Alexis Fambo und Laurin Demolli Stammspieler 

Glücksfall Kooperation: Haching-Talente sollen bei 1860 Rosenheim reifen

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Alexis Fambo in neuer Umgebung und neuem Dress mit Laurin Demolli.

Es ist Zufall, dass unter den Spielern, die zuletzt aus der eigenen Jugend in den Profikader der SpVgg Unterhaching aufgerückt sind, mit Niclas Anspach ein Talent ist, das in Rosenheim groß geworden ist.

Anspach, 19, ist seit drei Jahren in Unterhaching und damit noch kein Produkt einer spannenden Kooperation, die künftig neue Möglichkeiten und Wege öffnen soll, sowohl in die eine wie in die andere Richtung.

Die andere Richtung haben gerade Laurin Demolli und Alexis Fambo eingeschlagen. Das aber ist nun kein Zufall mehr, sondern ein erster Vorgeschmack auf das, wie es künftig laufen soll zwischen dem Drittligisten Unterhaching und dem Regionalligaklub TSV 1860 Rosenheim. Demolli und Fambo sind zwei hoch veranlagte Talente, haben in Haching Junioren-Bundesliga gespielt, der Sprung aber in den Drittligakader wäre (noch) zu groß gewesen. Junge Spieler aber, beide sind 19, brauchen nichts dringender als Spielpraxis, um sich an Tempo, Tricks und Zweikampfhärte im Herrenbereich zu gewöhnen. Und dafür ist die Regionalliga ideal.

„Man bleibt in Verbindung“

„Klar haben wir davon geträumt, direkt in den Hachinger Profikader aufrücken zu können“, sagt Alexis Fambo, der aber schon geahnt hatte, dass es eng für ihn werden könnte. Ebenso wie für Demolli: „Da macht man sich schon mal Gedanken, wie es weitergehen könnte.“ Haching hat seit vier Jahren keine zweite Mannschaft mehr, also bleibt für Spieler, die der Jugend entwachsen, aber noch nicht reif für die 3. Liga sind, nur die Möglichkeit, den Verein zu verlassen. „Die Kooperation“ sagt Demolli, „wurde für uns zum Glücksfall“, denn mit dem Wechsel zum Partnerklub ist man zwar nicht mehr mittendrin, aber immer noch dabei: „Man bleibt mit der SpVgg in enger Verbindung“, freut sich Fambo. Schließlich ist der Traum, mal als Profi für Haching zu spielen, zunächst zwar aufgeschoben, keineswegs aber aufgehoben.

Das wäre dann der Idealfall. Deshalb hat Manni Schwabl, Hachings Macher, einen Verein gesucht, der in der Region beheimatet ist, eine ähnliche Philosophie vertritt, also größten Wert auf eine intensive Nachwuchsförderung legt und im höherklassigen Herrenbereich nicht auf gestandene, damit teure Spieler setzen kann, sondern auf ambitionierten Nachwuchs: „Die Ausbildung junger, regionaler Talente soll ja nicht mit dem Jugendbereich abgeschlossen sein, sondern im Herrenfußball fortgesetzt werden.“ Dafür, so Schwabl, müsse man ihnen die nötige Spiel- und Wettkampfpraxis bieten. Die bekämen sie kaum im beinharten Existenzkampf der 3. Liga, aber beim Partner.

Fambo und Demolli Stammspieler in der Regionalliga Bayern

Der gebürtige Münchner Fambo, Sohn afrikanischer Eltern mit französischem Pass, und der Weilheimer Demolli, dessen Vorfahren aus dem Kosovo stammen, leben nun in der Nähe von Rosenheim, machen hier eine Berufsausbildung und spielen Fußball. Richtig gut, Fambo war erst letzte Woche mit zwei Toren Rosenheims Matchwinner beim Pokalsieg in Selb, in der Regionalliga hat er, weil verletzt, erst ein Spiel verpasst. Demolli stand bei allen sechs Partien und im Pokal in der Startelf. Hans Kroneck, Rosenheims sportlicher Leiter, lobt die „hervorragende Ausbildung“ seiner Youngster, die optimal ins Profil passen: 22,5 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der jungen Truppe, „wir wurden hier mit offenen Armen empfangen“, schwärmt Fambo: „Auch mit den älteren Spielern haben wir im Trainingslager sofort einen super Kontakt bekommen.“

