Neuer Trainer des SV Anzing im Interview

Rickhoff: „Sich einen Plan zurecht zu legen, der funktioniert, macht Spaß“

Nicht aufzuhalten: Christian Rickhoff war acht Jahre Torjäger des FC Finsing. Jetzt übernimmt der 30-Jährige seine erste Trainerstelle beim Kreisligisten SV Anzing.
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Nicht aufzuhalten: Christian Rickhoff war acht Jahre Torjäger des FC Finsing. Jetzt übernimmt der 30-Jährige seine erste Trainerstelle beim Kreisligisten SV Anzing.

Ab sofort steht Christian Rickhoff beim SV Anzing auf der Kommandobrücke. Der 30-Jährige übernimmt den Kreisligisten. Das Interview mit dem neuen Trainer.

Seine neue Leidenschaft, die Christian Rickhoff, 30, im Frühjahrs-Lockdown entwickelt hat, dürfte bei den Kreisliga-Fußballern des SV Anzing wenig Begeisterung auslösen, wenn sie an die anstehende Vorbereitung mit ihrem neuen Spielertrainer denken: Aus Mangel an Alternativen hat sich der langjährige Torgarant des FC Finsing peu à peu an die Olympische Distanz des Triathlons herangearbeitet.

Die Zeiten über die 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen stimmen den gebürtigen Landshamer zuversichtlich für eine erste Wettkampfteilnahme. „Da ich leider nicht der geborene Schwimmer bin, muss diese Teildisziplin noch gescheit mit einem Schwimmlehrer dazukommen, wenn das wieder möglich ist.“ Dass sich an das Anzinger Sportgelände eine wunderbare Laufstrecke durch den Anzinger Forst anschließt, nimmt Christian Rickhoff im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung erfreut zur Kenntnis. Grüße an die Mannschaft.

Wie lernt man einen neuen Verein und eine neue Mannschaft kennen, wenn das Vereinsleben stillsteht, Herr Rickhoff?

Christian Rickhoff: Ein Vorteil dabei war, dass ich mir vor dem aktuellen Lockdown noch Spiele der Anzinger anschauen konnte und auch persönliche Treffen möglich waren. Da es aber von Platz zu Platz nur wenige Kilometer sind und man schon ein paar Spieler kennt, die gleich nachfragen, wenn man mal beim Benno (Stadler, Spieler und Pressesprecher beim SVA, d. Red.) parkt, spricht sich manches schneller rum, als man es vielleicht gerne hätte. Insgesamt ist das Kennenlernen extrem schwierig. Ich habe mich bei der Mannschaft per Video vorgestellt, das ist eigentlich gar nicht meins. Ich werde auch nicht anfangen, einmal in der Woche ein Zoom-Meeting einzurichten.

Christian Richhoff hat nicht das Gefühl, den FC Finsing im Stich zu lassen

Haben Sie seit Ihrer inoffiziellen Zusage im Frühjahr immer mit einem Auge nach Anzing gelinst?

Natürlich habe ich mir immer parallel angeschaut und gelesen, wer spielt und wie aufgestellt wird. Es war später auch für alle klar, dass man über einen Wechsel im Winter reden kann, wenn es Sinn macht. Bei Finsing war vor der Rückrunde natürlich der absolute Wille da, den Klassenerhalt noch zu schaffen. Jetzt stehen wir fußballerisch aber völlig zu unrecht so weit unten drin, dass die Situation relativ aussichtslos ist. Daher habe ich jetzt nicht das Gefühl, die Mannschaft im Stich zu lassen, zumal die Mitspieler verstehen, dass es mir um meine Zukunft als Trainer geht.

Apropos: Wie groß ist die Herausforderung, auf der ersten Station als Cheftrainer gleichzeitig Sturmhoffnung in der Kreisliga zu sein?

