SpVgg Unterhaching im Formtief

Ja, ist denn scho Rückrunde?

Bedrohliche Schieflage: Die SpVgg Unterhaching (hier: Kapitän Dominik Stahl) ist nach furiosem Saisonstart ins Stolpern geraten. Foto: M.i.S.

Erst stimmten noch die Leistungen. Jetzt ist nichts mehr so, wie es eigentlich sein sollte...

Unterhaching– Zwei Minuten. So lange habe es gedauert, bis er Wind vom Überraschungsbesuch im Hauptquartier der SpVgg Unterhaching bekommen habe. Die Rede ist von Claus Schromm, der per SMS erfuhr, wer da spät am Samstagabend noch in der Stadiongaststätte aufkreuzte. Es war Michael Köllner, Cheftrainer der Sechzger und Derby-Gegner wenige Stunden später. Er habe noch Hunger gehabt, berichtete Köllner fröhlich, „und da ich gerade in einem Hotel in der Nähe wohne, haben wir noch spontan vorbeigeschaut“. Köllner zusammen mit seinem Co-Trainer Günter Brandl. Erst Adventssingen im Sechzgerstadion, dann Jägerschnitzel neben dem Hachinger Sportpark. Der neue 1860-Coach lebte jene freche Unbekümmertheit vor, die den Hachingern tags darauf fehlte – bei der 2:3-Niederlage gegen Köllners Löwen.

Ja, ist denn scho Rückrunde? So in etwa lässt sich das Gefühlsleben der Hachinger umschreiben, die eben noch stolz die Tabelle der 3. Liga angeführt hatten – und jetzt ergebnismäßig an vergangene Talfahrten zwischen Januar und Mai erinnern. Wobei sich das Ganze wie immer schleichend vollzog. Erst stimmten noch die Leistungen: Unentschieden wurden aufgrund des guten Punkteschnitts als positiv im Sinne von „nicht verloren“ gewertet. Dann blieben die Tore aus, aber wenigstens stand die Abwehr wie ein Fels. Vier 0:0 zwischen Runde 10 und 15 machten noch keinen nervös. Und jetzt: Ist nichts mehr so, wie es eigentlich sein sollte. Die Abwehr ist löchrig geworden, der Angriff schwächlich. Nachdem die SpVgg bis zum 23. November nur eine Niederlage bezogen hatte (0:3 gegen Halle), kamen binnen einer Woche zwei hinzu: 0:3 in Magdeburg. Und ebenso schmerzhaft: das Heim-2:3 gegen die Löwen.

Woran es liegt, dass sich die Hachinger ausnahmsweise schon Mitte der Hinrunde ihre erste Krise leisten? Claus Schromm, der Trainer, wirkte ziemlich ratlos, als er Sonntagabend im Studio von „Blickpunkt Sport“ auftauchte. „1860 hat nicht unverdient gewonnen“, sagte er im Beisein des Kollegen Köllner, um als Erklärung anzumerken: „Wir sind gut zurückgekommen – und der Rest war dann Mölders.“ Sollte heißen: Gegen Extraklasse ist eben wenig auszurichten. Stephan Hain, Hachings verletzungsbedingt stotternde Torfabrik, hatte drei Tage vorher schon in den Krisenmodus geschaltet. Woran es liege, dass es bei Haching nicht mehr läuft, hatte die Frage gelautet. „Wenn ich das wüsste . . .“, fing Hain seine Antwort an: „Vielleicht ist es so, dass sich die Gegner jetzt besser auf uns einstellen. Es ist ja nicht so, dass wir viele Chancen liegen lassen – wir tun uns überhaupt schwer, welche rauszuspielen.“ Besorgt fügte Hain hinzu: „Es ist schon eine schwierige Phase gerade.“

Entsprechend bedient wirkte auch Manni Schwabl nach dem Derby. Hachings Präsident, sonst um keinen flotten Spruch verlegen, gab indirekt zu, dass die Krise ihn und seine Spielvereinigung einigermaßen überraschend trifft. „Da kommt mehr zusammen“, deutete er an und gab einen kleinen Hinweis, woran es liegen könnte: „Die Mannschaft setzt sich selbst unter Druck. Wir wollen ja oben dabei bleiben.“ Die selbst geweckten Erwartungen durch den Börsengang. Die mutige Ansage, ab sofort wirklich den Aufstieg anzupeilen. Denkbar ist, dass diese Gemengelage ausreicht, um Schromms Kickern jene Unbekümmertheit zu rauben, die Köllners Löwen gerade haben – und die auch das Hachinger Spiel auszeichnete, als es zu Saisonbeginn wie von selbst zu laufen schien.

Eine Stunde nach dem Spielende am Sonntag lief Dominik Stahl durch den schon dämmrigen Sportpark. Hachings Kapitän war freundlich wie immer, doch auch ihm war anzumerken, wie sehr der Negativlauf in ihm arbeitet. Mit Blick auf die nahe Zukunft sagte er: „Wir spielen jetzt in Jena und dann daheim gegen Duisburg.“ Ziel sei, so Stahl, mindestens drei Punkte zu holen, „denn dann hätten wir die 31 Punkte zusammen, die wir immer nach der Hinrunde hatten“.

Bei fast jedem Club würde das Motto nun lauten: Durchwurschteln bis zur Winterpause und danach neu angreifen. In Haching dürfte das schwer werden, denn erstens steht noch vor Weihnachten das erste Spiel der Rückrunde an: Gegner ist der formstarke FCK (drei Spiele, drei Siege). Und zweitens: Ab Januar ist ja dann richtig Rückrunde – und in der sollte es vom Start weg laufen, um nicht Woche für Woche mit den zurückliegenden Jahresanfangskrisen konfrontiert zu werden.

Schwabls Kommentar zur Rückrunde, die ihre Schatten vorauswirft: „Die bleibt ja nicht aus  . . .“ Sollte wohl heißen: Augen zu und durch. Kleiner Trost für seine SpVgg: Den selbstbewussten Köllner-Löwen begegnen die Hachinger erst wieder im Mai. Und: Von einer schlimmen Verletzungsmisere wie vor einem Jahr ist man am Sportpark bislang verschont geblieben.

Quelle: Merkur.de

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