Lautstark und kritisch

Matejka ist nicht mehr Präsident - aber am Spielfeldrand weiter gut zu hören 

+
Harmonie am Spielfeldrand: Ewald Matejka (rechts) mit seinem Nachfolger Magnus Harlander.

Ewald Matejka ist nicht mehr SVH-Vorsitzender - am Spielfeldrand ist er aber weiter zu hören

Heimstetten – „Ein feines Füßchen und ein schneller Antritt“, das habe ihn als aktiven Fußballer ausgezeichnet, hat Ewald Matejka eben noch gesagt. Und nun – als wolle er beweisen, dass Zweiteres heute noch gilt – spurtet er die Bande entlang, um auf Höhe des Linienrichters selbigem die Meinung zu sagen. Lautstark und kritisch, so wie man es von Matejka kennt.

Auch an diesem Tag steht er – den Fanschal um den Hals – an seinem Stammplatz unweit der Eckfahne und fiebert mit seinem SV Heimstetten mit, der gegen den Regionalliga-Spitzenreiter Türkgücü München antritt. Matejka feuert an, zetert, lobt und motzt – so weit, so bekannt. Und doch ist eines heute anders: Der 67-Jährige steht nicht mehr als Präsident des SVH an der Bande, sondern nur noch als Fan. „Mein letztes funktionsloses Spiel müsste in der Saison 2004/05 in der Landesliga gegen Kottern gewesen sein“, sagt Matejka, der über ein sagenhaftes Gedächtnis verfügt – zumindest was Fußballstatistiken angeht.

Am Donnerstag hat er sein Präsidentenamt abgegeben – nach fast 15 Jahren. Schon seit Längerem habe er nach einem geeigneten Nachfolger gesucht, sagt er, und diesen nun in Magnus Harlander gefunden. Zudem sei seine Frau unlängst in Ruhestand gegangen; gemeinsam wolle man sich mehr um die 18-monatige Enkeltochter kümmern. Die spiele schon jetzt mit dem Opa Fußball, sagt Matejka. „Deshalb müssen wir beim SVH den Frauenfußball voranbringen. Aber da will ich nicht nur in die Regionalliga, sondern in die Bundesliga.“

Derlei Sprüche bekommt man einige zu hören, wenn man sich eine Halbzeit lang zu Matejka an die Bande gesellt. „Ich bin halt ein kommunikativer Typ“, sagt er. „Und ich sage gern meine Meinung.“ Allen voran den Schiedsrichtern, wodurch er sich in der Regionalliga nicht nur einen legendären Ruf erworben, sondern auch manche Geldstrafe eingehandelt hat. „Immer, wenn ich beim Verband bin, sage ich denen: Ich bin euer bester Sponsor“, sagt Matejka und grinst, ehe sich seine Miene schlagartig verdunkelt. Der Grund: Türkgücü ist in Führung gegangen – per Kopf durch einen 1,95-Meter-Hünen. „Da musst du dich kurz auf dem seine Zehenspitzen stellen“, zetert Matejka. „Das hab ich als Spieler immer so gemacht.“

In der Landesliga hat er einst gekickt, bei Wacker Burghausen. „Und mein größter Erfolg war der zweite Platz bei der Deutschen Militärmeisterschaft 1973.“ Der Fußball sei schon immer seine Leidenschaft gewesen. Und so kam er nach dem Umzug nach Kirchheim 1994 auch zum SVH. „Der hat damals in der Bezirksliga gespielt und der Kirchheimer SC bloß in der Hammelklasse“, sagt Matejka. Überdies dürften ihm die roten Trikots zugesagt haben – schließlich ist der einstige Betriebsratschef der Hypobank überzeugter Sozialdemokrat und sitzt bis heute für die SPD im Gemeinderat.

Beim SVH war er anfangs bloß Fan, bis ihn der damalige Abteilungsleiter Thomas Langer fragte, ob er seine Nachfolge antreten wolle. Wenig später rückte Matejka zum Chef des Gesamtvereins auf, dessen Mitgliederzahl in seiner Amtszeit von 1250 auf 2000 gestiegen ist. Auch wenn sein Herz am Fußball hänge, habe er nie die anderen Abteilungen aus den Augen verloren, sagt Matejka, ehe er die Erfolge des SVH in Volleyball, Turnen und Tischtennis herunterrattert – „und wir haben sogar einen Ü-50-Weltmeister im Turmspringen“.

Besonders stolz ist er aber darauf, dass sich die Fußballer so lange in der Regionalliga gehalten haben – „obwohl der Verband uns da gar nicht haben will“. Dieser Satz gehört zum Matejka‘schen Standardrepertoire, genauso wie: „Jeder will lieber 150. Sponsor beim FC Bayern sein anstatt der erste bei uns.“ Entsprechend schwierig sei in all der Zeit die Sponsorensuche gewesen, um die er sich federführend mit seinem Sohn Michael Matejka gekümmert habe. Dieser ist kürzlich als Abteilungsleiter abgetreten, nun hat auch der Vater seinen Hut genommen – nachdem beide den Verein mehr als ein Jahrzehnt geprägt haben.

„Ich denke, es ist der richtige Zeitpunkt zum Aufhören“, sagt Ewald Matejka. „Ich übergebe den Verein in einem sehr guten Zustand.“ Er sei stolz darauf, dass der SV Heimstetten auch bei der Konkurrenz stets als anständiger Klub gegolten habe – „und mit einem Präsidenten, der zum Schmunzeln anregt“. Sagt‘s und eilt schon wieder die Bande entlang. Zum Linienrichter. Zum Meinungsaustausch.

Quelle: Merkur.de

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Basketballer des TuS Holzkirchen müssen ohne Training ran
Basketballer des TuS Holzkirchen müssen ohne Training ran
FC Geroldsbach entreißt dem TSV Allershausen II den Turniersieg
FC Geroldsbach entreißt dem TSV Allershausen II den Turniersieg
Garchings Absturz, Türkgücüs Durchmarsch und der perfekte FC-Bayern-Trainer
Garchings Absturz, Türkgücüs Durchmarsch und der perfekte FC-Bayern-Trainer
TSV Eching II holt sich Turniersieg im Finale gegen den Gastgeber FC Neufahrn
TSV Eching II holt sich Turniersieg im Finale gegen den Gastgeber FC Neufahrn

Kommentare