Dadurch, dass in den letzten Jahren immer viel Hoffnung und Erwartungen in mich gesteckt wurden, kann ich damit mittlerweile recht gut umgehen. Nachdem ich in Finsing in den letzten sechs Jahren immer mal mehr, mal weniger Co-Trainer war, der notfalls aber immer die Verantwortung abgeben konnte, ist es mit 30 Jahren für mich gefühlt der ideale Zeitpunkt, um selbst mal den Hut aufzuhaben.

Christian Rickhoff: „Ich muss nicht unbedingt selbst die Tore schießen“

Und gleichzeitig dem Spitznamen „CR7“ auf dem Platz gerecht werden?

Ob ich tatsächlich zur Sturmhoffnung werde, wird man sehen. Die aktuelle Anzinger Truppe ist gut und jung, da werde ich keinem jungen Stürmer sagen: Mir wurscht, das ist mein Platz! Mal schauen, wo der sinnvollste Platz für mich ist. Dass ich kicken will, steht außer Frage. Ob und wo ich das in Anzing auch muss, steht auf einem anderen Blatt. Ich muss nicht unbedingt selbst die Tore schießen und habe in der Bezirksliga schon jede Position gespielt.

Woher rührt Ihre Begeisterung fürs Coaching?

Ich war schon immer fußballverrückt und hatte auch einen sehr guten Blick für das taktische Denken dabei. Von Klein auf hat sich bei mir und meinem Bruder Markus (31, Kapitän FC Finsing, d. Red.) alles um Fußball auf den Bolzplätzen gedreht. Mit 17 Jahren habe ich dann eine Sondergenehmigung für den Herrenbereich bekommen und war bald vor und nach den Spielen wesentlich mehr mit den Trainern im Austausch. Sich einen Plan zurecht zu legen, der im Idealfall im Spiel funktioniert, macht Spaß, und ich schaue auch im Profibereich mittlerweile mehr auf die Taktik als auf die tollen Spieler.

SV Anzing: Rickhoff will „Mischung aus Ballbesitz, Chance kreieren und sicher stehen“

Aber die aktive Trainerrolle . . .

. . . habe ich dann bei den A-Junioren kennengelernt. Zwei, drei von den Jungs spielen jetzt in der Finsinger Ersten eine gute Rolle. Diese Entwicklung zu sehen, reizt mich sehr und war auch ein Grund dafür, nach Anzing zu gehen. Das ist ein extrem junger Haufen, der lernen und gleichzeitig auch schönen Fußball spielen will.

Sie haben kürzlich Ihre B-Lizenz erworben. Haben Sie schon einen persönlichen Trainerstil entwickelt?

Prinzipiell hatte ich schon immer in erster Linie lieber selbst den Ball, als ihm hinterherzulaufen. Trotzdem habe ich auch in Finsing über die Jahre gelernt, defensiv gut zu stehen, schnell umzuschalten und damit effektiv zu spielen. Es ist also eine gezielte Mischung aus Ballbesitz, Chancen kreieren und sicher stehen.

Ziel mit dem SV Anzing: Sorglos im oberen Berich mitschwimmen

Was haben Sie sich konkret für Ihr Premierenjahr 2021 beim SVA vorgenommen?

Unter dem Aspekt, dass alles so läuft, wie wir uns das alle wünschen, wollen wir in der Rückrunde den Grundstein dafür legen, dass die Spieler verinnerlichen, worauf es mir und meinem Co-Trainer Christian Rauch ankommt. Es ist gut, dass wir quasi ein halbes Jahr lang Zeit haben, in dem wir unbeschwert arbeiten können – gleichzeitig natürlich schauen, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Konkret will ich jetzt keine großen Ziele ausschreiben. Generell ist der Fußball im Hobbybereich tausend Prozent geiler, wenn man am Wochenende gewinnt. Wenn die junge Mannschaft diese Mentalität an den Tag legt, will ich zur nächsten Saison zwar nicht von Aufstieg reden; aber es könnte dafür reichen, dass man sorglos im oberen Bereich mitschwimmt.

Das Interview führte Julian Betzl

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