Kevin Staudigl hat beim SV Heimstetten nach seinem dritten Kreuzbandriss zum Co-Trainer umgesattelt

Staudigl: „Ich mag das Wort Karriereende nicht“

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Neuer Job an der Seitenlinie: Kevin Staudigl (mit Hugo Lopes) hat sich nach seiner Verletzung um die medizinische Betreuung beim SVH gekümmert. Nach Heiko Baumgärtners Rücktritt ist er im Winter zum Co-Trainer aufgestiegen.

Heimstetten – Kevin Staudigl ist vor dieser Saison zum SV Heimstetten gewechselt – als Spieler. Doch dann zog er sich im ersten Training den dritten Kreuzbandriss seiner Karriere zu.

Nun hat der 24-Jährige zum Co-Trainer umgesattelt, und auch wenn sein Verstand ihm sagt, dass er wohl nie wieder Fußball spielen wird – das Wort „Karriereende“ kommt Staudigl im Interview nicht über die Lippen.

Vom Spieler zum medizinischen Betreuer zum Co-Trainer: Diese Entwicklung hätten Sie wohl kaum erwartet, als Sie 2016 nach Heimstetten gekommen sind, oder Herr Staudigl?

Nein, das hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Ich wollte ja nach meinem zweiten Kreuzbandriss beim Kirchheimer SC in Heimstetten eigentlich wieder spielen. Doch leider hat mein Knie nicht mitgemacht.

Nach 14 Monaten Pause ist das Kreuzband ein drittes Mal gerissen – in Ihrem ersten Mannschaftstraining beim SVH…

… und nach gerade mal fünfzehn Minuten. Wir haben eine Übung gemacht, es war ein harmloser Zweikampf, und ich habe sofort gehört, dass da zwei, drei Sachen im Knie gerissen sind.

Ihr erster Gedanke?

Ganz ehrlich: Scheiße!

Und der zweite?

Durch meine Ausbildung zum Heilpraktiker und mein Osteopathie-Studium kenne ich mich medizinisch ja ganz gut aus. Deshalb war der zweite Gedanke: möglichst schnell Kompression und Kühlung. Aber schon der dritte Gedanken war: Das war’s jetzt wohl mit dem Fußball.

Viele andere Spieler hätten sich nach so einer Verletzung zurückgezogen. Sie dagegen sind am 5. Juli operiert worden und standen eine Woche später schon wieder mit Krücken am Spielfeldrand…

Weil ich finde, dass das dazugehört. Außerdem war’s für mich keine Frage, dass ich dem Fußball treu bleiben will. Auch deshalb war ich nach meiner Verletzung bei jedem Spiel dabei – daheim und auswärts. Und bald darauf habe ich mich dann um die medizinische Betreuung gekümmert, offiziell als Masseur.

Bis der Verein nach Heiko Baumgärtners überraschendem Rücktritt im Winter bei Ihnen angefragt hat, ob Sie den neuen Chefcoach Borislav Vujanovic als Co-Trainer unterstützen wollen.

Da musste ich nicht lange überlegen. Für mich ist das eine tolle Möglichkeit, bei so einem hochklassigen Verein als Co-Trainer einzusteigen.

 

Sie sind gerade mal 24 Jahre alt. Gibt’s da nicht ein Autoritätsproblem, wenn Sie älteren Spielern Anweisungen geben?

Die Frage kam bereits in meiner Zeit in Kirchheim immer wieder auf, wo ich erst Co- Trainer von Michael Hofmann und später Interimstrainer mit David Schittenhelm war. Aber schon damals hatte ich keinerlei Probleme, und auch hier in Heimstetten hat das gut und schnell funktioniert.

Wollen Sie jetzt, nach Ihrem Karriereende, auf der Trainerschiene bleiben?

Mir macht das auf jeden Fall Spaß – wobei ich das Wort Karriereende nicht mag.

Weil?

Weil ich noch nicht hundertprozentig abgeschlossen habe. Mein Kopf sagt zwar, dass jetzt Schluss ist, aber mein Herz ist noch anderer Meinung. Ich bin mittlerweile im achten Monat nach der Operationen, und ich werde mir sicher noch eine gewisse Zeit gönnen. Aber bei so einer Verletzung weiß man nie, wie sich das entwickelt. Deshalb werde ich das Wort Karriereende so schnell noch nicht in den Mund nehmen.

Das Gespräch führte Patrik Stäbler.

Zur Person

Kevin Staudigl stammt aus München und hat beim FC Dreistern in Trudering mit dem Fußball begonnen. Später spielte er in der Jugend für den TSV 1860 München und die SpVgg Unterhaching, wo er von 2010 bis 2011 mit der Reserve in der Bayernliga antrat. Weil es bei der Spielvereinigung jedoch nicht wie gewünscht lief, wollte Staudigl als 19-Jähriger kurzzeitig ganz mit dem Fußball aufhören – bis er nach einer mehrmonatigen Auszeit in der Kreisliga beim TSV Grasbrunn anheuerte, der damals von Heiko Baumgärtner trainiert wurde. Nach Stationen in Grünwald und beim Kirchheimer SC traf der Mittelfeldspieler seinen Ex-Trainer beim Bayernligisten SV Heimstetten wieder, wohin Staudigl 2016 wechselte. Beim SVH wird der 24-Jährige bis zum Saisonende als Co-Trainer am Seitenrand stehen; „wie es danach weitergeht, werden wir demnächst besprechen“.

Quelle: fussball-vorort.de

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