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60 Liter Bier für den Tipp? Günding zeigt Sulzemoos an – „Fußball ist hässlich“

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Von: Moritz Bletzinger

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Stefan Eckstein (l.) spielte fünf Minuten: Das kostet den SV Sulzemoos jetzt wohl drei Punkte – Dennis Reith (r.) ist stocksauer auf den SV Günding, der den Einsatz angezeigt hat.
Stefan Eckstein (l.) spielte fünf Minuten: Das kostet den SV Sulzemoos jetzt wohl drei Punkte – Dennis Reith (r.) ist stocksauer auf den SV Günding, der den Einsatz angezeigt hat. © SV Sulzemoos

Im Dachauer Hinterland zerbrechen Freundschaften. Es geht um eine Anzeige des SV Günding gegen den SV Sulzemoos, die kaum kurioser sein könnte.

Sulzemoos – Es läuft die 85. Spielminute zwischen dem SV Sulzemoos und dem SV Günding. Beim Stand von 4:1 darf Stefan Eckstein auf den Platz. Der A-Jugendliche hatte sich freiwillig gemeldet, die Bank im ausgedünnten Kader der ersten Mannschaft zu füllen. Als „Dankeschön“ bekam er dann ein paar Kreisliga-Minuten, als die Partie schon entschieden war, erklärt Dennis Reith, technischer Leiter des SV Sulzemoos.

Einsatz von Jugendspieler: SV Sulzemoos verliert Spiel gegen Günding wohl nach Anzeige

An diesen fünf Minuten zerbricht nun das Verhältnis zwischen Günding und Sulzemoos. Und auch die Jugendspielgemeinschaft zwischen Sulzemoos, Egenburg und Odelzhausen wackelt. Wie kann ein derartiger Streit ausbrechen? Der Fall ist von Anfang bis Ende kurios.

Eckstein hätte nicht auf den Platz dürfen, so viel steht fest. Er hatte bereits zuvor für die zweite Mannschaft in der A-Klasse gespielt. Jugendspieler dürfen aber nur eine Partie pro Spieltag bestreiten, egal wie lange. „Wir haben die Regel nicht gekannt“, sagt Reith, der sich da nicht herausreden will. Aber: „Die Art und Weise von Günding geht gar nicht.“

Sulzemoos und Günding feiern noch zusammen – am Tag darauf ist die Brüderlichkeit vergessen

Nach dem Spiel wurde noch gemeinsam gefeiert. Auf dem Sulzemooser Sportgelände ging die Party gemeinsam mit den Gündingern bis in die frühen Morgenstunden. SVS-Coach Markus Wagenpfeil hat um vier Uhr nachts noch einen Gündinger aus dem Graben gezogen und nach Hause gefahren.

Über den Fehler sei am Abend natürlich auch schon gesprochen worden, berichtet Reith: „Sie haben immer gesagt, da kommt nichts, haben auch Sprachnachrichten geschickt.“ Am nächsten Tag war es aber vorbei mit der Brüderlichkeit. Günding hat den SV Sulzemoos angezeigt und erkämpft sich so wahrscheinlich drei Punkte über den grünen Tisch.

Anzeige gegen Sulzemoos: VfL Egenburg gibt Günding den Tipp – für 60 Liter Bier?

Möglich gemacht hat das der VfL Egenburg, heißt es aus Sulzemoos. Über die SG Egenburg/Odelzhausen/Sulzemoos ist der Kontakt hier eng. Egenburgs Jugendleiter kennt Eckstein, ihm sei aufgefallen, dass der 18-Jährige widerrechtlich gegen Günding gespielt hat. Das hat er seinem Bruder erzählt und der soll es dem SV Günding gesteckt haben.

„Er soll sogar gefordert haben: Für 60 Liter Bier habe ich einen Tipp, wie ihr drei Punkte bekommt“, sagt Reith. Der bodenlos enttäuscht ist von seinem Partnerverein. Noch in dieser Woche will Sulzemoos über die Zukunft der Spielgemeinschaft beraten. Reith kann über den Vertrauensbruch nicht einfach hinwegsehen: „Wenn es nach mir geht, gibt es da einen kompletten Cut.“

Die Bande nach Günding sind ohnehin schon zerschnitten. „Der SV Günding stellt sich immer als ach so toller Verein hin“, schimpft Reith, „aber das ist doch keine Art und Weise, sich drei Punkte zu erschleichen.“

Günding-Anzeige gegen Sulzemoos: „Das hat ja nichts mehr mit Fußball zu tun“

„Es ist schade, dass man nicht einmal mehr im Landkreis zusammenhält“, zeigt sich Sulzemoos-Trainer Markus Wagenpfeil enttäuscht. „Fußball ist manchmal hässlich, aber das hat ja nichts mehr mit Fußball zu tun. Das ist die Entscheidung von jemandem, der keine Skrupel kennt.“

Die Anzeige gestellt hat Gündings Abteilungsleiter Patrick Belitz. Zu der Geschichte will er sich aber erst nach einer vereinsinternen Beratung ausführlich äußern. Nur so viel schickt er vornweg: Es sei eine Lüge, dass der SV Günding am Samstag beteuert hätte, keine Anzeige zu schreiben, schließlich seien sie erst am Sonntag darauf aufmerksam gemacht worden. (moe)

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