Ludwig Attenberger tritt zurück

SV Hohenlinden: Rücktrittswelle erreicht Spitze

Ludwig Attenberger legt nach secheinhalb Jahren das Amt des Vorstands nieder.
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Ludwig Attenberger legt nach secheinhalb Jahren das Amt des Vorstands nieder.

Nach sechseinhalb Jahren als Vorsitzender des SVH kündigte Ludwig Attenberger per E-Mail an die Ebersberger Zeitung überraschend seinen Rücktritt an.

Die Fußballer und Fußballspielerinnen des SV Hohenlinden kommen an diesem Samstag anlässlich der Weihnachtsfeier ihrer Abteilung um 20 Uhr im Gasthof zur Post zusammen. Die Festtagsstimmung dürfte allerdings gewaltig getrübt sein. Schließlich steht die Fußballabteilung nach dem jüngsten Personalchaos in der Führungsetage (wir berichteten) seit gestern vor einem amtlichen Scherbenhaufen.

Nach sechseinhalb Jahren als Vorsitzender des SVH kündigte Ludwig Attenberger per E-Mail an die Ebersberger Zeitung überraschend seinen Rücktritt an: „Hiermit möchte ich Sie informieren, dass ich aus zeitlich berufsbedingten Gründen das Amt als Vorstand des SV Hohenlinden zum Jahresende 2019 niederlege.“

Nur zwei Stunden zuvor hatte Attenberger telefonisch noch Nachfragen zu seiner Pressemitteilung beantwortet, die er im Zuge des gemeinsamen Rücktrittsschreibens von Abteilungsleiter Thomas Heidfeld, dem Sportlichen Leiter Fußball, Nevzat Yildiz, sowie Abteilungskassier Claudia Heidfeld aufgesetzt hatte. Dass der große Förderer und Finanzier der Herliner Kicker sein Amt an der Vereinsspitze zur Verfügung stellt, wirft neben den vielen Ungereimtheiten in der Abteilung jetzt auch viele Fragen im Hauptverein auf, die bis zum Jahreswechsel wohl nicht alle zu beantworten sind.

Vor dem Hintergrund seines Rücktritts scheint die Schlusspassage in Attenbergers Presseschreiben nicht zufällig gewählt: „Die Hohenlindener Fußballer haben in den letzten fünf Jahren Hervorragendes geleistet, sind nach Jahren des A-Klassen-Aufenthalts bis in die Kreisliga aufgestiegen. Sie zählen derzeit zu den besten Mannschaften des Landkreises. Die 2. Herrenmannschaft ist von der C-Klasse in die B-Klasse aufgestiegen. Für eine kleine Gemeinde von 3000 Einwohnern ist dies eine hervorragende Arbeit.“

Und weiter: „Auch wenn der Spielerkader diese Saison klein ist, so steht die Mannschaft gut dar und hat immer noch die Möglichkeit mit einer guten Rückrunde einen Relegationsplatz zu erreichen. Für die Saison 19/20 und 20/21 rücken bis zu zehn A-Jugendspieler nach. Dies lässt für den Verein Positives erwarten, auch das war in den letzten Jahren nicht so.“

Mini-Kader in der Kreisliga 

Dazu, wie dieser Relegationsplatz angesichts der jüngsten Spielerabgänge, dem Mini-Kader von aktuell elf Kreisliga-Kickern sowie der weiterhin offenen Trainerfrage tatsächlich erreicht werden könnte, wollte sich Attenberger nur soweit äußern: „Wir können ja auch auf eine Handvoll Spieler von der Zweiten zurückgreifen, was ja von einigen Hohenlindenern befürwortet werden dürfte. In Bezug auf Neuzugänge gibt es nix neues und wir sind nicht unter Zugzwang.“

Letzteres scheint rückblickend gleichermaßen auf Attenbergers Umgang mit der dreifachen Kündigung seiner Fußball-Funktionäre zuzutreffen. Auf Nachfrage zu seinem zweiwöchigen Schweigen erklärt er: „Das war alles sehr kurzfristig und ist innerhalb von ein paar Tagen passiert. Wir machen das alles nebenberuflich und ich habe, ehrlich gesagt, auch nicht die Notwendigkeit gesehen, darauf zu reagieren.“

Ein wenig Selbstkritik mag auch durchklingen, wenn Attenberger die Kommunikationspolitik zwischen ihm, der Abteilungs-, sowie der sportlichen Leitung im letzten Halbjahr allgemein rekapituliert. Ludwig Attenberger geht kurz in sich. „Ja, in der Kommunikation sind einige Dinge passiert, die sicherlich nicht förderlich waren.“ Den ersten großen internen Riss habe jedoch Thomas Heidfeld verursacht, indem er öffentlich sein vermeintlich fehlendes Mitspracherecht bei Personalentscheidungen monierte. „Das hat einfach nicht gestimmt. Er war von Anfang an komplett in die Mannschaftszusammenstellung eingebunden“, so Attenberger. Ohnehin habe es zwischen ihm und seinem ehemaligen Abteilungsleiter keinerlei Kompetenzgerangel gegeben. Schriftlich heißt es dazu: „Für mich gab es keinen Machtkampf. Die Vereinssatzung gibt vor, dass Personalanstellungen des Vereins und deren Gehaltsvereinbarungen mit dem Vorstand abzusprechen sind bzw. abgesegnet werden müssen, dies ist auch den jeweiligen Abteilungsleitern bekannt.“ Das gelte insbesondere für die Verpflichtungen von Trainern und Spielern. „Die Planung und das Ziel für die Saison 19/20 wurde mit Vorstandschaft und Abteilungsleiter Herrn Heidfeld besprochen und abgestimmt. Auch wurde vereinbart, dass drei neue Spieler zum Saisonbeginn dazukommen.“

Wie und vor allem mit wem an vorderster Front die laufende Spielzeit zur Rückrunde fortgesetzt wird, muss wohl auch für die Damenmannschaft der SG Hohenlinden/Forstern/Edling noch final geklärt werden. Einerseits schreibt Attenberger: „Herr Nevzat Yildiz ist nicht zurückgetreten, sondern wurde seiner Aufgaben entbunden. Auch als Damentrainer wurde ihm das Amt als Vertreter des SV Hohenlinden entzogen. Aus diesem Grund nehme ich an, ist Herr Heidfeld mit seiner Frau zurückgetreten. Die Nachricht übermittelte er per Mail.“

Andererseits wussten bislang weder Yildiz noch sein Co-Trainer Thomas Heidfeld nach eigener Aussage von derartigen Vorgängen, die im Rahmen einer Spielgemeinschaft ohnehin nicht in der Entscheidungsmacht eines einzelnen Vereins liegen. Summa summarum herrscht beim SV Hohenlinden in den kommenden Tagen und Wochen viel Klärungsbedarf, der auf den Weihnachtsfeiern der einzelnen Abteilungen für reichlich Gesprächsstoff sorgen wird.

Quelle: Merkur.de

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