Das Glück ist noch was schuldig

SVH-Coach Baumgärtners harter Weg nach oben

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Der Fußball lässt Heiko Baumgärtner nicht los, trotz bitterer Erfahrungen, die er als Spieler machen musste.

SV Heimstetten - Es fehlte eigentlich nur noch die Unterschrift. In Duisburg, während des DFB-Länderpokals, sollten letzte Details geklärt, der Vertrag festgezurrt werden. Für Heiko Baumgärtner aber war das Turnier schon nach den ersten Minuten des ersten Spiels beendet.

Und der nächste Traum zerstört. Eine schwere Verletzung hatte alle Pläne durchkreuzt, wie schon so oft.

Heiko Baumgärtner war ein begnadetes Talent, mit 11 zu 1860 gekommen, mit 13 von den Bayern geholt, mit 15 Nationalspieler geworden. Mit 17 nach längerer Verletzung an der Säbener Straße aussortiert, Wechsel zum FC Augsburg, drei Tore gegen die Bayern – und gegen den Frust, früh hochgezogen in die erste Mannschaft. Zwangsabstieg in die Bayernliga, Innen- und Außenbandabriss, Comeback, Mittelfußbruch, zu früh wieder angefangen und dann kein Platz mehr in Augsburgs vom neuen Geldgeber aufgerüsteten Kader. Nach Meniskusriss und folgendem Knorpelschaden endete eine vielversprechende Karriere im Amateurbereich beim FC Ismaning.

Heiko Baumgärtner, 33, ist kein Kind des Glücks gewesen. Aber irgendwann, weiß er heute, gibt einem das Schicksal etwas zurück. Wenn man nie aufgibt, nicht resigniert, die Situation so annimmt, wie sie nun mal ist. Baumgärtner hat das Abitur gemacht, eine „sehr gute Ausbildung“ bei Bosch angetreten. Und ist, nachdem er Abstand gewonnen hat, in den Fußball zurückgekehrt. Als Trainer. „Einmal Bayernliga trainieren“, das ist sein Traum gewesen. Im letzten Sommer ging er in Erfüllung, selbst für ihn etwas überraschend.

Baumgärtner: "Alles ist möglich"

Seit einem guten halben Jahr ist er nun Chefcoach, gerade hat er mit dem SV Heimstetten eine hervorragende Vorbereitung absolviert, mit Siegen gegen die Regionalligisten Rain und Unterhaching. Das weckt Erwartungen, die man in Heimstetten eigentlich gar nicht hegt, „die werden von außen hereingetragen“, wehrt Manager Michael Matejka ab. Baumgärtners Truppe hat sich nach einem Zwischentief im Spätsommer kurz vor der Winterpause mit vier Siegen in Folge wieder in eine gute Position gebracht, sieht sich als Jäger. Noch aber sind es acht Punkte Rückstand zu Platz eins, vier auf Platz zwei. „Wenn wir gut wieder reinkommen, ist alles möglich“, sagt der Trainer, das aber hänge auch von vielen Faktoren ab: Man muss von Verletzungen verschont bleiben. Und natürlich auch das nötige Quäntchen Glück haben. Wer wüsste das besser als Heiko Baumgärtner.

Zuversichtlich stimmt ihn, dass „der Kader breiter geworden“, mit Valentin de la Motte ein wichtiger Spieler zurück- und mit Malcolm Olwa-Luta ein Stürmer dazugekommen ist. „Im Training herrscht nun wieder der Konkurrenzkampf, der im Herbst zeitweise fehlte.“ Nun aber die Regionalliga als Saisonziel auszugeben, hält er für vermessen: „Ich habe im Sommer eine Mannschaft im Umbruch übernommen, mit Marco Bläser, Christoph Schmitt und Danijel Majdancevic haben erfahrene Leute den Verein verlassen, die Mannschaft war nach dem Abstieg mental am Boden.“ Baumgärtner musste ihnen die Siegermentalität zurückgeben, „da habe ich angesetzt“. Mit Erfolg, aus den ersten sechs Spielen holte man 16 Punkte, unaufhaltsam schien Heimstetten die Rückkehr anzupeilen.

