Mehr Frauen in die Führungspositionen 

Stimmen aus den Vereinen im Landkreis: Quote wäre ein Anfang

Rote Karte für die marode Männerwirtschaft: Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb ist eine der prominenten Unterstützerinnen der Initiative „Fußball kann mehr“ – mehr Frauen in Führungspositionen.
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Rote Karte für die marode Männerwirtschaft: Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb ist eine der prominenten Unterstützerinnen der Initiative „Fußball kann mehr“ – mehr Frauen in Führungspositionen.

Die Frauen fordern mehr Mitspracherecht in bestimmten Entscheidungen im Fußball. Die Frage, ob es demnächst eine DFB-Präsidentin geben sollte, beantworten viele mit ja. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Während der Deutsche Fußball-Verband* in den vergangenen Wochen immer weiter in die Krise geschlittert ist und Präsident Fritz Keller* partout nicht von seinem Amt lassen wollte, hat die Sportjournalistin Gaby Papenburg die Initiative „Fußball kann mehr“ ins Leben gerufen. Zusammen mit acht bekannten Mitstreiterinnen, wie etwa die Fußballschiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb oder die ehemalige Nationaltorhüterin Katja Kraus fordert die Initiative Gleichberechtigung und mehr Frauen im Profi-Fußball. Drei zentrale Punkte enthält das Positionspapier: eine Quote von mindestens 30 Prozent Frauen in Führungspositionen bis 2024; Gehaltstransparenz, also gleiche Bezahlung für gleiche Jobs und bessere Rahmenbedingungen und Förderprogramme für mehr Chancengleichheit.

Mehr Frauenpower also in den Führungsriegen des deutschen Fußballs und ein Ende der maroden Männerwirtschaft. „Frauen kommen schlichtweg nicht vor. Über 90 Prozent in den Führungspositionen im Fußball als Arbeitsbereich sind Männer. Es ist an der Zeit, das zu ändern. Und ohne Quote funktioniert es nicht“, behauptet Papenburg. Doch wie sieht man die Reformbestrebungen an der Basis? Der Tenor bei den Fußballerinnen im Landkreis: Gleichberechtigung und gehaltliche Gleichstellung sind selbstverständlich, denn in der ehemaligen Männerdomäne mischen die Fußballerinnen längst auf hohem Niveau mit. Eine fixe Frauenquote könnte ein Anfang sein, um die verkrusteten Strukturen aufzubrechen, müsste allerdings einhergehen mit einer entsprechenden Qualifikation der Kandidatinnen.

BCF Wolfratshausen: Festgelegter Frauenanteil kann sinnvoll sein 

„Bei solchen Forderungen bis ich zwiegespalten“, räumt Marina Siegl vomBCF Wolf-ratshausen ein. Die Mittelfeldspielerin und Interimsspielführerin beim Landesligisten ist nämlich „überhaupt kein Fan von Quoten. Frauen müssen ebenso wie Männer Leistung bringen, und zwar unabhängig ob im Sport oder in der Wirtschaft.“ Allerdings, so Siegl, kann ein festgelegter Frauenanteil sinnvoll sein. „Wenn Frauen in solche alteingesessenen Positionen sonst gar nicht hineinkommen, kann man über eine Quote durchaus nachdenken.“

Sandra Ott, Trainerin und Spielerin beim Bezirksoberligisten FSV Höhenrain, sieht zwar Handlungsbedarf – am wenigsten aber bei der Quote. „Das ist höchstens ein Ansatzpunkt, aber ich bin kein Freund derart fester Regelungen.“ Viel wichtiger sind Ott inhaltliche Themen: „Das beste Konzept soll sich durchsetzen, egal, wer es präsentiert.“ Und die externe Unterstützung. Wer an die DFB-Spitze wolle, der müsse auf jeden Fall „die Landesverbände hinter sich haben“.

Eine DFB-Präsidentin? Bereits im April 2019 hatte sich Ute Groth, Vorsitzende der DJK 06 Düsseldorf und Vertreterin des Amateursports im DFB, um das höchste Amt im deutschen Fußball beworben. Mit Fritz Keller hatte damals wiederum ein „alter, weißer Mann“ – wie diese Spezies seit Kurzem im politischen Diskurs abwertend genannt wird – den Vorzug bekommen. Dabei wird nicht nur von Frauen eine weibliche Spitzenkraft beim Fußball-Bund begrüßt. „Das würde ich sofort unterstützen“, bekunden zum Beispiel Sepp Huber und Hans Adlwarth unisono, ihres Zeichens Trainer der Frauenmannschaften bei den SF Bichl und bei der SG Bad Tölz/Wackersberg.

