreichen Saison inklusive Relegation hat es am Ende nicht ganz gereicht. Trotzdem macht Fußball in Altenerding Spaß, und wir haben ein sympathisches Umfeld, auch wenn die Außenwahrnehmung oder Berichterstattung hin und wieder eine andere ist.

Gehen wir mal zurück in den Sommer 2010: Warum sind Sie seinerzeit zum TSV Dorfen gewechselt?

Als Stammspieler in der Bezirksliga hat mir die Rotation damals gar nicht gefallen, und für mein Studium in Rosenheim hatte der TSV Dorfen bessere Trainingszeiten. In Dorfen kannte ich auch einige Spieler privat, da ich 2005 dort Abitur gemacht habe. 2011 hatten wir es dann sogar in die Aufstiegsrelegation geschafft und namhafte Konkurrenten wie Moosinning und Moosburg hinter uns gelassen.

Die Frage muss natürlich auch kommen: Was hat denn damals ihr Vater Hans Balbach als Altenerdinger Abteilungsleiter gesagt?

(lacht) Ja, das war eine Nacht- und Nebelaktion im August. Bei meinem Vater war es eine Mischung aus Verärgerung und doch Verständnis. Steine haben mir weder er noch anderen Funktionäre in den Weg gelegt, wofür ich sehr dankbar war.

Danach ging es für eineinhalb Jahre zum SV Münchnerau-Landshut und dann fünf Jahre nach Grüntegernbach. Sie haben mal in der Bezirksliga, mal in der B-Klasse gekickt. Und in der A-Jugend war es mit Freising die Bayernliga. Ist Ihnen die Liga egal, in der Sie Fußball spielen?

Das ist eine gute Frage und meiner Meinung nach von der Lebenssituation abhängig. In der U 19-Bayernliga beim SEF hatte Sport einfach einen anderen Stellenwert. Nach zwei Aufstiegen in Folge – die Relegation durfte natürlich nicht fehlen – mit Fußballverrückten wie Florian Leininger, Ben Held und Thomas Eckmüller war Fußball in der zweithöchsten Jugendliga mehr oder weniger Prio eins. Jahre später geht bei mir der Beruf allem anderen vor. Den Bezirksliga-Aufstieg mit Landshut nach einem Relegationsmarathon habe ich als schöne Erinnerung im Kopf. In Grüntegernbach konnte ich mich als Co-Trainer einbringen und weiterentwickeln. Dort sind auch tolle Freundschaften entstanden, die ich nicht missen möchte und im Amateursport langfristig vielleicht wichtiger sind als die Liga.

Zurück zur SpVgg Altenerding: Was hat sich zwischen 2010 und heute hier geändert?

Bis auf das Vereinsheim, das mein Vater mitgestaltet hat, so ziemlich alles. Wir haben mehr Trainingsplätze, leider noch keinen Kunstrasen und natürlich eine klasse Jugendarbeit. Damit allein ist es aber nicht getan. Von der Aufstiegsmannschaft 2007 spielt nur noch Gregor Wylezich aktiv bei Langengeisling. Heutzutage wechseln junge Spieler schneller den Verein, und es wird sehr kurzfristig geplant. Erfolg kommt meist nur durch Konstanz und Zusammenhalt. Das betont unser Trainer Pedro Locke auch und hat einen sehr breiten und vor allem jungen Kader zur Verfügung.

Wie war das früher?

2007 bis 2010 waren wir eine sehr heterogene Mannschaft mit jungen und alten Spielern sowie sehr unterschiedlichen Charakteren, die sich prima ergänzt haben. Damals hatten wir geile Busfahrten zu Auswärtsspielen hinter Ingolstadt. Heute tun wir uns spontan zusammen und schauen andere Spiele im Landkreis an oder gehen ins Eishockey.

Wenn Sie sich einen Spieler aus ihrer früheren SpVgg-Zeit wünschen dürften, wen würden Sie sofort aufstellen?

Florian Brenninger, Hitzkopf und Motivator. Er ist gerne laut geworden und das hat mich und Mitspieler angepeitscht. Marc Hennig, Trainer und Lenker im Mittelfeld. Er konnte viele Spieler weiterentwickeln und war zeitgleich Taktgeber auf dem Platz. Matthias Foltin, er hatte einen klasse Torriecher sowie ein Auge für seine Mitspieler. Auf und neben dem Platz ein sympathischer Typ.

Wer aus der heutigen Mannschaft hätte das Zeug dazu, in der damaligen Bezirksliga-Mannschaft mitzuhalten?

Von der A-Klasse bis zur Bezirksliga ist ein relativ großer Unterschied. Spontan fallen mir Jonas Pamer, Joshua Psiogios und Faisal Haris ein. Das Talent dazu haben einige weitere.

Was trauen Sie dem neuen Team noch zu? Wäre der Nichtaufstieg für Sie nicht eine Riesenenttäuschung?

Da brauche ich kein Blatt vor den Mund zu nehmen: Klar ist der Aufstieg das Ziel, und ich selbst möchte zum Ende meiner Laufbahn in den kommenden zwei Jahren nochmal aufsteigen. Mittelfristig traue ich dem Team sehr viel zu. Dazu muss es auch zusammenbleiben und sich weiterentwickeln – das erfordert auch Geduld.

Quelle: Merkur.de

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