Nach Debakel beim ASV Neumarkt

Stier lässt Zukunft offen: "Muss sehen, was das Beste ist"

Nach der Ampelkarte gegen Wilson Onyemaeke (re.) ging es mit BCF Wolfratshausen in Neumarkt bergab: Am Ende stand erneut eine 1:6-Schlappe. Trainer Marco Stier zweifelt deshalb an der Ligatauglichkeit seines Kaders. Foto: Hans Lippert/A

Von wegen Wiedergutmachung: Bei der satten 1:6-Niederlage in Neumarkt taumelte der BCF Wolfratshausen massiv angeschlagen der Winterpause entgegen.

Die gute Nachricht vorab: Rein tabellarisch ist nicht viel passiert. Das Schneckenrennen im unteren Bereich der Bayernliga Süd dauert unverändert an. Wirkliches Interesse, die Gefahrenzone zu verlassen, besteht augenscheinlich bei keinem der Kellerkinder. Und für eine weitere Erfolgsmeldung aus Farcheter Sicht hätte es in Neumarkt des Schlusspfiffs nach nur zwölf Spielminuten bedurft. Zu diesem Zeitpunkt hielt der BCF nämlich ein Unentschieden und damit das von Marco Stier geforderte Minimalziel.

Doch musste der Cheftrainer im weiteren Spielverlauf zusehen, wie es fünf weitere Male hinter Tormann Alex Heep einschlug. 64 Gegentreffer in 23 Partien – das ist der Wert eines Absteigers. Oder in Schulnoten ausgedrückt: Ungenügend im Abwehrverhalten. Doch obwohl momentan erst das Zwischenzeugnis ansteht, ist der Bedarf an Nachhilfe gewaltig. Weiteres Kernproblem: Selten beenden die Wolfratshauser ihre Begegnungen in voller Mannschaftsstärke. Vier Platzverweise, fünf Ampelkarten – eine ernüchternde Bilanz. In Neumarkt erwischte es zum zweiten Mal in dieser Spielzeit Wilson Onyemaeke. Der Routinier holte sich fünf Minuten vor und sechs Minuten nach der Halbzeitpause Verwarnungen beim Referee ab. Beim Stand von 2:1 für die Gastgeber, denen fortan Tür und Tor geöffnet war. „Ab da waren wir raus“, bewertete Stier die spielentscheidende Situation, als die Blicke der Farcheter sich gen Boden richteten. Es war ein unauffälliges Vergehen, das Onyemaeke aus der Partie manövrierte. Doch die erste Verwarnung war berechtigt, und durch das anschließende Nachmaulen stand der 30-Jährige beim Schiedsrichter ganz oben auf der Liste. Stier geißelte die Anzahl an Hinausstellungen als „eindeutig zu viel“ und ordnete Wolfratshausens Rote Laterne in der Fairplay-Statistik als „einzige Katastrophe“ ein.

Aus den Worten des früheren Profis war Resignation zu vernehmen. Sein Verbleib an der Kräuterstraße über den Winter hinaus ist offenbar keineswegs in Stein gemeißelt. Zumindest ließ eine Aussage aufhorchen: „Ich will die Jungs nicht im Stich lassen, aber man muss sehen, was das Beste ist.“ Stier ist genervt von den vielen Ausfällen, die ein variantenreiches Training inklusive Lernprozess unmöglich machen. Vieles ist Stückwerk in Farchet. „Wir haben viele Baustellen, und momentan reicht die Qualität nicht, um Bayernliga zu spielen“, legte der 33-Jährige den sportlichen Offenbarungseid ab. „Wir spielen wie ein Absteiger“, schob er frustriert nach. Seinen Kickern fehlt es ob der vielen Nackenschläge an Spritzigkeit und mentaler Frische. Jedes Wochenende steht praktisch die gleiche Elf auf dem Platz. Für das am kommenden Samstag angesetzte letzte Heimspiel gegen Schwabmünchen faltet Stier die Hände: „Man kann nur zum Himmel beten, dass viel Schnee runter kommt.“

Dass seine Schützlinge am Samstag in der Oberpfalz die geforderte Reaktion zeigten, wollte er ihnen gar nicht absprechen. Immerhin konterte der Ballclub den frühen Rückstand durch einen Sonntagsschuss durch Marco Tomicics Flachschuss aus 20 Metern zum 1:1 (11.). Doch dann patzte Mustafar Kantar, hob schlafmützig das Abseits auf. Wieder ein individueller Schnitzer, und abermals stand ein Innenverteidiger im Fokus. Stier räumte ein „großes Problem“ in der BCF-Abwehr ein. Mit Onyemaeke verabschiedete sich aus genannten Gründen der zweite zentrale Defensivspieler vorzeitig. Umgehend stellte Neumarkt auf 3:1. „Danach war Feierabend bei uns“, sagte Stier und beschrieb damit ungewollt die aktuelle Endzeitstimmung in Wolfratshausen gleich mit.

ASV Neumarkt – BCF Wolfratshausen 6:1 ASV Neumarkt: Schmidt, Marx, Bindner, Lang, Buchner, Eger (78. Mjaki), Smarzoch, Ammon (46. Mazanec), Neumayer, Schrödl, Grunner (83. Bulinger) - Trainer: HaußnerBCF Wolfratshausen: Heep, Gobitaka, Kantar, Skoro, Knecht, Puta (56. Nummer), Tomicic (75. Vidovic), Rödl (75. Schnabel), Onyemaeke, Lehr, Hauk - Trainer: StierSchiedsrichter: Dotzel (Heidenfeld) - Zuschauer: 160Tore: 1:0 Schrödl (2.), 1:1 Tomicic (11.), 2:1 Ammon (14.), 3:1 Schrödl (61.), 4:1 Grunner (76.), 5:1 Neumayer (80.), 6:1 Schrödl (89.)Gelb-Rot: Onyemaeke (52./BCF Wolfratshausen/wiederholtes Foulspiel)

Quelle: fussball-vorort.de

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