Die Tölzer SG-Kapitänin Veronika Müller ist gleichzeitig Trainerin der Tölzer G-Jugend. „Ich habe 15 Buben im Team und drei Mädchen, und die werden respektiert“, erzählt die 29-Jährige. „Gleichberechtigung im Fußball ist eine fällige Entwicklung, und seit einiger Zeit geht’s in die richtige Richtung“, hat Müller beobachtet. Mit Quoten hat sie nichts am Hut, das Konstrukt müsse eben passen. Auch wenn die Frauen im Profi-Fußball aufholen, wird es immer irgendwo Unterschiede geben: „Eine Stürmerin wird niemals so viel verdienen wie ein Lewandowski.“

Sabine Ebicher: „Frauenmannschaft aus Frankfurt hat das Triple schon lange vor dem FC Bayern geholt“

„Jemanden, der bei dem ganzen Gemauschel aufräumt“, wünscht sich Monika Zinsmeister. Die Jugendleiterin beim SV Sachsenkam hat in der 90er Jahren selbst gekickt. „Damals sind wir belächelt worden. Das ist bei unserer heutigen Frauenmannschaft nicht mehr der Fall. Da hat sich inzwischen Vieles zum Positiven gewandelt“, hat Zinsmeister beobachtet. Als lobendes Beispiel führt sie den Deutschen Ski-Verband ins Feld. „Da stehen Männer und Frauen auf einer Ebene in Sachen Professionalität und Wertschätzung.“

Mit Kopfschütteln quittiert Sabine Ebnicher das Hick-Hack an der DFB-Spitze. Die 24-jährige Lenggrieserin ist schon viel herumgekommen und kennt sich gut aus im deutschen Fußball: Vom FFC Wacker führte sie der Weg zu einem College-Team nach Hattiesburg/Mississippi, dann zurück in den Isarwinkel zur SG Lenggries/Gaißach. Wegen ihres Studiums hat Ebnicher derzeit ein Zweitspielrecht beim Landesligisten Grün-Weiß Deggendorf.

„Alle reden vom Triple desFC Bayern*, dabei haben die Frankfurter Frauen schon lange vorher das erste Triple für den deutschen Fußball geholt,“ sagt die Mittelfeldspielerin. Ein Blick in die Fußballannalen klärt auf: Die FFC-Mädels wurden für ihre Triple-Triumphe bereits zweimal am Frankfurter Römer gefeiert (2002 und 2008), ehe 2013 die FCB-Stars Meisterschale, Pokal und Henkelpott vom Münchner Rathausbalkon präsentierten. Scrollt man auf der DFB-Homepage durchs Präsidium, so stößt man in dem 17-köpfigen Gremium lediglich auf eine Frau: Hannelore Ratzeburg, Vizepräsidentin für Gleichstellung, Frauen- und Mädchenfußball. „Es ist an der Zeit, dass mehr Frauen im Präsidium mitarbeiten“, fordert Ebnicher, „wie auch generell auf allen Fußball-Ebenen.“

Eine verbindliche Quote bis 2024 – das wäre für Monika Stöger, Spielführerin beim TSV Königsdorf, „eine gute Sache“, zumindest eine Hausnummer. „Wie das wäre, wenn man das auch unten im Amateurbereich aufgreift“, sinniert Stöger, und glaubt: „Mehr Wertschätzung würde es dem Frauenfußball sicherlich einbringen.“

Auch Katrin Specker, Spielführerin der SF Bichl, möchte die Frauen mit mehr Verantwortung betraut sehen. Ihr Credo: „Frauen spielen gut Fußball, warum sollen sie sich nicht auch gut in Führungspositionen durchsetzen können.“ Ihre Favoritin fürs Amt der DFB-Präsidentin wäre die ehemalige deutsche Nationaltorhüterin und Europameisterin Katja Kraus. „Sie hat viel mitgemacht und Ahnung von der Materie. Vielleicht könnte sie den DFB aus der Krise führen.“

WOLFGANG STAUNER

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Quelle: Merkur.de

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