Bad Heilbrunns Anton Krinner spricht über den Landesliga-Aufstieg

Krinner über Bad Heilbrunns Aufstieg: „Wie damals, als Deutschland Weltmeister wurde“

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Unglaubliche Entwicklung: Anton Krinner (li.) und seine Heilbrunner sind vom Tabellenletzten der Kreisklasse nach drei Aufstiegen in Folge in der Landesliga gelandet.

Der SV Bad Heilbrunn marschierte als Aufsteiger durch die Bezirksliga – und wie: Drei Spieltage vor Schluss sicherte sich das Team, im Herbst 2014 noch Tabellenletzter der Kreisklasse, mit elf Punkten Vorsprung die Meisterschaft und spielt nächste Saison in der Landesliga.

Flügelflitzer Anton Krinner (25) unterbrach die seit Freitag andauernden Aufstiegsfeierlichkeiten zum Interview. Der Elektrotechnik-Student spricht über die Gründe für den Durchmarsch, harte Arbeit und warum der Gardasee-Spontantrip doch nicht stattfand.

Herr Krinner, SV Bad Heilbrunn in der Landesliga – wie klingt das?

Unrealistisch, völlig. Wir brauchen Zeit, um das zu realisieren. Es war komisch: Nach dem 3:0 gegen Denklingen haben wir gefeiert, am Samstag beim Neuperlach-Spiel am Live-Ticker gezittert und dann gejubelt, aber es war total unrealistisch.

Als Verfolger SVN München nur 2:2 spielte, stand der HSV als Meister fest...

Wir sind im Sportheim völlig ausgerastet, sind über den Platz gehüpft, sind uns in die Arme gefallen, haben gesungen, gejubelt, Wahnsinn. Freilich wär’s noch schöner gewesen, wenn wir auf eigenem Platz Meister geworden wären. Aber in dem Moment hat daran keiner gedacht. Da hat sich jeder nur gefreut.

Wie konnte es dazu kommen?

Es ist unbegreiflich, wir haben vor der Saison gehofft, die Klasse zu halten und jetzt das. Es ist wie ein Traum. Und das zusammen mit deinen Spezln, mit denen du in die Schule gegangen bist, mit denen du schon in der Jugend zusammengespielt hast. Und dann sind wir auch noch so eine junge Truppe – ich bin der drittälteste mit 25 Jahren!

Was sind die Gründe für den Erfolg?

Wir haben eine gute Mannschaft, einen guten Trainer, außenrum alles top, das schweißt dich zusammen. Wir hatten auch ein wenig Glück, des brauchst immer. Aber die 15 Gegentore waren kein Glück, das ist harte Arbeit. Und dann haben wir auch noch gut Fußball gespielt.

Was hat Euch so stark gemacht?

Wir waren diszipliniert, sieht man auch an der Fairnesstabelle, wir haben nur 24 Gelbe Karten in 25 Spielen bekommen, eine Gelb-Rote – ich! Aber wir waren auch diszipliniert, was die Vorgaben des Trainers anbelangt.

Welchen Anteil hat Trainer Walter Lang am Aufstieg?

Die Meisterschaft trägt seine Handschrift, der Walter ist der Beste! Seine Stärke ist nicht nur das fußballerische Wissen und Können, sondern auch das menschliche. Er weiß mit jedem Spieler umzugehen, weiß, wie er jeden einzelnen anpacken muss.

Aber am Ende gewinnt das Team auf dem Feld...

Ja, wir sind wirklich ein Team. Und zwar nicht nur die elf, die spielen, sondern alle bis zum 18., 19. Spieler. Der Zusammenhalt beim HSV ist abartig. Das sieht man jede 90 Minuten. Wir sind vielleicht nicht die besten Einzelspieler, aber wir sind einfach das beste Team. So wie damals die deutsche Nationalmannschaft, als sie Weltmeister geworden ist.

Aber ein Haufen guter Spezln gewinnt noch keine Meisterschaft...

Nein, aber ein gutes Team, das auch noch gut Fußball spielt. Wir waren einfach gut, effektiv, auch wenn wir noch 20 Tore mehr hätten schießen können. Jeder Mannschaftsteil hat funktioniert und zusammengearbeitet – vom Torwart bis zum Sturm.

Die Spieler haben sich auch entwickelt. Sie zum Beispiel waren früher ein Haudrauf, der sich das Leben mit vielen gelben Karten schwer gemacht hat...

Ja, Harakiri. Aber das ist auch so eine Trainer-Sache. Man muss sich nur den Anton Pappritz anschauen. Früher ist er mit Kopf unten über den Platz geschlichen, jetzt ist er zum Leader geworden, der in einem Spiel zwei Tore macht.

Wie geht’s weiter?

Wir feiern jetzt noch eine Weile, das Sportheim ist gerade unsere zweite Heimat, am Sonntag wären wir fast spontan zum Gardasee gefahren. Wir hatten den Bus schon beladen, haben aber keinen Fahrer gefunden. Jetzt spielen wir noch die drei Spiele, dann fahren wir nach Mallorca, da sind fast alle dabei. Und dann machen wir uns bereit für die Landesliga.

Der nächste Aufstieg? Diesmal beim Heimspiel?

Wäre schön, ja. (lacht) Nein, sicher nicht, Landesliga wird etwas ganz anderes. Es ist doch eh schon Wahnsinn, das kleine Dörferl Heilbrunn in der Landesliga. Viele sehen uns ja schon als sicheren Absteiger. Und es ist klar: Wir werden jetzt sicher nicht mehr alle Spiele gewinnen. Aber wir geben einfach alles, um den Klassenerhalt zu sichern, das wäre eh schon Wahnsinn. Wird halt zach.

Mit der gleichen Mannschaft?

Es bleiben tausendprozentig alle dabei, hier geht keiner weg, das will sich keiner nehmen lassen.

Geld bekommt keiner?

Niemand. Alles, was wir haben, ist die Mannschaftskasse, in die man Strafe zahlen muss. Aber da kommt auch nicht viel rein. Am schlimmsten ist die Strafe für Trinken im Trikot: Wenn man nach dem Spiel ein Bier trinkt, muss man zahlen. Und das kam heuer doch öfter vor...

Quelle: Merkur.de

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