1. tz
  2. Sport
  3. Amateure

Stolperer und Bogenlampen: Erdinger Torwarte und ihre Missgeschicke

Erstellt:

Von: Dieter Priglmeir

Kommentare

Dieter Priglmeir
Dieter Priglmeir © privat

Auch die Nummer 1 kann Fehler machen. Das ist Teil 1 einer Anekdotensammlung.

112 Gegentore hat der SV Wörth 2 in dieser A-Klassen-Saison schon kassiert. Wer ist daran schuld? Sicher nicht der Torwart. Denn in den letzten fünf Spielen, die die Mannschaft bestritten hat, standen vier verschiedene Leute im Kasten. Unter anderem Steffen Trümmel, den die Mannschaft schon früher in der Saison als Trainer abgesägt hatte, aber das ist eine andere Geschichte. Wir wollen nur all den Wörther Keepern und Bucher Torhütern (71 Gegentore in der Kreisklasse) hiermit sagen: Fette Niederlagen haben auch die besten Schlussmänner schon kassiert.

Vitus Eicher etwa erinnert sich an eine 0:7-Pleite mit der Zweiten des TSV 1860 München gegen die TSG Hoffenheim 2, und eine Woche drauf folgte eine 0:5-Packung in Worms. Die drei Rote Karten in den zwei Spielen hübschten die Saison auch nicht gerade auf. Horrorwochen in einem Jahr, das der Langengeislinger dennoch in guter Erinnerung hat, weil er in jenem Jahr auch zu seinem ersten Zweitliga-Spiel mit den Sechzgern kam. Übrigens: Dass er an einem der zwölf Tore schuld war, daran kann sich Eicher nicht mehr erinnern.

Da geht es Markus Listl ähnlich. Alle Tore beim Dorfener 1:7 in Bad Endorf waren unhaltbar. Zumindest weiß der heute 51-Jährige nichts mehr von einem Riesenklops seinerseits. Nicht vergessen hat er allerdings, dass Trainer Hans Hausmann die ganze Mannschaft seinerzeit mit einem Volksfestbann belegt hat. So ganz ernst hätten das zum Beispiel er und Christoph Speer nicht genommen, erinnert sich Listl grinsend. Düsterer wird da seine Miene, wenn er von dem Freistoßtor spricht, das er mal in Sulzemoos kassiert hat: von der Mittellinie. „Ich habe den Ball einfach unterlaufen. Und wer weiß, wie nahe in Sulzemoos die Zuschauer am Spielfeld stehen, kann sich vorstellen, was für einen Spaß ich den Rest des Spiels hatte“, so Listl.

Andi Bölsterl hat mal ein ähnliches Ding kassiert. „Es war eine Bogenlampe aus über 40 Metern“, erzählt der 1,97-Meter-Mann aus Inning von der Partie gegen die SG Reichenkirchen. Wie das Spiel damals ausgegangen ist, wisse er nicht mehr. „Gewonnen haben wir jedenfalls nicht“, sagt der 47-Jährige. Klar, das Tor ging auf seine Kappe, „aber geschimpft hat keiner“, erinnert er sich. „Das war ja auch mein Geburtstag. Wahrscheinlich hatten sie Angst, dass ich dann am Abend nichts mehr ausgebe“, meint er grinsend.

Apropos schimpfen: Wenn Robert Jell zu viele Tore kassiert hat – wie zum Beispiel bei einem 0:9 gegen Aspis – dann sollte man ihn nicht ansprechen. „Wenn ich sauer bin, dann fahr ich mein Kinn aus, wurde mir mal gesagt“, erzählt der Vorsitzende des FC Schwaig. „Ich bin froh, dass ich mich da selber nicht sehen kann.“ Unvergessen bleibt für ihn der Treffer bei einem Pokalturnier, als ihm der Ball zurückgespielt wurde. „Ich wollte ihn locker seitlich mitnehmen. Damals war unser Platz noch nicht so gut wie heute“, erzählt der heute 52-Jährige. Jell blieb im Rasen hängen, stolperte und musste am Boden liegend zusehen, wie der Eittinger Stürmer ins leere Tor traf.

Womit wir bei den blödesten, wenn nicht sogar saublödesten Toren angelangt sind, die unsere Keeper kassiert haben. Oder auch Nicht-Tore. Lukas Loher schwört heute noch, dass er seinerzeit im Kreisliga-Punktspiel gegen den FC Schwaig den Ball auf der Linie geklärt hat. „Der Linienrichter sah es leider anders“, erzählt der Taufkirchener. Schlimmer noch als das Tor: Loher war mit dem Knie gegen den Pfosten gekracht. „Ich habe heute noch die Narbe“, sagt er. Damals spielt er durch, war mit einigen Glanztaten dafür verantwortlich, dass die Partie nur 1:4 ausging. Danach aber war er die komplette Rückrunde verletzt und kam erst in der folgenden Bezirksliga-Runde zurück. Inzwischen ist er bei der BSG Stammkeeper und hat zuletzt gegen den SC Kirchdorf gleich zwei Elfmeter gehalten. Das können auch nicht viele Torhüter von sich sagen.

Wir müssen aber auch zugeben, dass wir zum Beispiel Fredy Obermeier danach gar nicht gefragt haben. Mit dem FC Moosinning hat er große Zeiten erlebt: zum Beispiel den Aufstieg in die Bezirksoberliga. Eine Woche bevor dieser feststand, hatte der FC in Milbertshofen 0:7 verloren. Die Ansprache von Otto Humplmair beim folgenden Training hat er ebenso noch im Kopf wie die Busfahrt nach dem 0:5 in Garmisch. Er selber sei nach Niederlagen nicht ansprechbar gewesen. „Und dann hatten wir Spieler wie Olli Chadt, Thomas Reiser oder Fredy Bertsch. Denen bist du nach Niederlagen lieber aus dem Weg gegangen“, erzählt Obermeier. Und das habe auch noch für das kommende Training am Dienstag gegolten. „Aber das war eine andere Zeit“, sagt der 56-Jährige.“

Da hat er Recht, aber saudumme und viele Gegentore wird’s immer geben. Wir haben noch einige weitere Geschichten gesammelt. Die gibt’s kommende Woche.

Haben auch Sie eine Story? Fällt auch Ihnen eine kuriose Torwart- oder andere Sportanekdote ein? Wir hören Sie uns gern an, Tel. (08122) 412130 oder sport@erdinger-anzeiger.de.

Auch interessant

Kommentare