Kommentar von Uli Kellner

Unterhachings Gang an die Börse ist mehr als eine PR-Nummer

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Uli Kellner bewertet den Börsengang der SpVgg Unterhaching. 

Bekanntlich ist die dritte deutsche Profiliga kein Ort, an dem sich Fußballclubs gerne länger als nötig aufhalten.

„Beim Übergang von der 2. Liga in die 3. Liga kommt man nicht nur ins Fegefeuer, da kommt man in die Hölle“, klagte einst Engelbert Kupka, langjähriger Präsident der SpVgg Unterhaching: „Ich schätze, dass mindestens die Hälfte der Drittligavereine entlang der Grenze zur Insolvenz schrammen. Die 3. Liga ist eine Insolvenzliga.“

Kupkas Nachfolger Manni Schwabl sieht das inhaltlich ähnlich, er war aber noch nie einer, der zum öffentlichen Lamento neigte, sondern zum Anpacken, zum Entwickeln kreativer Ideen. Schwabl hat erst kürzlich einen Kooperationsvertrag mit 1860 Rosenheim geschlossen, um die vereinseigenen Talente in der semiprofessionellen Regionalliga reifen zu lassen. Jetzt hat der Pfiffikus aus Holzkirchen erneut für Aufsehen gesorgt – indem er die kleinen Hachinger mal eben an die Börse bringt. Als erst zweiter deutscher Profiverein nach dem internationalen Topclub Borussia Dortmund.

Bis zu 12 Millionen Euro an zusätzlichem Geld hofft Schwabl mit seiner außergewöhnlichen Maßnahme zu generieren. Ob es eine Erfolgsgeschichte wird, weiß er selber nicht, aber die Sache ist definitiv mehr als eine PR-Nummer. Sie ist eine Hilfe zur Selbsthilfe in einer Liga, die ihren 20 Teilnehmern wenig Raum und Geld zum Überleben lässt. Bessere Alternativmodelle, dazu muss man sich bloß umschauen, sind kaum zu finden. Man kann das Glück haben, dass in einem Jahr alles passt wie beim letztjährigen Aufsteiger Osnabrück (schmaler Etat, große Leistung). Man kann sich einen Investor ins Haus holen wie der 1. FC Kaiserslautern. Das jedoch hat schon dem TSV 1860, Schwabls Ex-Club, wenig Glück gebracht. Oder aber man nimmt sein Schicksal in die Hand – und schaut mal, was am Ende rauskommt.

Das Besondere am Hachinger Weg ist ja, dass der Börsengang nicht der letzte Strohhalm ist, den die Spielvereinigung ergreifen muss. Er ist sozusagen eine Wette auf eine bessere Zukunft. Eine noch bessere muss man fast sagen, denn Schwabl führt jetzt schon einen Verein, der das Maximale aus seiner Nischenlage rausholt. Haching hat Zugang zu den Toptalenten der Region, besitzt eine spielstarke Mannschaft, die auch diesen Sommer wieder sinnvoll verstärkt wurde. Die SpVgg renoviert ein Stadion, das ihr keiner streitig macht. Und hat jetzt eben auch die Chance auf einen kleinen Geldsegen.

„Zur Not“, scherzte Schwabl, „kaufe ich eben alle Aktien selbst.“ Gemäß dem alten Kostolany-Motto: Kaufen, halten – und irgendwann mal ins Portfolio reinschauen. Es gab schon Anleger, die auf diese Weise zu gewissem Wohlstand gekommen sind. So viel will Schwabl allerdings gar nicht. Ein Aufstieg in die 2. Liga würde ihm reichen. Dort nämlich kann man es dank der TV-Millionen auch mal länger als ein paar Jahre aushalten.

uli.kellner@ovb.net

Quelle: Merkur.de

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