Ulrich Taffertshofer über ein lebhaftes Elternhaus, Spitznamen von Ralf Rangnick und seine Träume. Ein Porträt.

Taffertshofer: "Im Idealfall Liverpool“

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Gegen Kießling und Kampl konnte sich Ulrich Taffertshofer schon messen.

SpVgg Unterhaching - Als Ulrich Taffertshofer zehn Minuten vor Spielende am Boden liegt, weiß er schon, was ihm blüht. Es ist der 15.12.2015 im Sportpark Unterhaching, DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen. Und es ist Taffertshofers bisheriger Karrierehöhepunkt.

 Der jedoch ist früher vorbei als erhofft. Denn vor wenigen Augenblicken hat er Kevin Kampl so umgesenst, dass der Schiedsrichter nicht anders kann und ihm seine zweite Gelbe Karte zeigen muss. Ernüchterung. Sein Team liegt gerade mit 1:2 gegen den Bundesligisten zurück.

Doch Taffertshofer erinnert sich lieber an die 27. Minute. Da gehen seine Hachinger tatsächlich mit 1:0 in Führung. Gegen die Werkself, die eine Woche zuvor ein 1:1-Unentschieden gegen den FC Barcelona geschafft hatte. Vor 12.500 Zuschauern im ausverkauften Sportpark, die das wohl größte Spiel der jüngeren Hachinger Geschichte sehen wollen. „Das war schon brutal“, strahlt der 24-Jährige. Er wirkt gelassen, versucht, das Positive zu sehen. Er ist ein bodenständiger Typ.

Das liegt an seinem Elternhaus nahe dem Staffelsee. „Ich habe fünf Brüder und zwei Schwestern. Wir hatten einen Bauernhof mit Rindern.“ Da muss jeder mit anpacken und so kam es vor, dass er ab und an nicht in die Schule musste. „Ich durfte dafür dann ein paar Stunden Schlepper fahren“. Die Familie ist sportbegeistert. Die Kinder spielen im Oberland verteilt Fußball, ein großer Bruder versucht sich kurze Zeit sogar als Skispringer in Garmisch. Wie seine Eltern das alles organisiert haben? Taffertshofer ist voll des Lobes: „Hut ab. Keine Ahnung, wie sie jeden immer dort hin gebracht haben, wo er hin musste.“ Die talentiertesten Jungs der Familie sind Ulrich und sein drei Jahre jüngerer Bruder Emanuel. Beide werden in die Jugendabteilung des 1860 München aufgenommen.

Taffertshofer: Die "Maschine"

Ulrich macht in den beiden Jahren bei den A-Junioren fast alle Spiele, schafft den Sprung in die zweite Mannschaft, bekommt dort jedoch fast keine Einsatzzeiten. Ein Trainerwechsel und ein Leistenbruch mit anschließender OP bringen ihn bei den Löwen aufs Abstellgleis. Sein Vertrag wird nicht verlängert. „Das war schon schwierig, aber vielleicht war es im Nachhinein betrachtet besser, den Verein zu verlassen.“ Taffertshofer wechselt im Sommer 2012 nach Burghausen. Anfangs wird er in der Zweitvertretung in der Bayernliga eingesetzt, in der Saisonmitte allerdings bekommt er regelmäßig Spielminuten in der 3. Liga. In der folgenden Abstiegssaison ist er ebenfalls oft auf dem Feld.

Die durchwachsene Regionalligaspielzeit danach gehört Taffertshofer zum Stammpersonal, allerdings spielt er meist als Außenverteidiger. „Das war der ausschlaggebende Punkt für meinen Wechsel zu Haching letzten Sommer. Die haben mir von Anfang an gesagt, dass sie mich für die Sechserposition verpflichten wollen. Das ist meine Lieblingsposition und ich glaube, dass ich dort am wertvollsten für eine Mannschaft bin.“ Von seinen Teamkollegen wird Taffertshofer „Maschine“ genannt. Den Spitznamen brachte er von Burghausen mit in den Sportpark. „Uwe Wolf gab ihn mir. Wahrscheinlich wegen meines Körpers. Seit kurzem habe ich aber einen zusätzlichen Spitznamen – ’der Bullige’. So wurde ich von Ralf Rangnick auf dem Teamanalyseblatt vor unserem DFB-Pokalspiel gegen RB Leipzig beschrieben. Da stand auch noch ’Pressingopfer’.“ Das Spiel endete 3:0 für die Hachinger.

Der Bruder spielt schon eine Liga höher

Mit denen spielt er also Regionalliga. Sein Bruder Emanuel ist einen Schritt weiter. Der hatte schon zwei Zweitligaeinsätze bei den Profis des 1860 München. Die Verantwortlichen stellten dem 21-Jährigen wenige Wochen vor Weihnachten noch eine Vertragsverlängerung in Aussicht, um dann kurze Zeit später zu sagen: „Wir werden im Winter neue Spieler holen und für dich wird es sehr schwer.“ Eine ganze Zeit lang schon ruft ihn ein gewisser Bernd Hollerbach an, Trainer des ambitionierten Drittligisten Würzburger Kickers. Anfang des Jahres ist der Wechsel in trockenen Tüchern. Ob man beide Taffertshofers bald mal zusammen auf dem Spielfeld sieht? „Ich hätte nichts dagegen. Das wäre schon cool“, sagt Ulrich. Und wer ist der bessere Spieler? - „Na ja, Emanuel spielt eine Liga höher.“

„Irgendwann“, so die Maschine, „soll es schon eine oder mehrere Ligen rauf gehen. Aber ich lasse das alles auf mich zu kommen, ich bin geduldig.“ Einen konkreten Traum hat er: „Im Idealfall möchte ich für den FC Liverpool spielen. Überhaupt würde ich gerne mal nach England gehen.“ Rein rechnerisch wäre der Aufstieg in die 3. Liga zwar noch möglich, die schwierige Finanzsituation zwang die Verantwortlichen der Spielvereinigung jedoch dazu, keine Lizenz für die nächsthöhere Spielklasse zu beantragen. „Das ist im ersten Moment natürlich ernüchternd“, erklärt Taffertshofer, „aber das ganze Team hat trotzdem keinerlei Motivationsprobleme, denn wir haben einen großen Traum: der Einzug in den DFB-Pokal“. Dazu müssten die Hachinger entweder Meister werden oder den Toto-Pokal gewinnen. Gegner im Halbfinale heute Abend ist der derzeitige Tabellenführer der Regionalliga Jahn Regensburg.

Mittlerweile ist Ulrich Taffertshofer dritter Kapitän seines Teams. Mit dem will er die Ziele unbedingt erreichen, um dann ein neues Karrierehighlight zu bekommen. Dann aber über die volle Spielzeit.

Text: Kevin Müller-Kunz

 

 

Quelle: fussball-vorort.de

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