Trainer mit Siegergen und Leidenschaft

Heiko Baumgärtner scheint das Siegergen vermitteln zu können, als er im Herbst 2014 vom TSV Grasbrunn zur Heimstettener Bezirksligatruppe gewechselt war, stand diese auf dem Relegationsplatz. Baumgärtner feierte sofort fünf Siege in Folge, am Ende der Saison war man Fünfter. Und der Coach hatte sich damit nachdrücklich für eine Beförderung empfohlen. Dennoch hat er gezögert, als Matejka ihm das Angebot unterbreitete, die erste Mannschaft des Vereins zu übernehmen. „Ich arbeite voll, wollte erst sehen, was da auf mich zukommt.“ Zudem wusste er, dass er im Herbst für mehrere Wochen beruflich in die USA musste, was der Verein aber nicht als Hinderungsgrund sah. Baumgärtner sagte zu, nun dauern seine Arbeitstage meist von neun Uhr morgens bis 22, 23 Uhr nachts.

Fußball, sagt er, „ist meine Leidenschaft“. Ein bisschen verrückt muss man wohl sein, wenn man sich diesen Stress antut. Wer aber Heiko Baumgärtner während der Spiele verfolgt, der spürt, dass er Fußball lebt. „Ich bin jetzt seit sieben, acht Jahren Trainer, in der Zeit bin ich wohl keine drei Minuten ruhig auf der Bank gesessen.“ Er will die Mannschaft mitreißen, Engagement vorleben. Er bewundert Klopp als Typ, an Tuchel gefällt ihm, „wie der sich hochgearbeitet hat“. Von den Trainern, die er selbst hatte, hat er „von allen etwas“ mitgenommen, besonders viel von Hermann Hummels, Udo Bassemir und Heiner Schuhmann. „Auch wenn ich ein junger Trainer bin, stehe ich auf alte Werte: Disziplin, Einsatz, Laufbereitschaft.“ Im Gegensatz zu manchen Vertretern der alten Schule aber setzt er auf rege Kommunikation, „ich will mit den Spielern offen über alles reden“.

Geerdet zum Erfolg

Das tat er auch, als man im Spätsommer in diese Abwärtsspirale geriet: In Landsberg hatte man 2:1 geführt, in der Schlussminute aber noch 2:3 verloren, drei Tage später im Pokal gegen Buchbach das identische Szenario. „Der Fußball ist schnelllebig, es wurde schwer, das aus den Köpfen zu bringen.“ Der Wendepunkt war dann das Spiel in Rosenheim, als man den Spieß umdrehte: 0:2 und 2:3 lag man zurück, in der Nachspielzeit aber sicherte Orhan Akkurt den 4:3-Erfolg. „Das war sehr emotional. Sonst wären wir erst mal unten drin gewesen.“

Heiko Baumgärtner hat wieder Spaß am Fußball, bei seinem Arbeitgeber hat er nun Teilzeit beantragt, will sich noch mehr dem Trainerjob widmen können. Die Faszination des Spiels lässt ihn einfach nicht los, seine Begeisterung will er auf Spieler, auf die Mannschaft übertragen. Die Begeisterung, die ihm trotz seiner bitteren Erfahrungen nicht verloren gegangen ist. „Ich habe rechtzeitig den Absprung gefunden, war immer geerdet. Ich habe mein Leben im Griff.“ Baumgärtner darf wieder träumen, wer weiß, wohin ihn sein Weg noch führt.

Das Glück ist ihm ja noch ein bisschen was schuldig.

Dieser Artikel erschien auf der Amateursportseite des Münchner Merkurs. Sie erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner. Erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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