Trainerduo geht nach erneutem Abbruch vorzeitig

SV Anzing: Das turbulente Jahr 2020 des Ex-Trainergespanns Uzun und Dolanjski

Aus nach dem zweiten Saisonstopp: Süleyman Uzun hat sich mit Partner Dolanjski vom SVA verabschiedet.
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Aus nach dem zweiten Saisonstopp: Süleyman Uzun hat sich mit Partner Dolanjski vom SVA verabschiedet.

Das Trainergespann Süleyman Uzun und Nikola Dolanjski verlässt den SV Anzing vorzeitig. Sie blicken auf ein turbulentes Jahr 2020 zurück.

Anzing – „Wir wussten, dass es schwierig wird.“ Eigentlich könnte man die Aussage von Süleyman Uzun über so viele Artikel und Geschichten in diesem „Krisenjahr 2020“ schreiben. In großen Lettern. So eben auch über die dritte und letzte Spielzeit von Uzun als Spielertrainer des Kreisligisten SV Anzing.

Nach dem Gewaltmarsch mit Nachbarklub VfB Forstinning von der Kreisklasse in die Landesliga-Relegation, entschied sich der heute 31 Jahre alte Mittelfeldspieler im Sommer 2017 dazu, beim SVA seine Trainerkarriere zu starten. „Die absolut richtige Entscheidung“, sagt Uzun.

Uzun: „Wir sind stolz darauf, alle Spieler weiterentwickelt zu haben“

Einen Sommer später folgte ihm sein VfB-Teamkollege Nikola Dolanjski (37) und verstärkte sowohl das Trainerteam als auch die Anzinger Abwehr. Gemeinsam büffelte das Spielertrainer-Duo an der Sportschule Oberhaching für die B-Lizenz und führte seine Mannschaft auf einen gesicherten Mittelfeldplatz sechs. Uzun: „Wir sind stolz darauf, alle Spieler weiterentwickelt zu haben. Darauf wird man privat öfter angesprochen, dass wir sehr viele Nachwuchs-, zu Stammspielern bei den Herren geformt haben.“

SV Anzing: Abschied von Uzun und Dolanjski im Sommer diesen Jahres geplant

Dann folgte die seit mittlerweile 16 Monaten andauernde Marathon-Saison, von der spätestens im April abzusehen war, dass sie für alle Beteiligten schwierig werden würde. Die emotionale Achterbahnfahrt für Uzun und Dolanjski nahm ihren Anlauf mit einem Beschluss in der Wintervorbereitung. Einvernehmlich hatte man sich mit der Anzinger Abteilungsleitung auf einen Abschied nach der Saison im Sommer verständigt.

Nach drei gemeinsamen Jahren war es Süleyman Uzun gerade in seinem Wohnort wichtig, die Wohlfühloase sportlich nicht irgendwann im Streit verlassen zu müssen. Kurz nach dem ersten Ligastopp Mitte März wurde die Mannschaft über den Abschied informiert – nach dem geplanten Saisonende im Sommer.

SV Anzing: Nachfolger Rickhoff bleibt zunächst in Finsing - Uzun und Dolanjski sollen Saison beenden

Bekanntlich wurde daraus nichts. Und da sich der, damals noch inoffizielle Nachfolger Christian Rickhoff nicht einfach aus dem Abstiegskampf des FC Finsing verabschieden konnte und wollte, verlängerten Uzun und Dolanjski bis zum Saisonende auf unbestimmte Zeit. „Aber Nikola und ich wussten, wenn wir das bis nächsten Sommer durchziehen, dass es sehr schwierig wird, weiter den Draht zur Mannschaft zu finden und hundert Prozent rauszuholen.“

Praktisch setzte es nach einer Mannschaftsquarantäne und dem späten Re-Start in vier Pflichtspielen drei knappe Niederlagen und ein Remis. „Ich kann keinem Spieler vorwerfen, nicht hundert Prozent gegeben oder gegen uns gespielt zu haben“, sagt Uzun. „Aber Corona war als Dauerthema für alle vom Kopf her schwierig. Dann kommt so eine Phase, wo es in den letzten Spielen nicht so gut läuft.“

SV Anzing: Sofortiger Abschied nach zweitem Abbruch

Schon vor dem derzeit zweiten Spielstopp war Rickhoff schließlich zu einem Wechsel in der Winterpause bereit, und Uzun/Dolanjski wollten diesem nicht im Weg stehen (wir berichteten). „Nach dem Srbija-Spiel haben wir den Jungs in der Kabine gesagt, dass wir im Winter aufhören. Die Spieler waren geschockt, weil sie dachten, wir ziehen bis Sommer durch.“ Die plötzlich vorzeitige Winterpause verhinderte eine Art Abschiedsspiel. Auch die ordentliche Ausstandsfeier wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Uzun: „Wir sind beide offen für neue Herausforderungen“

Wenig lief also nach Plan für das Trainergespann, das sich in unsicheren Zeiten neu orientieren will. „Wir sind beide offen für neue Herausforderungen, ob gemeinsam oder getrennt. Uzun persönlich würde gerne bei einem Herrenteam anheuern, „das dazulernen und sich weiterentwickeln will“. Als Cheftrainer oder ab der Bezirksliga auch als Assistent unter einem erfahrenen Übungsleiter. „Ich entwickle mich gerne weiter, will deshalb auch die DFB-Elite-Lizenz machen.“

Nur liegt der Trainermarkt quasi auf Eis. Außerhalb von Vereins- und Trainerbörsen im Netz mit losen Kontaktaufnahmen, hatte Uzun bislang kein konkretes Gespräch mit einem Vereinsverantwortlichen. Dabei würde er gerne schon in der Wintervorbereitung neu durchstarten, um das Team in Ruhe kennenzulernen. „Viele haben auch noch gar nicht mitbekommen, dass wir in Anzing aufgehört haben.“ Es dürfte also mal wieder schwierig werden. „Ich kann aber auch wieder bis Sommer warten“, schmunzelt Süleyman Uzun. JULIAN BETZL

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