Und die Verbindung nach Haching steht. Claus Schromm, der Cheftrainer, hält engen Kontakt nach Rosenheim, jeden Mittwoch treffen sich die sportlich Verantwortlichen, tauschen sich aus, sprechen über Entwicklungen und suchen nach Verbesserungspotential. „Menschlich passt das hundertprozentig“, so Kroneck, „wir können viel von Haching lernen und auf unsere eigene Arbeit übertragen.“ Die Kooperation geht bis hinunter zur U16, auch die entsprechenden Jugendtrainer der beiden Klubs sind eng eingebunden. „Wir wollen unsere Top-Talente bestmöglich fördern, das bedingt, dass wir auch unsere Trainer weiterentwickeln.“ Mit Hachinger Know-How.

Bastian Schweinsteiger und Julian Weigl kommen aus Rosenheim

Auf der anderen Seite schätzt Schwabl die „ganz besondere Tradition der Sechziger in der Nachwuchsförderung“, nicht nur Schweinsteiger und Weigl stammen aus der Rosenheimer Talentschmiede, auch weitere spätere Bundesligaspieler wie Max Nicu oder Thomas Broich, die beide übrigens als Jugendliche nach Unterhaching gewechselt waren, sind hier groß geworden. „Da können auch wir uns sicherlich noch was abschauen“, ist Schwabl zuversichtlich, dass letztlich beide Seiten profitieren werden.

Vorerst ist vor allem Rosenheim der Nutznießer, gut ausgebildete Jungs wie Fambo und Demolli können helfen, die Liga zu halten, was man zuletzt erst in der Relegation geschafft hat. „Unsere Regionalliga-Zugehörigkeit ist natürlich essentiell für diese Kooperation“, weiß Kroneck, es ist die optimale Basis für Talente, die mittelfristig in den Profifußball streben.

Was aber ist dann mit den Rosenheimer A-Junioren, die gerade den Durchmarsch in die Bayernliga geschafft haben und damit nun in einer Spielklasse mit Hachings U19 spielen? Wird denen nicht der Weg in die erste Mannschaft verbaut und damit eine Zukunft in Rosenheim? Für Schwabl war es „Grundvoraussetzung und ganz wichtiger Bestandteil der Kooperation, dass Hachinger und Rosenheimer Nachwuchstalente eingebaut und aufgebaut werden“. Kroneck spricht von einem „klaren Leistungsprinzip“, die Besten würden sich weiter durchsetzen, könnten sich nun mit den Hachinger Jungs messen und von ihnen profitieren: „Die Kooperation hilft uns, mit einem ganz jungen Kader anzutreten, womit sich auch die Tür für unsere eigenen Jungs weiter öffnet.“ Und für die Allerbesten führt der Weg vielleicht nach Unterhaching, es soll ein Geben und ein Nehmen sein.

TSV 1860 Rosenheim hat auch eine Kooperation mit SB Rosenheim

Auch Rosenheim hat keine zweite Mannschaft mehr, um also auch denen, die es nicht gleich in die 3. Liga oder Regionalliga schaffen, Spielpraxis zu geben, ist man gerade mit dem Lokalrivalen SB Rosenheim, der Landesliga spielt, eine weitere Kooperation eingegangen. „Der nächste logische Baustein nach der Kooperation mit Unterhaching“, Abteilungsleiter Franz Höhensteiger sieht damit eine optimale Basis für ambitionierte Talente aus dem Münchner Südosten. Und genau darum geht es Manni Schwabl und den Vereinen: Ein durchgängiges System zum Wohle der Spieler. Und der Klubs.

Und wenn Rosenheim mit Hachinger Hilfe nun seine Jugendarbeit, die bis vor drei, vier Jahren vorübergehend ein bisschen durchhing, wieder auf das frühere Level hievt, könnte bald noch so manches Talent wie Niclas Anspach von den Sechzigern zur SpVgg wechseln. Dann aber nicht mehr eher zufällig. Sondern von langer Hand geplant.

Quelle: Merkur.de

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